Gaming
Grand Theft Auto V ist seit 5 Jahren nicht aus den Top 10 Verkaufslisten dieser Welt zu verdrängen. Millionen von Käufern freuen sich über all die Möglichkeiten, die ihnen das virtuelle Los Angeles bietet. Das dekadente Nachtclub-Leben, die spektakulären Heists, die epischen Verfolgungsjagden zu Land, zu Wasser und in der Luft. Los Santos bietet in GTA V eine der kommerziell feinsten Spielwiesen, um den virtuellen Gangster so richtig raushängen zu lassen.
Doch abseits der Massenschießereien und dem explosiven Glitzer, hat es sich ein kleiner Teil der Community zur Aufgabe gemacht, ihre Charaktere zuerst miteinander reden zu lassen und prinzipiell im Rahmen des Gesetzes zu bleiben. Diese Spieler nutzen fernab von GTA Online eigene, modifizierte Clients wieFiveMund Grand Theft Multiplayer, um in kleineren Gruppen eine GTA Rollenspiel-Erfahrung zu erleben, in der Gewalt ein eher unbrauchbares Werkzeug im gesellschaftlichen Leben darstellt.
Natürlich gibt es kriminelle Aktivitäten innerhalb dieser Communities, die typisch für eine Großstadt sind. Doch viele Rollenspieler gehen einem ehrlichen 9 - 5 Job nach. Straßenpolizisten, Security-Wächter, Immobilienmakler, Autoverkäufer etc. bringen eine Vielfalt an alltäglichen Interaktionen mit sich, die alle auf improvisiertem Dialog beruhen. Eigens gefertigte Animationen und Emotes sorgen für den "realistischen" Touch.
Die Communtiy existiert auf dedizierten Servern in einem legalen Graubereich zwischen GTA V und GTA Online. Solange sie ausschließlich Assets aus dem Einzelspieler und dessen DLCs verwendet und keine Inhalte aus dem Online Modus verwendet, sieht Rockstar darüber hinweg. Leben und leben lassen.
Für Samuel Johnson ist GTA V das erste große kommerzielle Spiel, das ein lebendiges Rollenspielen als Alternative erlaubt.
Der 32 jährige Kanadier ist als ClassyPax in der Community bekannt. Für viele Jahre war das Rollenspiel im Spiel nur ein Hobby, das er neben seinem richtigen Job in einer Metall-Firma ausübte. Ein typischer Bürojob, wie er meint.
Aus dem Hobby wurde schließlich ein Beruf, da er mit Streamen das gleiche Gehalt und mehr auf die Beine stellen konnte, wie mit dem Bürojob.
"Ich habe einige kreative Dinge in der Vergangenheit versucht, beispielsweise Photografie und Videoproduktion. Ich schoss Hochzeitsfotos und derartiges, doch jedes Mal, wenn mein Hobby finanzielle Gewinne einfuhr und mehr zu einem Job wurde, verließ mich die Lust daran. Live Streaming ist die einzige kreative Sache, wo das nicht passierte", erzählt uns Johnson.
Letztes Jahr begann er mit dem Streamen auf Vollzeit-Basis und versorgt damit seine Familie als Alleinverdiener. Manchmal vermischt sich das virtuelle und reale Leben des Familienvaters: Als bei seiner Frau die Wehen fürs zweite Kind einsetzten, verblieb er noch in seiner GTA Rolle.
Was war die Reaktion seiner Frau, als sie erfuhr, dass er seinen Job kündigte, um lustige Charaktere im Internet zu spielen?
"Sie freute sich für mich, sagen wir es so", meint Johnson. "Sie ist kein Gamer und versteht nicht wirklich, was ich da mache... doch als sie sah wie die Berechnung auf der Business-Seite funktionierte und, dass daraus ein Monatslohn entstand, ging es für sie in Ordnung. Wenn es funktioniert, dann funktioniert es...".
Johnsons momentaner Server ist TheFamilyRP. Dort hatte er bereits mehrere Rollen "verköpert", die Palette reicht über viele Jobs von Arzt bis Stuntman hinweg. Aktuell ist er als Bauträger im Immobiliengeschäft tätig. In seinem Büro verhandelt er mit Kunden über das begehrte Eigenheim und hat einen entscheidenden Einfluss auf das Spielerlebnis seiner Kunden.
"Spieler kommen zu mir und ich kann ihnen ein Haus oder eine Wohnung anbieten und verkaufen, mit Anzahlung und Kredit versteht sich. Als arbeitende Menschen in GTA können sie dafür aufkommen. Anstatt am Bahnhof zu spawnen, können sie in ihrem Eigenheim mit Garage und Garten starten und enden.
Im ersten Moment wirkt das alles sehr befremdlich. Wie können diese alltäglichen Routinen Spaß beim Spielen machen? Sieht man jedoch auf Spiele wie The Sims, wird schnell klar, dass aus den kleinen trivialen Dingen des Lebens einiges herauszuholen ist. Vor allem, wenn es von gutem Rollenspiel getragen wird.
"Das Geheimnis von gutem Rollenspiel ist einfach: Man muss nur geben", führt Johnson aus. "Man hofft natürlich, dass man etwas zurückkriegt. Das, was ein Computercode nicht machen kann, ist, einen Server mit toller Community zu erschaffen. Das müssen die Menschen schon selbst machen und wir haben viele Leute, die den anderen eine gute Erfahrung in GTA bescheren wollen."