Jugo Ürdens im Interview
© Matthias Heschl
Music

Jugo Ürdens: "Jeden Abend FIFA, kiffen und Schach"

Läuft... Presse und Fans feiern den Wiener Rapper und Manner hat ihn wegen seines „DiesDas“-Videos noch immer nicht verklagt. Jetzt kommt das Debütalbum. Wir haben Jugo Ürdens interviewt.
Autor: Manuel Kurzmann
8 min readPublished on
Hundertausende Streams auf YouTube, unzählige Konzerte diesen Sommer, das erste Album kurz vor dem Release: Es läuft gut bei Jugo Ürdens, das kann man so sagen. Dieser Erfolg und die Anerkennung kamen aber nicht von gestern auf heute: In den letzten beiden Jahren hat der Wiener Rapper hart an sich und seiner Musik gearbeitet. Der vorläufige Höhepunkt dieser Entwicklung:
Die Releaseparty seines Debütalbums mit einem mazedonischen Pop-Up Restaurant im WERK in Wien:
Wir haben Jugo Ürdens bereits knapp vor einem Jahr zum ersten Interview getroffen, kurz nach seinem ersten kleinen viralen Hit „Österreicher“. Im Gespräch hat er uns erzählt, warum er diesen Song eigentlich überhaupt nicht mag, wie seine Anfänge als Rapper waren und dass seine Zeit als Musiker eigentlich 2018 vorbei sein hätte sollen. Das ganze Interview findet ihr unter der neuen Single "LÄUFT":
Immer mehr Leute reden über dich und deine Musik und warten schon lange gespannt auf den Release deiner EP „DiesDas“. Hat sich in deinem Leben schon merklich was verändert?
Jugo Ürdens: Gar nicht. Es gibt ein paar Interviews mehr und man kann auf auf ein paar Partys for free trinken. Sonst ist alles entspannt.
Wann hast du eigentlich begonnen, Spaß am Texte schreiben zu finden?
Es hat bei mir so klassisch mit Liebesbrief schreiben begonnen, an ein Mädel in der Schule. Dann halt weiter und immer mehr.
Wann hast du das erste Mal einen Song geschrieben?
Ich glaub da war ich 16. Ich träum manchmal davon und wache dann schweißgebadet auf. Das war ziemlicher Müll, Abfall, Dreck, so scheiße. Zum Glück wurde das nicht aufgenommen.
Worum ging’s?
Ich bin der Geilste. Ich bin der Geilste. Ich bin der Geilste. So.
„Es hat mit Liebesbrief schreiben begonnen.“

„Es hat mit Liebesbrief schreiben begonnen.“

© Matthias Heschl

Hast du anfangs anderen Rappern nachgeeifert?
Ich hab früher ganz viel Maeckes gehört, und auch Gerard, sein „Blausicht“-Album. Da war ich ganz großer Fan davon – von dieser nicht weinerlichen, aber sanfteren, zarteren Musik. Das hat mich gecatcht. Ich habe dann auch in diese Richtung geschrieben. Gott sei Dank hat sich das wieder gelegt (Lacht).
Du hast in deinen Texten immer eine gewisse Humor-Ebene drinnen. Machst du das bewusst oder passieren dir die Jokes eher?
Weiß nicht, ich versteh halt Leute nicht, die sich zu ernst nehmen. Ich könnte das nicht und lach ja auch so über alles, auch über mich. Vielleicht werden die Texte deshalb so.
Wann wurde das mit der Musik ernsthafter?
Das begann mit Sprachsex. Wir haben uns bei so einem Hip-Hop-Workshop getroffen, so ganz ganz ekelhaft, und ich hatte vorher in der Schule niemanden, der Rap gehört hat.
Ich habe dann zum Beispiel mit Movski – übrigens auch ein genialer Rapper – in drei, vier Stunden alle Jahre aufgeholt, wo ich mich mit niemanden austauschen konnte. Wir haben dann begonnen, Musik zu machen. Das war anfangs alles sehr holprig, auch das Beats basteln und so. Und dann kam eh der „Österreicher“, diese Idee.
Durch „Österreicher“ sind ja viele Medien auf dich aufmerksam geworden, sogar die Heute. Es ging halt für sie halt weniger um die Musik und mehr um deinen Hintergrund – du bist gebürtiger Mazedonier und lebst seit deiner Kindheit in Wien. Hast du das vorher schon geahnt – dass der Song aufgehen könnte, weil das Staatsbürgerschafts-Thema so gut gewählt ist?
Ja schon. Wir haben im Oktober 2015 mit dem Song begonnen und da schon gedacht, das könnt gehen, wenn man es gut macht. Dass es dann genauso kommt und das auch im Radio gespielt wird... schon krass. Ich hasse diesen Song aber über alles, der ist so furchtbar übertrieben und schwer zu hören, der strengt dich nur an. Das sind 2:40 überladene Minuten, ekelhaft. Aber naja.
Du wurdest wegen des Songs auch mehr auf deine Herkunft als auf die Musik angesprochen. Hat dich das gestört?
Nein, die Musik ist ja jedem scheißegal. Hauptsache das Image passt mal. Die Signalphrasen sind auch da, „Ich bin Österreicher“, aber scheißegal. Komisch, aber scheißegal (Lacht).
„Die Musik ist ja jedem scheißegal.“

„Die Musik ist ja jedem scheißegal.“

© Matthias Heschl

Wie ging’s dir dann bei deinen ersten Live-Shows?
Wir sind mit Sprachsex oft aufgetreten, immer bei so Drecks-Veranstaltungen for free. Irgendwas halt. Jetzt ist ja bald der erste Jugo Ürdens Solo-Auftritt, am Freitag. Wir proben eh schon seit ein paar Tagen, auch den „Österreicher“. Ich hatte keine Ahnung mehr, wie die zweite Strophe geht (Lacht). Auf Live hab ich aber richtig Bock, ich glaub, das wird megageil. Und es geht ja weiter, mit der VICE-Party in der Forelle, dann am 10. in Linz und dann am Donauinselfest. Ich hoffe, dass es mit so regelmäßigen Auftritten weitergeht.
Bist du so der Typ, der vor einem Auftritt so schnell wie möglich auf die Bühne will oder ist das eher umgekehrt?
Nein, gar nicht. Ich scheiß mich immer ur an, hab ur Angst und krieg Panik. Wir haben auch eine Devise: Wir trinken genau einen Shot und erst bei den letzten zwei, drei Songs wird gebechert. Lallen ist halt nicht drin. Ich hoffe, es wird gut – das wird so die Feuertaufe.
Erkennen dich schon Leute auf der Straße?
Nicht oft, aber letztens hab ich auf den Bus gewartet, ich hatte so einen schwarzen Windbreaker an und die Kappe tief ins Gesicht gezogen. Dann kommt so ein Typ und schaut mich komisch an, so „Ey, Jugo, gell?“ Ich so: „Jaja voll.“ Ich war ur-perplex. Er wollt dann auch ein Foto machen und so. Sonst schreiben mir auch schon ur-viele Leute, auch wegen dem Manner-Ding. Das ist halt echt oag. Manner. Manner. Manner.
Haben sich Manner mal bei dir gemeldet?
Nein nein. Wir haben uns auch nicht bei ihnen gemeldet, weil das so die versteinerten Dinos sein sollen. Wir haben dann einfach den Schriftzug schön zensiert, so richtig auf schlecht (Lacht). Das ist mein Lieblingsvideo bisher. Ich feier das total.
Wie kam eigentlich das Futuresfuture-Signing zustande? Muss ja was Besonderes für dich sein, bei Gerard gesigned zu sein, den du ja ziemlich gefeiert hast.
Das ist über den Wanja von den Schönbrunner Gloriettenstürmern zustande gekommen. Die haben wir vor zwei Jahren angeschrieben, dass wir voll die Fans sind und bla und ihnen einen Song geschickt, der jetzt auch auf der EP ist.
Zu Gerard gibt’s auch eine lustige Geschichte... The Gap haben mich mal gebeten, eine Top 10 Liste zu machen. Ich hab zuerst meine Top 10 Schimpfwörter gebracht aber die meinten, das ist zu krass, das können sie nicht bringen. Dann habe ich mir so die 10 schlechtesten Deutschrap-Alben der letzten Jahre überlegt. Da war halt das letzte Album von Gerard oben. Ne Woche oder zwei später treffe ich ihn bei einem Auftritt von den Stürmern und er meint so: „Du findest mein Album so scheiße?“. Ich so „Ja“, und dann haben wir geredet und ich habe ihm erzählt, dass ich größter Fan war. Dann haben wir uns wieder verstanden (Lacht).
„Ich bin größter Deutschrap-Fan.“

„Ich bin größter Deutschrap-Fan.“

© Matthias Heschl

Wie weit ist eigentlich schon das Thema Debütalbum in deinem Kopf?
Sehr weit. Jetzt ist grad ur die Blütezeit und es geht irgendwie leicht von der Hand. Ich mache mit dem EDWIN, der ist auch auf dem Label, ein Album, das hoffentlich Ende September rauskommt. Wir verbunkern uns da noch irgendwo außerhalb von Wien für 10, 12 Tage, hoffentlich wo am Strand, und dann wird Album gemacht. Das wird geil, hoffentlich.
Gibt’s schon Songs?
Jaja, sicher so 25 Song-Skizzen, mit Hooks, Ideen und so. Es wird richtig süß, Liebe, Gefühle, echt schön (Lacht).
Also ist die Richtung klar für dich?
Ja schon. Es soll schon noch was Dreckiges haben, aber halt auch mega-poppig sein. Nicht übertrieben Ö3-Poppig, aber ich hab halt Mega-Bock auf diese Musik grad. Das taugt mir viel mehr als mir die Seele aus dem Leib zu schreien. Das ist auch mega-anstrengend.
Bist du generell informiert, was im Deutsch-Rap grad so passiert?
Jaja, ich bin größter Deutschrap-Fan. 16 Bars, wer hat ein neues Lied rausgebracht? Oh, Hotbox-Interview mit dem und dem, Fler-Interview, gib ihm. Immer. Ich hör sonst fast nur so Straßen-Rap, die Sachen von Maeckes, Gerard und so, da bin ich glaub ich aus dem Alter raus.
Lustig, weil normalerweise ist das umgekehrt. Die Jungen hören harten Straßen-Rap...
... und dann werden sie reifer, jaja. Aber ich fühl so einen Haftbefehl viel mehr als einen Maeckes. Ich bin krasser Nerd, glaub ich. Aber wenn du mir jetzt kommst mit alten keine-Ahnung-was-Sachen von Wasweißichwen, keine Ahnung. Mein Hip-Hop-Knowledge geht erst so ab 2006 los.
„Ich war genau vier Mal an der Uni.“

„Ich war genau vier Mal an der Uni.“

© Matthias Heschl

Ist das Rap-Ding für dich eigentlich die einzige Sache, die du die nächsten, fünf, sechs Jahre machen willst? Oder hast du irgendeinen Plan B?
Nein, gar nicht. Für mich ist das eher so ein kurzfristiges Ding, ein Spaß. Klar, ich nehme das schon ernst und mache grad nichts Anderes, aber wenn man das zu ernst nimmt, hat man Erwartungen. Und dann wird man enttäuscht, wenn es nicht funktioniert. Jetzt ist‘s grad geil, weil jetzt funktioniert es. Und das muss man halt auskosten und schauen, wie weit’s halt geht. Ich hoff aber, dass ich es merke, sobald es stagniert, und wieder aus dieser Traumwelt rauskomme – und was Anderes mache, das Bestand hat und hält.
Gibt’s abseits der Musik etwas, auf das du Bock hast?
Ich hab mir eingebildet, als Ausgleich was komplett anderes machen zu müssen und habe mich für Jus inskribiert.
Wie Gerard...
Ja voll! Fand ich auch witzig. Ich habe aber tatsächlich nur eine Prüfung abgelegt, die negativ war. Und ich war genau vier Mal an der Uni. So viel zu Ausgleich (Lacht). Aber irgendwann muss ich schon was Gescheites finden – ich weiß noch nicht, was, aber vielleicht kenn ich dann in diesem Musik-Ding genug Leute, dass ich einfach so die Seite wechseln kann. Von vorne nach hinten. Das wäre schön. Auf jeden Fall: Deadline ist 2018 und dann so: Jetzt hast du keine Kohle mehr, jetzt musst du schauen.

Von der Deadline zum YUGO

Jetzt ist bereits Ende 2018 und das Musikding von Jugo Ürdens ist noch immer nicht vorbei. Zum Glück: Auf seinem Debütalbum zeigt der Rapper, wie man mit Sprachwitz und intelligenten Texten aus dem Deutschrapkosmos noch herausstechen kann. Plan B braucht es im Moment noch keinen – und das ist der perfekte Grund für eine ausufernde Party!

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