Hallo Matthias, wie baust du als Profi-Golfer dein Trainingsprogramm auf?
Setzt du einen speziellen Fokus auf gewisse Dinge?
Matthias Schwab: In diesem Jahr haben wir vor allem an meiner Bein- und Rumpfkraft gearbeitet. Das kombiniere ich mit Beweglichkeitstraining für die Hüfte, Brustwirbelsäule und die Schultern, weil das gerade als Golfer extrem wichtig ist. Ich muss im Training immer auf einen guten Mix aus Kraft, Stabilität und Beweglichkeit achten, darauf liegt mein genereller Fokus.
"Die mentale Stärke und Konzentrationsfähigkeit sind im Golf essentiell."
Wie schaut deine Trainings-Routine Tag für Tag aus? Wechselst du immer oder hast du fixe Trainings-Elemente, die du jeden Tag machst?
Matthias Schwab: In der Off-Season habe ich den Golfschläger wahrscheinlich nur alle zwei bis drei Tage in der Hand, da liegt der Fokus auf Kraft und Fitness. Während der Saison achte ich auf einen guten Mix aus Golf und Fitness, hier gilt "fitnesserhaltend" zu trainiere. Das heißt, ich reduzieren die Intensität und den Umfang der Fitness- und Krafteinheiten und bin dafür jeden Tag für mehrere Stunden auf dem Golfplatz. Während der intensiven Turnierwochen geht es vor dem Turnier um den Feinschliff beim Schwung, um's Gefühl Aufbauen und Erhalten. Während eines Turniers bin ich sowieso bis zu sechs Stunden am Golfplatz, da geht es abseits des Platzes vor allem um ein effizientes Regenerieren.
Wie wichtig ist ein Ausdauertraining für dich als Golfer?
Matthias Schwab: Das ist für mich essentiell, um erfolgreich, schmerzfrei und verletzungsfrei durch die Golfsaison zu kommen. In meinem Sportlerleben addieren sich so viele Faktoren, die an den Kraftreserven zehren, auch abseits des Golfplatzes. Die Reisestrapazen mit den vielen Zeitzonen-Wechseln ziehen viel Energie. Außerdem ist es – je länger ein Turnier dauert – eine Frage der Ausdauer, wie konstant man seine Konzentration auf den Platz bringt.
Wie trainierst du Konzentration und deine mentale Stärke?
Matthias Schwab: Die mentale Stärke und Konzentrationsfähigkeit sind im Golf essentiell. Im Training versuche ich regelmäßig, Wettkampf-Situationen zu simulieren. Ich baue Übungen und Challenges ein, bei denen ich mich genauso verhalte, wie wenn ich bei einem realen Turnier wäre und wo jeder Schlag zählt. So schaffe ich es sehr gut, auch im Training auf Turnierspannung zu kommen und diese Drucksituationen auch in der Vorbereitung abrufen zu können. Zudem arbeite ich bei Turnieren mit speziellen Atem- und Visualisierungsübungen, um mich in Bewegungen und spezielle Spielsituationen hineinversetzen zu können, sodass ich beim Turnier bei so einer Situation genau weiß, was zu tun ist um meine Leistung perfekt abzurufen.
Deine Trainer sind nicht immer bei dir vor Ort – wie gestaltet sich die Zusammenarbeit?
Matthias Schwab: Golf ist eine Gefühlssportart. Bei den Turnieren sind die Golftrainer fast immer mit dabei. Von Montag bis Mittwoch arbeiten wir am Schwung und erarbeiten gewisse mentale Abläufe und Strategien für das anstehende Turnier. Zusätzlich arbeiten wir viel mit Videoanalysen – ich filme beim Training mit und sie geben mir Feedback, worauf ich achten muss oder etwas in der Bewegung anpassen soll. Die Fitness-Trainer vom Red Bull Athlete Performance Center Thalgau treffe ich je nach Bedarf – vor allem in der Off-Season haben sie viel mit mir zu tun. Das restliche Fitnessprogramm ziehe ich in Abstimmung mit ihnen alleine durch.
Gibt es Trainings-Elemente, die dir echt keine Lust machen, die aber richtig wichtig sind? Wie motivierst du dich jeden Tag dazu?
Matthias Schwab: Ich liebe Golf! Daraus schöpfe ich meine unendliche Motivation, jeden Tag an mir zu arbeiten, um immer besser zu werden und meine Ziele zu erreichen. Egal ob als Kind, Jugendlicher oder jetzt als Profi-Golfer: Das Golfspielen hat mir schon immer extrem viel Spaß gemacht und es ist auch heute noch mein liebstes "Hobby", obwohl es viel mehr als das ist.