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Backstage: So erlebten Hunger ihre Europa-Tour
Stress, Euphorie, Grippe-Alarm & bebende Hallen: Die Electronic-Pop-Band über ihr Tour-Abenteuer.
Hunger waren im Februar und März mit den Pop-Rock-Größen Against The Current in Holland, Belgien, Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, Ungarn, Polen, Tschechien, Luxemburg und England auf Tour. Zusammengefasst: 26 Shows.
Für uns haben sie ihre Erlebnisse fotografisch festgehalten (weiter unten). Außerdem erzählen sie ihre besten Tour-Anekdoten.
Der schwebende Bus
„Unsere Europa-Tour mit Against The Current ist relativ kurzfristig zustande gekommen und erst sehr spät endgültig fixiert worden. Dadurch waren die Vorbereitungen dann doch stressiger als gedacht. Am Tag der Abreise hat Jojo auch gleich mal verschlafen und uns alle im Regen warten lassen (er hatte den Bus-Schlüssel) 😏. Dann sind wir mit dem Bandbus unserer Freunde von FAMP nach Holland gefahren und haben dort eine Nacht verbracht. In Nijmegen ist uns zum ersten Mal bewusst geworden: Okay, jetzt geht’s also los.
Der erste Gig war im Club Doornroosje – eine unglaublich moderne und wunderschöne Venue mit mehreren Sälen. Da jedoch hinter dem Club in der Ladezone nicht so viel Platz ist, gibt es einen Lift für Nightliner. Das ist eine Plattform, auf die das ganze Ding rauffährt, hochgehoben wird, gedreht, und wieder abgestellt wird um umdrehen zu können. Zu diesem Zeitpunkt kannten wir noch niemanden von der Headliner-Band und waren noch nicht mal in den Nightliner eingezogen. Das Erste was wir sahen war, wie das Ding, das dann für eineinhalb Monate unser Zuhause war, plötzlich schwebte – und die ganze Travelparty stand mit den Handys daneben, um das zu filmen.“
„Nice to meet you“...
„Am Anfang war’s natürlich etwas angespannt. Jeder wusste: Okay, wir sind 15 Leute in einem Bus, und das für sechs Wochen. Wir wurden aber gleich sehr freundlich vom Tourmanager der Hauptband, Against The Current, empfangen. Lloyd hatte generell eine Schlüsselposition, wenn es darum ging, die ganze Meute unter Kontrolle zu halten. Das Eis ist dann aber nach der ersten Woche, wo man sich erstmal kennenlernen musste, komplett gebrochen – vielleicht auch, weil Against The Current uns auch musikalisch sehr respektiert haben. Die restlichen 30 Tage waren dann einfach eine Reise mit Freunden.“
Städte wie aus dem Bilderbuch
„Eine besondere Highlight-Stadt war Edinburgh. Sie wirkt wie Hogwards und das tiefste Mittelalter. Dazwischen kurven Leute mit Jaguar durch die Gegend, auf der falschen Straßenseite natürlich. Dazu das Meer, die Highlands. Traumhaft. Oder auch der Day Off in San Sebastián. Da hatten wir Glück mit dem Wetter, 20 Grad und Sonne, und sind mit Against The Current durch die fast noch leere Stadt spaziert. Dann noch Paella essen und Sangria trinken, während der Bus auf einem Campingplatz wartete.
Die Resonanz bei den Shows war durchwegs der Hammer. Heraus sticht da zum Beispiel die erste Deutschland-Show in Heidelberg. Das war ein Club mit einer Kapazität von 500 Besuchern, der aber durch die vielen Ebenen im Publikumsbereich Stadion-Feeling hervorrief. Von der ersten bis zur letzten Reihe hat die Halle gebebt.“
Leben in der Koje
„Ein großer Vorteil im Vergleich zum Touren mit dem Van ist, dass der Bus nach der Show losfährt und man sich selber keine Gedanken mehr machen muss, wohin es jetzt geht. Das Schlafpensum ist somit ein wesentlich höheres. Am Anfang war’s schräg, weil sich der Bus so viel bewegt, aber nach zwei Tagen schläft man wie ein Baby. Wenn du dann mal im Hotel schläfst, denkst du: Hey, warum schaukelt das nicht? Warum höre ich den Ventilator nicht? Die Schlafkoje wird so quasi zu deinem geliebten Zuhause. Das Einzige, was manchmal unangenehm sein kann ist, dass man sehr von der Infrastruktur der Venues abhängig ist. Man lernt es wirklich zu schätzen, wenn ein Club nicht nur eine kleine kalte Dusche für 15 Personen hat – was schon vorkommen kann.“
Grippe-Welle
„Der Tour-Manager Lloyd ist circa nach der Hälfte der Tour, kurz nach dem Wien-Gig, krank geworden. Das war hart, weil vier Konzerte hintereinander waren, ohne Day Off. In Prag haben wir zum ersten Mal Grippepillen gekauft. Grad die Sänger beider Bands haben wirklich gekämpft, damit die Stimme nicht weggeht.
Lustiges Detail: Ganz am Anfang hat der Tour-Manager uns noch ins Gewissen geredet, dass wir proaktiv darauf achten sollen, nicht krank zu werden – also Vitamine reinschmeißen, immer Hände waschen. Dann hat es genau ihn zuerst erwischt. Zum Glück ist es gerade noch gut ausgegangen.“
Stress, Stress, Stress...
„Equipment schleppen ist immer scheiße. In Madrid war es aber wirklich schlimm. Heißt: 47 Stufen bergab bis zur Bühne! Und der Bus steht währenddessen an einer stark befahrenen Straße, die du mit dem ganzen Zeug überqueren musst, um zum Club zu kommen. Natürlich sind alle ausgezuckt, weil wir die Straße eine Zeit lang blockiert haben. Die Spanier fangen natürlich an zu hupen, die Polizei kommt – der reinste Wahnsinn!“
Naja, das Karma...
„Bei einer Show ist direkt nach der Hauptband ein Mädchen kollabiert. Es war ein ganz enger Club, also wurde das Mädchen quasi via Stage Dive auf die Seite getragen, zu uns, zum Merch-Stand. Der Aftershow-DJ hat in diesem Moment die Musik voll aufgedreht, während wir – auch die Sängerin von Against The Current – ihr helfen wollten. Wir haben den DJ gefragt, ob er denn bitte kurz die Musik nicht leiser drehen könnte, bis die Situation geklärt ist. Er hat uns quasi mit einem „Schleicht’s euch“ abgewimmelt. Auch wenn’s dem Mädchen dann glücklicherweise schnell wieder besser ging – wir waren natürlich sehr angefressen. Aber naja... unbestätigten Gerüchten zufolge soll ihn dann etwas später jemand mit einem Feuerlöscher vollgesprüht haben...“
Zeit totschlagen im Bus... 3 Tipps:
Lukas... hat viel FIFA gespielt. Er war ungeschlagener Champion.
Daniel... hat „The Mentalist“ geguckt. Hauptsächlich zum Einschlafen.
Jojo... hat einen „so guten“ Film gesehen, dessen Namen er nicht mehr weiß. Und auch „Harry Potter“.
Ein Hoch auf den Busfahrer
„Unser Busfahrer – ein alter Hase im Geschäft und der liebste Mensch überhaupt – war schon mit Nirvana unterwegs, noch dazu auf deren letzter Tour. Oder auch mit The Darkness und Steel Panther. Er hat Lucas den Spitznamen „Sparkles“ gegeben, weil er während der Tour immer eine glitzernde Lederjacke anhatte. Und er hat sein Namenschild über der Koje gegen „Sparkles“ ausgetauscht und ihm Rosen ins Bett gelegt. Außerdem hat er die folgende Video-Botschaft gedreht....“
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„Sparkles“
„Sparkles“
Abschließen ist schwer
„Die sogenannte „Tour-Depression“ hat bei erst ein paar Tage nach dem Ende, zuhause in Wien, begonnen. Das war irgendwie komisch, weil alle plötzlich weg waren. Diese ganzen Routinen, die Macken der einzelnen Leute – man wächst schon sehr eng zusammen. Es ist bei der letzten Voll-Band-Show in Cardiff aber auch viel Druck abgefallen, weil danach nur noch Akustik-Konzerte anstanden. Der endgültige Abschluss in London war aber auch noch etwas Besonderes: Against The Current haben extra Streicher aus New York einfliegen lassen und auch unser Stripped-Down-Set ist super angekommen. Die Heimreise war dann noch einmal eine Challenge, weil wir zuerst mit dem ganzen Equipment am Flughafen herumgeirrt sind. Bei der Ankunft in Wien hat dann Daniel plötzlich seinen Pass nicht mehr gefunden – der ist jetzt aber glücklicherweise via Post geschickt worden.“
Die Besten zum Schluss
„Das Verrückteste und Schönste überhaupt für uns war, wie viel Begeisterung uns die Zuschauer entgegengebracht haben. Es gab dann schnell sogar eigene Fan-Seiten auf Facebook. Oder in Warschau: Da haben die Leute schon 10 Minuten vor der Show unsere Namen geschrien. Wir haben Postkarten gekriegt – und Daniel sogar ein T-Shirt, wo draufsteht „Ankle Model“, weil irgendwo ein Foto aufgetaucht ist, wo man seine Knöchel wegen der etwas hochgezogener Hose sieht. Es gab sogar Fans, die wegen uns zu Shows nachgereist sind, von Luxemburg nach London. Wir sind unendlich happy über all die Nachrichten, Lyric Videos, Fan Art usw. Danke Leute!“










