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Mathilde Gremaud: «Dieser Trick wird meine Grenzen verschieben»
Vor wenigen Tagen stand die 20-jährige Freeskierin Mathilde Gremaud als erste Frau einen Switch Double Cork 1440. Wir erklären, was es für eine solche Weltpremiere braucht.
Das Skigebiet in Saas-Fee ist längst geschlossen, die Sessellifte stehen still, die Touristen sind zurückgekehrt in die Täler, in die Bars und Restaurants, in ihre Ferienwohnungen. Nur die 20-jährige Freeskierin Mathilde Gremaud und ihr Team stehen noch oben. Vor ihnen ragt die Schanze empor, dahinter liegt die Landezone. Mathilde hat einen Plan: Sie will als erste Frau einen Switch Double Cork 1440 stehen – einen Trick, den zwar einige, aber nicht einmal alle Männer der Szene beherrschen.
Wir haben fünf kleine Geschichte aufgeschrieben, die euch diese Weltpremiere ein bisschen näher bringen.
1. Was bedeutet «Switch Double Cork 1440»?
Die sechsfache Weltcupsiegerin und Silbermedaillengewinnerin an den Olympischen Spielen in Pyeongchang liebte es schon immer, rückwärts auf eine Schanze zuzufahren. Dafür steht das Wort «Switch». «Double» bedeutet einen zweifachen Salto und «Cork» steht für eine Schraube, wobei die Zahl angibt, wie oft sich Mathilde um die eigene Achse dreht (360 ist eine ganze Schraube). Mathilde ist also rückwärts angefahren, abgesprungen, hat zwei Saltos gemacht und sich dabei vier Mal um die eigene Achse gedreht, um danach wieder rückwärts zu landen. Als erste Frau in der Freeski-Geschichte. Mathilde sagt: «Das macht mich sehr glücklich.»
Wenn ich den Sprung in einem Slopestyle-Contest am Schluss einbauen kann, ist das definitiv ein Vorteil für mich
2. Was ist die Schwierigkeit dieses Sprungs?
Für uns Normalfahrer*innen natürlich alles. Aber Mathilde unterteilt den Sprung in zwei Abläufe: in den ersten und den zweiten Salto. Die grösste Schwierigkeit für die Freiburgerin ist der erste Salto, denn sie macht dabei zweieinhalb der vier Schrauben. Das Limit ist für sie mit diesem Trick noch nicht erreicht. Sie sagt: «Im Gegenteil. Dieser Trick wird meine Grenze verschieben. Und wenn ich den Sprung in einem Slopestyle-Contest am Schluss einbauen kann, ist das definitiv ein Vorteil für mich.»
3. Wie bereitet man sich auf einen solchen Sprung vor?
Die Idee reifte seit Dezember in Mathildes Kopf. Das Corona-Virus hat ihren Plan zwar etwas nach hinten verschoben, erst ab Juli begann sie, den Trick zu visualisieren. Sie studierte Videos, dachte ununterbrochen an die Abläufe; und dann fing sie an, über die Schanze auf einen Airbag zu springen. Mal ging es gut, mal dachte Mathilde: «Shit, wenn ich das so mache, dann stürze ich.» Richtige Zweifel liess sie aber nie aufkommen, fühlte sich bald sicher und stand den Sprung am 14. September 2020 auf Schnee.
Shit, wenn ich das so mache, dann stürze ich.
4. Wie überwindet man seine Grenzen?
Angst gehört zum Leben einer Freeskierin. Wenn dieses Gefühl aufkommt, weiss Mathilde, dass sie aufhören muss. Denn Respekt vor der Schanze ist gesund, Angst blockiert. Um das zu vermeiden, verlässt sie ihre Komfortzone. In ihrem Kopf geht Mathilde den Trick durch, verinnerlicht, was ihr Angst bereiten könnte – und dann beginnt sie, ihr ganzes Wesen zu beruhigen. Sie visualisiert den Sprung und weiss, was sie kann, zu was sie fähig ist. Mathilde hat Reiki entdeckt, die japanische Lehre der Energiearbeit. Das hilft ihr nicht nur bei den Sprüngen, sondern ganz generell im Leben.
5. Wie fühlt es sich an, wenn man fliegt?
Mathilde sagt: «Wenn der Sprung gut geht, dann ist alles in Ordnung, dann fühlt sich alles an wie in Slow-Motion. Ich sehe alles, ich verstehe alles, ich habe das Gefühl, dass ich mich aus jeder Situation retten könnte. Während eines Sprungs erlebe ich das ultimative Gefühl.» Diesen Zustand erreicht Mathilde nur im Schnee. Sie sagt: «Deswegen liebe ich es, auf den Skiern zu stehen.»
Mehr zu Mathilde erfährst du auch in der Serie "Four" auf Red Bull TV:
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