Games

Zwei Seelen wohnen, ach in ihrer Brust

In Hellblade sind wir dem Wahnsinn verfallen und haben es geliebt.
Autor: Ken Shilling
3 min readPublished on
Hellblade

Hellblade

© [unknown]

Die Spielfigur Senua steht unter massivem Einfluss ihrer unkontrollierbaren Gedankenflut. Stimmen im Kopf nagen an ihrer Seele, Illusionen verzerren ihre Wahrnehmung. Und irgendwie scheint sie im Bann einer höheren Entität zu stehen. Das alles finden wir in den ersten Sekunden der Demo heraus. Mit Kriegsbemalung und Narbengesicht blickt sie uns durch den Fernseher direkt in die Augen und murmelt „Ich sehe dich“, ehe ihr schmerzender Arm verwelkt und sich langsam wieder regeneriert. In diesen ersten packenden Momenten verfallen wir der fantastischen Welt von Hellblade.
Ob das Erlebte real ist, fragen wir. „Für sie ist es real“, antwortet Dominic Matthews von Ninja Theory. Psychosen und Halluzinationen seien für Menschen in ihrem Zustand immer echt, erklärt er. Darum muss sie sich auch mit ihrem Schwert zur Wehr setzen, als wir in die Dunkelheit gerissen werden und bärenstarke Dämonen auf sie zumarschieren. Senua ist eine Keltin auf der Suche nach ihrer Mutter. Ob sie weiß, dass sie auf dieser Suche in die mythische Unterwelt von Helheim geraten ist, bleibt unklar. Und das gefällt, da wir somit mit denselben Fragen konfrontiert sind: Wo sind wir, was machen wir überhaupt und ist dies alles vielleicht ein Traum?
In der kurzen Demo bekommen wir ein Gefühl für die Spielwelt von Helheim. Eine steinige, bewaldete Inselgruppe auf der sich etliche rituelle Strukturen – angelehnt an Stonehenge beispielsweise - befinden. Dank einer speziellen Fähigkeit erkennen wir wichtige Orte und Gegenstände, mit denen wir interagieren können. So machen wir ein Gebäude in der Distanz aus, finden versteckte Botschaften in Runen oder Schriftstücke die auf Bäumen hängen. Diese Fähigkeit setzen wir auch zum Lösen von Rätseln ein, die nicht bloß als Extra platziert wurden, sondern die Story weiterbringen. In einem Moment erkennen wir im wirren Ästenetz vor unseren Augen ein Gesicht, das uns eine Botschaft vermittelt.
Concept Art zur Welt

Concept Art zur Welt

© [unknown]

Wir wollen wissen, wie genau es die Entwickler mit Senua’s Geisteskrankheiten genommen haben. Wie sehr wirkt sich ihr Zustand auf ihre Wahrnehmung aus? Matthews meint, dass der Charakter und die Spielwelt unter dem Einfluss seines Verstandes stünden. „Ihre Stimmung reflektiert Senua auf die Umgebung. Zum Beispiel kommt es darum zu scharfen Einschnitten und Themenwechseln“. Und tatsächlich passiert genau das. Als wir gegen Ende der Demo einen Fluss entlang laufen, wird es dunkel, ein Sturm bricht über uns herein und das Gesicht von Senua’s Mutter strahlt vor uns. Die Mutter der Kriegerin spricht von Sachen, die noch keinen Sinn ergeben, ehe sie in Scherben zerspringt.
Echte Bedrohung oder Einbildung?

Echte Bedrohung oder Einbildung?

© [unknown]

Die Suche hat sich ausgezahlt. Fernab gigantischer Stände, weit weg von stundenlangen Wartezeiten und lautem Getöse, fanden wir in einem kleinen Kämmerchen eines unserer Gamescom Highlights. Dass Ninja Theory Meister ihres Handwerks sind, haben sie schon oft (DmC, Enslaved,…) unter Beweis gestellt. Doch der erste Einblick in Hellblade‘s eindrucksvolle Geschichtenerzählung, inmitten eines unberührten Szenarios, hat uns dennoch schwer beeindruckt.