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Gwent: Vom Witcher 3-Minispiel zum Fan-Favoriten
In nur drei Tagen entstand der Prototyp des Sammelkartenspiels: Die Hintergrundgeschichte zu Gwent.
"Nein, geplant war da eigentlich überhaupt nichts", bekommen wir aus Warschau, dem Hauptsitz des The Witcher-Entwicklers CD Project RED, zu hören. "Wir waren mitten in der Umsetzung von The Witcher 3: Wild Hunt und hatten weder die Zeit noch die Ressourcen, uns noch um ein zusätzliches Minispiel zu kümmern". Glücklicherweise ist es anders gekommen, denn mit "Gwent" haben die Polen ein süchtig machendes Sammelkartenspiel geschaffen, dass sich anschickt dem Platzhirschen "Hearthstone" Konkurrenz zu machen.
Mehr als nur ein Pausenfüller
Schon bei The Witcher 2 gab es eine Reihe an Minispielen, beispielsweise Armdrücken, Faustkämpfe und Würfelpoker. Eine willkommene Abwechslung im harten Monsterschlächter-Alltag, die bei den Fans gut ankam. Als das Projekt The Witcher 3: Wild Hunt immer umfangreicher wurde, die offene Spielwelt immer grösser und die Anzahl der Missionen wöchentlich erhöht wurde, befand man die Nebenbeschäftigung mit den Würfeln als nicht mehr gut genug. Eigentlich müsste etwas ganz Neues her, etwas das besser zu dem ambitionierten Spiel passte. Ein Kartenspiel mit taktischem Tiefgang sollte es werden und freie Entwickler wurden beauftragt Vorschläge zu machen. Aber keine der eingereichten Ideen wollte den Funken richtig überspringen lassen und so entschied man sich dafür, diese Aufgabe einfach selbst zu übernehmen.
Ich gebe euch drei Tage Zeit!
Zeit ist Geld: Adam Badowski, Studiochef von CD Project RED, war für die Idee eines zusätzlichen Spiel im Spiel zu haben, hatte aber ein paar klare Vorgaben. Maximal zehn Minuten Spielzeit, einfach zu erlernen, aber schwer zu meistern und das vollständiges Konzept muss am Montag auf seinem Schreibtisch liegen, sonst gibt es eben kein Minispiel in The Witcher 3. Das war an einem Freitag. Lange Rede, kurzer Sinn: Die Entwickler Rafal Jaki und Damien Monnier, passionierte Brettspieler, nutzen das Wochenende und legten pünktlich den Gwent-Prototypen vor. Inspiriert von Karten- und Brettspielen wie Netrunner oder Neuroshima Hex, thematisch fest verankert im Witcher-Universum.
Gwint oder Gwent?
Der Name des Sammelkartenspiels stammt übrigens aus den Romanen von Andrzej Sapkowski, der dort das, besonders bei den Zwergen beliebte, Kartenspiel Gwint ( übersetzt Schlagwetter) beschreibt. Da Sapkowski dem Leser nicht die genauen Regeln erklärte, konnte man einfach den Namen nutzen und ein eigenes, recht komplexes, Regelwerk hinzufügen. Aus dem polnischen Gwint wurde dann Gwent, weil sich der Name im internationalen Bereich einfach besser aussprechen liess.
Vom Erfolg überrascht
Auch wenn Gwent mit viel Liebe zum Detail in das Hauptspiel integriert wurde, viele Gedanken hat man sich im hektischen Alltag nicht mehr gemacht. Es war halt drin und auf vorherige Tests mit dem potentiellen Zielpublikum wurde komplett verzichtet. Keiner in Warschau hatte wirklich damit gerechnet, dass sich Gwent als echter Fan-Favorit erweisen würde. Klar, die Tests der Fachpresse lobten das Sammelkartenspiel immer wieder und auch die Resonanz der Spieler war überwiegend positiv. Aber erst als die Preise für die Xbox One Collectors Editon, der als Gimmick ein limitiertes Gwent-Kartenset beilag, auf Plattformen wie eBay in die Höhe schossen, kam der Gedanke, dass hier ein echter Bedarf bei den Fans bestand. Fans haben selber Karten kreiert und zum Download angeboten, sogar eigene Browserspiele entwickelt. Was allerdings zu rechtlichen Problemen mit den Lizenzinhabern führte und unterbunden werden musste.
Die Fans haben Gwent als eigenständiges Spiel erst möglich gemacht
Mittlerweile stapelten sich die Anfragen per Mail und in den Foren wurde immer deutlicher ein eigenes Stand-Alone-Spiel gefordert. Das Begehren der Community sollte nicht umsonst bleiben und es wurde ein eignes Team zusammengestellt, dass sich mit der Umsetzung beschäftigte. Mittlerweile arbeiten 30 Entwickler an Gwent und das Studio präsentiert ihre Ideen auf allen wichtigen Messen, wie Gamescom oder der Electronic Entertainment Expo in Los Angeles. Keine leichte Aufgabe, hatte das Studio bislang doch keinerlei Erfahrung mit Online-Multiplayer-Spielen und standen erst einmal vor einer gewaltigen Herausforderung. Erst die Fans haben die Entwicklung möglich gemacht, das Spiel zum Leben erweckt.
Ein Blick in die Zukunft
Aktuell läuft unter dem Motto "Lasst die Server abrauchen" die offene Beta für PC und Xbox One, bei der ihr euch jederzeit noch anmelden und selber einen Eindruck von dem Sammelkartenspiel machen könnt. Wenn ihr ein paar gute Tipps für den Einstieg braucht, schaut doch mal in unseren Artikel dazu rein. Und wenn ihr nicht so auf Online-Multiplayer steht, für Anfang 2017 ist übrigens eine Solo-Kampagne geplant, bei der Geralt von Riva die Hauptrolle spielen wird.



