Jessica Pilz klettert am 23. Oktober 2023 in Innsbruck, Österreich.
© Stefan Voitl/Red Bull Content Pool
Klettern

Der ultimative Guide zum Vorstieg-Klettern und Bouldern

Du möchtest hoch hinaus und endlich deine ersten Schritte in der spektakulären Welt des Kletterns und Bouldern wagen? Wir helfen dir auf die Sprünge und liefern die besten Tipps und Tricks!
Autor: Clemens Burghofer
7 min readPublished on
Im vertikalen Reich des Kletterns finden Abenteurer:innen und Adrenalinjunkies eine unendliche Vielfalt an Challenges und Erlebnissen. Von der kraftvollen Eleganz des Vorstieg-Kletterns bis zur raffinierten Geschicklichkeit des Boulderns bietet diese Sportart einen faszinierenden Mix aus körperlicher Stärke, mentaler Ausdauer und strategischer Finesse.
Inspiriert von Kletter-Stars wie Jessica Pilz, deren Name untrennbar mit Spitzenleistungen und innovativem Stil verbunden ist, tauchen wir ein in die Welt des Kletterns und erkunden wertvolle Tipps für alle, die ihre Fähigkeiten verbessern und neue Höhen erklimmen möchten.

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In der facettenreichen Welt des Kletterns existieren viele unterschiedliche Disziplinen, was schnell dazu führen kann, den Überblick zu verlieren. Und genau aus diesem Grund konzentrieren wir uns in diesem Guide auf zwei der beliebtesten Varianten: Vorstieg-Klettern (oder Lead) und Bouldern.
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Die Kunst des Vorstieg-Kletterns

Das Seil muss vom oberen Kletterer zuerst durch die Expressschlingen in der Wand geführt werden.

Beim Vorstieg wird vom unteren Kletterer gesichert

© Klaus Fengler/Red Bull Content Pool

Beim Vorstieg-Klettern (oder Lead-Klettern) überwinden Kletter:innen vertikale Wände, indem sie selbständig sichern und aufsteigen. Diese Disziplin erfordert nicht nur körperliche Kraft und Ausdauer, sondern auch mentale Stärke und Geschicklichkeit im Umgang mit Ausrüstung. Die besten Athlet:innen scheinen bei ihren Kletter-Abenteuern die Gesetze der Physik auszuhebeln. Mit der richtigen Technik und Vorbereitung wagen sich an unberührte Felsen, um atemberaubende Aussichten und ein unvergleichliches Gefühl der Erfüllung zu erleben.
Aber welches Equipment braucht man und wann spricht man überhaupt vom Vorstieg-Klettern?
Für Jessica Pilz ist Klettern ein Abenteuer für Kopf und Körper.

Für Jessica Pilz ist Klettern ein Abenteuer für Kopf und Körper.

© Stefan Voitl

Vorstieg-Klettern ist eine Disziplin, bei der Kletter:innen während des Aufstiegs das Seil selbstständig in Sicherungsanker einhängen. Im Gegensatz zum Toprope-Klettern, bei dem das Seil bereits durch einen Ankerpunkt oben am Fels oder an der Kletterwand verläuft, muss das Seil von unten nach oben durch Zwischensicherungen geführt werden.
Vorstieg-Klettern läuft in der Regel zu zweit ab -- eine Person klettert und eine Person sichert. Der Sicherungspartner befindet sich am Boden und gibt das Seil frei, während die kletternde Person in der Wand vorsteigt. Im Falle eines Sturzes fällt der oder die Kletter:in ins Seil, indem das Seil blockiert.
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Mit dem richtigen Equipment zum Top

Beim Vorstieg-Klettern benötigt man eine Reihe von Ausrüstungsgegenständen und Fähigkeiten, um sicher und effektiv klettern zu können. Hier ist eine grundlegende Liste:
Sicherheitsausrüstung: Seil und ein voll ausgestatteter Klettergurt.

Seil und ein voll ausgestatteter Klettergurt

© Markus Fischer

  • Kletterseil: Ein dynamisches Kletterseil ist essentiell, um sich beim Vorstieg-Klettern zu sichern. Es sollte eine ausreichende Länge haben, um die gesamte Route abzudecken.
  • Klettergurt: Ein gut sitzender Klettergurt ist ebenso unerlässlich, um maximale Sicherheit in der Wand zu gewährleisten.
  • Karabiner und Expresssets: Karabiner werden verwendet, um das Seil am Gurt und an Sicherungsankern zu befestigen. Expresssets bestehen aus zwei Karabinern, die durch eine Schlinge verbunden sind, und dienen dazu, das Seil am Sicherungspunkt zu befestigen.
  • Kletterschuhe: Spezielle Kletterschuhe bieten guten Halt und Präzision auf kleinen Tritten und Vorsprüngen. Sie sollten eng anliegen, um eine optimale Kraftübertragung zu gewährleisten.
  • Helm: Ein Kletterhelm schützt den Kopf vor herabfallenden Steinen oder anderen Objekten und ist daher ein wichtiger Sicherheitsaspekt beim Vorstieg-Klettern.
  • Sicherungsgerät: Ein Sicherungsgerät wie ein Tube oder ein Halbautomat ermöglicht es der sichernden Person am Boden, das Seil zu kontrollieren und die kletternde Person bei einem Sturz abzusichern.
  • Kletterkenntnisse und Technik: Neben der Ausrüstung sind auch grundlegende Kletterkenntnisse und -techniken wichtig, um sicher und effizient zu klettern. Dazu gehören das richtige Einhängen von Karabinern, das Beherrschen von Klettertechniken wie Fußarbeit und Körperpositionierung sowie das Verständnis für Sicherungstechniken und -abläufe.
Vier-Augen-Prinzip

Beim Partnercheck wird vor dem Einstieg in die Wand die Absicherung der kletternden Person überprüft.

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Better safe than sorry: Die besten Tipps zum Sichern

Jessica Pilz (AUT) während der IFSC Kletterweltmeisterschaft 2018 in Innsbruck, Österreich.

Jessica Pilz holte 2023 den Gesamtweltcupsieg im Vorstieg

© Erich Spiess/ASP/Red Bull Content Pool

Beim Vorstieg-Klettern ist das Sichern eine der wichtigsten Aufgaben, um die Sicherheit der Person in der Wand zu gewährleisten. Hier sind einige der besten Tipps zum Sichern beim Vorstieg-Klettern:
  1. Aufmerksamkeit und Konzentration: Als Sicherungspartner ist es enorm wichtig, der kletternden Person die ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken. Ablenkungen sollten vermieden werden, um schnell auf jede Situation reagieren zu können.
  2. Kommunikation: Eine offene und klare Kommunikation zwischen der kletternden Person und Sicherungspartner ist entscheidend. Beide sollten sich über Absichten, geplante Moves und benötigte Unterstützung austauschen.
  3. Korrekte Seilführung: Das Seil sollte frei von Verdrehungen oder Knoten sein und frei am Boden liegen, um einen reibungslosen Seilzug zu gewährleisten.
  4. Aktives Seilmanagement: Der Sicherungspartner sollte das Seil aktiv managen, überschüssiges Seil einholen und eine angemessene Spannung aufrechterhalten, um einen geeigneten Sturzfaktor zu gewährleisten.
  5. Richtige Handhabung des Sicherungsgeräts: Das Sicherungsgerät sollte korrekt bedient werden, um die kletternde Person kontinuierlich zu sichern und bei Bedarf schnell zu blockieren, um einen Sturz zu stoppen.
  6. Beobachtung des Geländes: Als Sicherungspartner sollte das Umfeld der kletternden Person stets im Auge behalten werden, um potenzielle Gefahren zu erkennen und gegebenenfalls zu warnen.
  7. Besonnenes Handeln: Auch in stressigen Situationen ist es wichtig, ruhig und besonnen zu handeln, um Panik zu vermeiden und sicherheitsrelevante Entscheidungen zu treffen.
Was ist der Sturzfaktor?

Der Sturzfaktor beschreibt das Verhältnis von Sturzhöhe zur ausgegebenen Seillänge.

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Faszination Bouldern: Die ultimative Herausforderung ohne Seil

Rund um Bouldern ist in den letzten Jahren ein regelrechter Hype entstanden, der nach wie vor ungebrochen ist und immer mehr Leute in die hippen Boulderhallen und Kletterwände dieser Welt führt. Aber was macht Bouldern so spannend?
Jessica Pilz beim Bouldern.

Jessica Pilz liebt die Freiheit beim Bouldern

© Sergey Shakuto / Red Bull Content Pool

Beim Bouldern handelt es sich um eine Disziplin des Kletterns, bei der kurze Routen an Felsblöcken, Kletterwänden oder speziell dafür gebauten Boulderwänden geklettert werden. Das Besondere daran? Dabei wird kein Seil oder Sicherungsgerät verwendet! Typischerweise werden beim Bouldern dicke Matten (Crashpads) am Boden platziert, um mögliche Stürze abzufedern.

Wusstest du?

Der Begriff Bouldern kommt vom englischen Begriff "Boulder" und bedeutet Fels oder Felsblock.

Bouldern konzentriert sich auf die Bewältigung technisch anspruchsvoller Bewegungsabläufe und erfordert eine Kombination aus Kraft, Dynamik, Geschicklichkeit und Kreativität. Es ist die wohl zugänglichste Form des Kletterns, die sowohl Anfänger:innen als auch erfahrenen Kletter:innen die Möglichkeit bietet, ihre Fähigkeiten zu verbessern und neue Herausforderungen zu meistern.
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Ohne Seil zum Kletter-Glück: Die Essentials des Boulderns

Jessica Pilz beim Bouldern im Ötztal, Österreich am 3. September 2017.

Jessica Pilz beim Bouldern im Ötztal

© Akl Yazbeck/Red Bull Content Pool

Bouldern mag zwar auf den ersten Blick recht easy aussehen, dennoch gibt es ein paar Dinge, die vor du deinem ersten Boulder-Erlebnis beachten solltest:
  1. Aufwärmen: Bevor du mit dem Bouldern beginnst, ist es wichtig, deine Muskeln und Gelenke aufzuwärmen, um Verletzungen zu vermeiden. Dehnen und leichte Warm-Up-Übungen helfen, deinen Körper auf Temperatur zu bringen.
  2. Crashpadplatzierung: Platziere das Crashpad sorgfältig unter der Route, um mögliche Stürze abzufedern. Stelle sicher, dass das Crashpad flach liegt und keine Hindernisse im Weg sind.
  3. Bouldern in Gruppen: Bouldern macht oft in Gruppen mehr Spaß und bietet zusätzliche Sicherheit. Tauscht euch über Routen, Techniken und Sicherheit aus und unterstützt euch gegenseitig beim Bouldern.
  4. Richtige Landung: Achte darauf, beim Absprung vom Boulder die richtige Landetechnik zu verwenden, um Verletzungen zu vermeiden. Beuge deine Knie leicht und rolle beim Aufkommen ab, um den Aufprall zu dämpfen.
  5. Technik und Fußarbeit: Konzentriere dich auf deine Technik und deine Fußarbeit, um effizienter klettern zu können. Suche nach guten Trittmöglichkeiten und setze deine Füße präzise ein, um die Balance zu halten und Kraft zu sparen.
  6. Pausen und Erholung: Gönn dir regelmäßige Pausen, um dich zu erholen und deine Energiereserven wieder aufzuladen. Überanstrengung kann zu Verletzungen führen und deine Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.
  7. Respektiere die Umwelt: Achte darauf, die Natur und die Kletterumgebung zu respektieren, indem du keine Abfälle zurücklässt und sensible Lebensräume schützt.
Bouldern kann man sowohl in der Natur als auch in Boulderhallen. Informiere dich am besten im Internet über die besten Bouldergebiete in deiner Region. Die steigende Popularität des Boulderns in den letzten Jahren führte zu einer markanten Zunahme von Boulderhallen und Outdoor-Bouldergebieten auf der ganzen Welt.

Auf die Höhe kommt es an!

Boulderrouten in Indoor-Boulderhallen sind in der Regel zwischen 2,5 und 4,5 Meter hoch.

Bouldern bietet neben den vielen gesundheitlichen Vorteilen nicht nur ein aufregendes Klettererlebnis, sondern auch eine lebendige Community.
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Mach's wie Jessy Pilz

Mit Jessica Pilz gibt es aus österreichischer Sicht aktuell eine der größten Kletter-Hoffnungen der Gegenwart und Zukunft. Wir dürfen gespannt sein, was die Niederösterreicherin nach ihrem herausragenden Weltcupgesamtsieg im Vorstieg 2023 als Nächstes erreichen wird.