Ski-Legende Marcel Hirscher fährt beim Red Bull Erzbergrodeo in Österreich 2022 das Finalrennen.
© Sam Strauss / Red Bull Content Pool
Motorbike Enduro

Hirscher Blog: Schlamm, Schweiß und Emotionen am Erzberg

Von unfassbarem Frust bis zu absolutem Stoke: das Red Bull Erzbergrodeo hat mir das volle Spektrum an Emotionen abverlangt – und war auch deshalb jeden Tropfen Schweiß wert!
Autor: Marcel Hirscher
4 min readveröffentlicht am
Hey Leute,
das Red Bull Erzbergrodeo 2022 ist Geschichte, und ich bin ein Teil davon! So hart und intensiv die letzten Renntage auch waren, jeder Tropfen Schweiß war es wert, dabei zu sein. Es war eindrucksvoll, es war heiß, es war verrückt, es war Wahnsinn. Überhaupt bei diesem einzigartigen Rennen dabei sein zu dürfen, ist ein Segen. In meinem ersten Rennen dann auch noch unter die Top 100 zu fahren, ist ein Traum und fühlt sich einfach nur gut an.

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Hirscher x Erzberg: Das Rennen

Nach 4 Stunden Kampf gegen den Erzberg holt Marcel Hirscher den beeindruckenden Platz 97, gestartet ist er auf Platz 123 aus der 3. Startreihe.

Kurzum: Ich bin mega zufrieden und absolut happy. Es ist nichts passiert, ich konnte meine Leistung bringen und das für mich mögliche Maximum rausholen – und das, obwohl das gesamte Red Bull Erzbergrodeo einfach nur crazy und für mich eigentlich durchgehend voll am Limit und teilweise auch darüber ist. Und trotzdem bin jetzt schon wieder extrem motiviert für nächstes Jahr! Wahrscheinlich ist das sogar das beste aller Zeichen, so kurz nach dem Rennen. Aber der Reihe nach…
Ski-Legende Marcel Hirscher konzentriert sich mit schlammverschmiertem Gesicht beim Red Bull Erzbergrodeo auf die anstehende Enduro-Herausforderung.
Zur Erzberg-Premiere gab's für Marcel "das volle Spektrum an Emotionen."
Wenn ich zurückblicke, was sich in den letzten drei Renntagen am Erzberg abgespielt hat, muss ich vor allem Danke sagen. Ich glaube, so nervös wie vor dem Start zum Prolog war ich noch nie. Zum einen lag das sicher daran, dass mir das Rennen so viel bedeutet, zum anderen bin ich Racing in dieser Form, bei dem Speed und mit den knappen Zeitabständen überhaupt nicht gewohnt. Dabei war meine Positionierung super und viel besser als erwartet.
Mein Glück war, dass ich mit Billy Bolt vom Husqvarna Team am ersten Renntag und auch an den Tagen zuvor jemanden an meiner Seite hatte, der mich mit seinem Wissen und seiner Erfahrung ein bissl supportet hat. Das hat mir die nötige Sicherheit und das Selbstvertrauen gegeben, trotz der Nervosität anzudrücken und von Beginn an Gas zu geben. Billy ist ein super Typ! Eine Mischung aus Verrücktheit und Zielstrebigkeit, aber eben auch mit dem nötigen Ehrgeiz jedes Mal an die Grenze zu gehen.
Enduro-Profi Billy Bolt und Ski-Legende Marcel Hirscher fachsimpeln bei der Streckenbesichtigung vor dem Start des Red Bull Erzbergrodeos 2022 in Österreich.
Billy Bolt und Marcel Hirscher bei der Streckenbesichtigung am Erzberg.
Der Start beim Finale am Sonntag ist dann auch dank Billy und meiner Erfahrungen aus dem Prolog recht gut verlaufen. Leider bin ich kurz danach in einem Stau gelandet, der gefühlt nie enden wollte. Das war wirklich uncool, weil ich das Gefühl hatte, jetzt läuft‘s. In dem Moment war die Situation dort aber so unlösbar, dass ich kurz echt frustriert war. Mental sicher die schwierigste Challenge im Rennen, weil ich mir dachte: Gut, jetzt stehen wir hier und die Zeit, die rennt einfach und du verlierst Position um Position…
Dort zu stehen und das akzeptieren und warten zu müssen, war wirklich hart für mich. Aber auch das gehört zum Red Bull Erzbergrodeo dazu! Genau wie das Gefühl der kompletten Überforderung, das ich beim ersten Checkpoint und bei der Wasserleitung hatte. Da hab' ich mir nur gedacht, wow – wo bin ich jetzt angekommen? Gleichzeitig habe ich Momente erlebt, wie am Kuckucksnest, einer der schwierigsten Passagen beim Red Bull Erzbergrodeo, an der ich bei der Vorbereitung wieder und wieder gescheitert bin – ausgerechnet am Renntag habe ich die Sektion gemeistert! Das war extrem cool und zeigt, dass dieses Rennen das volle Spektrum an Emotionen bereithält.
Ski-Legende Marcel Hirscher fährt beim Red Bull Erzbergrodeo mit seiner Enduro-Maschine durch eine große Pfütze.
Marcel hat bei seinem Debüt "das machbare Maximum" rausgeholt.
Umso dankbarer bin ich, dass es so gut gelaufen ist und am Ende für Platz 97 gereicht hat! Das ausgegebene Ziel war es, Spaß zu haben und die vier Stunden nach Möglichkeit durchzufahren – genau das habe ich geschafft! Ich hab‘ die Uhr das ganze Rennen über im Blick gehabt und als die letzte halbe Stunde angebrochen ist, hab' ich geschaut, dass ich nochmal das absolute Maximum raushole und wirklich gepusht und gepusht, soweit es für mich möglich war. Trotzdem war ich froh, als die vier Stunden um waren, und ich wusste, das war’s!
All die verrückten Video-Clips, die man vom Red Bull Erzbergrodeo aus den sozialen Medien kennt, sind für mich an diesem Wochenende Realität geworden: Der roughe, staubige Start, wo du kaum was siehst, die Situationen, in denen du körperlich komplett am Limit bist, die Momente, in denen du vor Freude weinen könntest und die Punkte im Rennen, wo du denkst, warum tue ich mir das überhaupt an… all das habe ich jetzt am eigenen Leib erfahren und das macht mich extrem happy.
Ski-Legende Marcel Hirscher kurz vor dem Start des Finalrennens beim Red Bull Erzbergrodeo 2022 in Österreich.
Mit dem Start beim Red Bull Erzbergrodeo erfüllt sich Marcel einen Traum.
In diesem Sinne: Danke an alle, die mich bei diesem Abenteuer unterstützt haben und an den Erzberg und die gesamte Red Bull Erzbergrodeo Familie – wir sehen uns 2023 wieder!
Bis dahin, euer Marcel.

Das Red Bull Erzbergrodeo im Replay:

Hauptrennen – Red Bull Erzbergrodeo

Verfolge die Action beim legendären Red Bull Erzbergrodeo in Österreich.