Der Dakar-Sieger ist zurück! Nach seiner schweren Verletzung 2024 ist Matthias Walkner jetzt wieder im Rennmodus – er wechselt aber von 2 Rädern auf 4 Räder. Sein erster Start im Rennauto (sein eigener T4 Can-Am Buggy) war gleich ein Erfolg: Bei der Oasis Rally in Tunesien hat er als Wüsten-Experte gemeinsam mit Co-Pilot Oliver Pyerin Platz 1 eingefahren. Dieser Sieg soll der Beginn einer erfolgreichen Reise zurück zur Rally Dakar werden.
Ja, es ist entschieden. Ich werde umsteigen und in Zukunft auf 4 Rädern an den Start gehen.
Servus Matthias, nach deinem schweren Sturz 2023 war lange unklar, wie es sportlich für dich weitergeht. Jetzt hast du dich entschieden. Wie schaut deine Zukunft aus?
Matthias Walkner: Ja, es ist entschieden. Ich werde umsteigen und in Zukunft auf 4 Rädern an den Start gehen. Mein folgenschwerer Sturz macht es leider unmöglich, dass ich weiter auf dem Niveau Motorrad fahre, wie ich es gewohnt war. Ich bin sehr dankbar, dass ich in einer Sportart aktiv bin, in der man eine zweite Chance bekommen kann – und die will ich unbedingt nutzen. Ich werde bei der FIM World Rally-Raid Championship starten.
Du bist zum Testen schon die Oasis Rally gefahren und hast gleich gewonnen. Wie fühlt sich der Umstieg von zwei auf vier Räder an?
MW: Extrem schräg. Ich merke jetzt erst, wie sehr ich in den letzten Jahren von unserem Team verwöhnt worden bin. Ich musste mich wirklich nur aufs schnelle Motorradfahren konzentrieren. Jetzt erlebe ich sehr intensive Tage, weil ich das ganze Drumherum selbst organisieren muss. Aber es macht Spaß und aktuell stehen die Sterne gut: Meinem Comeback auf vier Rädern steht nichts im Wege.
Wie groß ist der Unterschied für dich als Fahrer zwischen zwei und vier Rädern?
MW: Wüste bleibt Wüste und ich habe tausende Wüstenkilometer im Kopf. Das hilft mir sehr. Schwieriger war am Anfang das Zusammenspiel mit dem Co-Piloten. Ich habe oft gar nicht gewusst, was ich von ihm hören will. Da muss man wirklich zusammenwachsen. Aber wir arbeiten sehr zielstrebig und akribisch daran. Wenn Fahrer und Co-Pilot das gleiche Mindset haben, funktioniert das.
Wer wird dein Co-Pilot sein?
MW: Oliver Pyerin. Und ja, das ist ein ziemliches Abenteuer, denn er hat keine Motorsport-Erfahrung. Oliver ist ein Kindheitsfreund von mir, wir kennen uns seit 35 Jahren, haben gemeinsam Fußball gespielt, sind zusammen in die Schule gegangen und gemeinsam groß geworden. Nach der Schule haben sich unsere Wege getrennt, jetzt haben wir uns wiedergefunden. Oliver war Elitesoldat beim Jagdkommando. Um diese Aufnahmeprüfung zu schaffen, braucht man eine ganz spezielle Einstellung. Der Schlüsselmoment für mich war, als Oliver gesagt hat: „Matthias, wenn du mir diese Chance gibst, werde ich diesem Projekt alles in meinem Leben unterordnen. Du kannst dich auf mich verlassen.“ Da habe ich gesagt: Passt, wir riskieren das.
Matthias, wenn du mir diese Chance gibst, werde ich diesem Projekt alles in meinem Leben unterordnen. Du kannst dich auf mich verlassen.
Du hast in deiner Karriere viel Mut gebraucht, um schnell zu sein. Jetzt brauchst du auch Vertrauen. Funktioniert das bei dir?
MW: Das wird sich zeigen. Darum habe ich mir beim Thema Co-Pilot so viele Gedanken gemacht. Ich tue mir nicht leicht damit, jemandem mein Leben anzuvertrauen. Wenn der Co-Pilot ein „Danger 3“ übersieht, kann das im schlimmsten Fall Game Over bedeuten. Aber ich habe noch niemanden kennengelernt, der so akribisch arbeitet wie Oliver. Darum freue ich mich auf diese Herausforderung. Im Trainingscenter in Thalgau hat er mich jedenfalls schon auf ein neues Level gebracht, weil er diesen Antrieb hat, den ich vor 20 Jahren hatte.
Wer navigiert, macht Fehler – manchmal auch dumme Fehler. Kannst du verzeihen?
MW: Ich habe mich in meinem Leben selbst schon oft verfahren, also werde ich Oliver natürlich verzeihen können. Vor allem, weil ich weiß, dass er sich perfekt vorbereitet. Wichtig ist, dass man nicht versucht, etwas zu beschönigen. Aus Fehlern lernen, Krone richten und weiter geht's.
Du bist der Wüsten-Experte. Jetzt sitzt du im Buggy und dein Instinkt sagt links, dein Co-Pilot sagt aber rechts. Was passiert dann?
MW: Wenn Oliver sagt, er ist sich ziemlich sicher, dann ist er in diesem Moment der Chef. Wenn er aber nachfragt: „Matthias, was glaubst du?“, dann werde ich mich einmischen und wahrscheinlich durchsetzen. Langfristig soll und muss der Co-Pilot sagen, wo es hingeht.
Ich glaube aber fest daran, dass der Umstieg von zwei auf vier Räder, ein Erfolg wird.
Kommen wir zum Fahrzeug. Womit wirst du an den Start gehen?
MW: Die Oasis Rally haben wir mit meinem eigenen Buggy bestritten, einem fünf Jahre alten Can-Am T4. Nicht mehr das aktuellste Modell, aber zum Reinkommen sehr gut. Mir war am Anfang wichtig herauszufinden, ob mir das Buggyfahren überhaupt Spaß macht – und ich habe schnell gemerkt: Ja, es ist sehr, sehr lustig.
Matthias' neues Dienstauto (vorerst): ein T4 Can-Am Buggy
© Christopher Taferl / Red Bull Content Pool
Du hast dir immer große Ziele gesetzt. Was willst du beim Umstieg auf vier Räder erreichen?
MW: Ich will natürlich um Siege und Podestplätze mitkämpfen. Das muss unser Anspruch sein, sonst wäre der ganze Aufwand ja wahnsinnig. Die lange Reha nach meinem Unfall war ein einschneidender Moment in meinem Leben, wo ich mich gefragt habe: Was ist dein Antrieb, damit du dich zurückkämpfst? Denn jeden Tag, um halb sieben Uhr morgens aufzustehen und erst um sechs Uhr am Abend fertig zu sein, war kein Honigschlecken. Es hat extrem viel Energie und Substanz gekostet, aber genau das hat es gebraucht, denn sonst wäre der Fuß vielleicht gar nicht mehr dran. Mein Antrieb war in erster Linie, dass ich wieder gehen kann/den Alltag wieder normal bewältigen kann - sportlich gesehen ... , dass ich zur Rally Dakar, an diesen für mich magischen Platz, zurückkehren will. Jetzt bin ich am besten Weg dahin.
Für Matthias Walkner beginnt ein neues Abenteuer – auf 4 Rädern!
© Marcin Kin / Red Bull Content Pool
Du bist durch deine Dakar-Erfolge eine Motorsportlegende. Wie gehst du mit dem Erwartungsdruck um?
MW: Legende? Ich weiß nicht... Ich hab in ein paar schwierigen Situationen keine Angst gehabt, falsch zu entscheiden, sondern einfach gesagt: Ich zieh jetzt mein Ding durch. Wenn's aufgeht, dann feiern mich die Leute, wenn nicht, schaut's anders aus. Wie ich mit dem Erwartungsdruck umgehe? Keine Ahnung. Ich kann nicht mehr machen, als diesem Projekt alles unterzuordnen, jeden Tag motiviert aufzustehen und sehr akribisch zu planen. Wenn dieses Gesamtpaket für einen Sieg oder Podestplätze reicht, dann freuen wir uns alle. Und wenn nicht, dann müssen wir es noch einmal versuchen. Ich glaube aber fest daran, dass der Umstieg von zwei auf vier Räder, ein Erfolg wird.
Rally-Termine
17. – 22. März
BP Ultimate Rally-Raid
Portugal & Spanien
24. – 29. Mai
Desafío Ruta 40
Argentinien
28. Sept. – 03. Okt.
Rallye du Maroc
Marokko
22. – 27. Nov.
Abu Dhabi Desert Challenge
Ver. Arabische Emirate
02. – 16. Jänner
Rally Dakar
Saudi Arabien