Fixed Gear
Hardcourt-Bikepolo: Neuauflage einer Elitesportart
Wenn Skills am Rad alleine nicht mehr reichen
Autor: Bernhard Blum
veröffentlicht am
Bike Polo
Bike Polo
Das Bild, das das Wort „Polo“ im Gedanken entstehen lässt, ist überholt. Zumindest wenn man die Worte Hardcourt-Bike voran stellt. Dann spricht man der härtesten Kombinationssportart die derzeit Einzug in die Metropolen der Welt hält und ständig neue Rad-Enthusiasten begeistert.
Der Ball der die Welt bedeutet, ist für die Anhänger des Bikepolo-Sports eine circa Tennisball-große Kugel aus PVC, die mit einem Poloähnlichen Schläger in einem etwa Fahrrad-breiten, gegnerischen Tor versenkt werden soll - entweder 5 Mal oder möglichst oft innerhalb einer fix vorgegebenen Zeit um das Spiel zu gewinnen.
Das gesamte, offizielle Regelwerk umfasst mehrere Seiten und kann bei Interesse hier nachgelesen werden. Tatsächlich steht aber die Freude an der Sache immer im Vordergrund. Die lokalen Crews legen jedoch die Details und Varianten, in welche Formation wie gespielt wird, selbst fest. Wer sich selbst ein Bild machen oder erste Versuche unternehmen will, kann das in einer von 5 österreichischen Städten machen und findet unter www.bikepolo.at weitere Informationen dazu.
Mut, Schnelligkeit und Präzession sind ein muss
Mut, Schnelligkeit und Präzession sind ein muss
Eine spannendere Neuauflage als das Original
Erfunden wurde die Sportart vom ehemaligen Profiradler Richard J. Mecredy 1891. Als Herausgeber des „The Irish Cyclist“ war er sich der Publikumswirksamkeit einer Kombinationssportart aus Radball und dem klassischen Polo bewusst und hat die rasche Gründung von Clubs im In- und Ausland vorangetrieben, gespielt wurde damals auf 100 mal 150 m großen Rasenfeldern.
Nach einer unter anderem kriegsbedingten Pause hat der Sport erst in einer urbanen Version Ende der Neunziger in Seattle eine Wiedergeburt erlebt. Zwischendurch auftragslose Radboten haben ihre Pausen genutzt um auf kleinen, asphaltierten Freiflächen, anfänglich noch mit leeren Transportrollen von UPS, ihrem Spieltrieb mit Passion nachzugehen. Aus dem Spiel wurde Ernst und so hat sich „Hardcourt Bike Polo“ von einem lokalen Phänomen am „Sunkist“-Parkplatz zu einer globalen Szene-Sportart entwickelt.
Nimm was Du hast - und spiel Polo!
Vorschriften zur Ausstattung gibt es keine und nachdem Boten-Rollen als die ersten Schläger dienten, blieb der Do-it-Yourself Spirit wohl erhalten, wenn auch die Anzahl professioneller Ausrüstungsanbieter gewachsen ist. Grundsätzlich kann jedes Fahrrad verwendet werden, durchgesetzt haben sich auf Wettkampf-Niveau jedoch Single Speeds, also Eingang Räder mit Freilauf. Während Fixies im Straßenverkehr trotz des hohen Spaßfaktors immer Kritiker finden werden, haben sie im Bikepolo wortwörtlich schlagende Argumente.
Um möglichst agil und reaktionsschnell zu sein, ist eine direkte und unmittelbare Kraftübertragung in beide Richtungen vorteilhaft. Die Grundregel ist, dass die Spieler keinen Fuß auf den Boden setzen dürfen und so kommt dem „Track Stand“, dem auf dem Fixie üblichen, stehenden Balancieren des Bikes, eine große Bedeutung zu. Nachdem Fahrradboten die Erfinder dieses Neuauflage sind, waren anfänglich Fixies unter Polo-Spielern weit verbreitet. Tatsächlich wird heute jedoch bei Turnieren kaum noch mit Fixies gespielt, weil die fortwährende Kurbeldrehung Fahrrad- und auch Ballkontrolle schwieriger gestaltet.
Das Wiener Team „WESTCOAST“
Das Wiener Team „WESTCOAST“
Die Verbindung zwischen Pferd und Reiter zählt
Wer denkt, dass nur ein lebendes Pferd besonders viel Feingefühl im Umgang verlangt, liegt falsch. Nachdem meistens ein Eingang-Rad, wenn auch selten „fixed“, zum Einsatz kommt, ist die Übersetzung ausschlaggebend. Das perfekte Verhältnis zwischen vorderer und hinterer Zahnradgröße ist abhängig von persönlichen Fähigkeiten und Präferenzen und oft ist es ein laufender Prozess die Idealabstimmung zu finden. Um dem Ball ein „Gurkerl“ durch die Speichen zu verunmöglichen, ist es erlaubt die Zwischenräume zu schließen, oft sind diese Konstrukte eine Komposition mit sehr persönlicher Note.
Nur die Harten kommen durch!
Bikepolo ist ein harter Sport. Im Spiel ist Körperkontakt zwischen den Spielern erlaubt und unter gewissen Regeln auch Gang und Gäbe. Die Tatsache, dass man, während man mit anderen auf engem Raum Rad fährt, dabei noch einen Schläger schwingt, lässt vermuten, dass es ein erhöhtes Verletzungsrisiko gibt. Dennoch erfreut sich der Sport bei beiden Geschlechtern über große Beliebtheit und es gibt reine Frauen-, Männer und auch Mixed-Teams. Ein äußerst umtriebiges Aushängeschild der lokalen Szene und eines von 7 alleine in Wien aktiven Teams, die „WESTCOAST“ besteht aus Andi, Conny und Flo Danger, also einer weiblichen und zwei männlichen Spielern.
Derzeit wird an den Wochenenden für die im März startende Saison trainiert, denn es stehen mehrere Events am Plan, unter anderem ein internationales Tournament bei dem sich Teams aus ganz Europa beteiligen werden. Wenn es sich auch um einen kompetitiven Sport handelt, wird der Community-Gedanke von der wachsenden Spielerschaft rund um den Erdball tatsächlich gelebt. Befreundete Athleten tauschen sich auf einem internationalen Level laufend aus und so wächst die Zahl der Aktiven auch ohne ein bürokratisches Verbandswesen.