Mattias Walkner: Grüße aus der Wüste
© Matthias Walkner
Rallye Raid

Matthias Walkner: Die Dakar-Route 2023 sieht schwierig aus! 🤩

Der Blog der österreichischen Bike-Legende am Weg zur Dakar 2023! Matthias Walkner schickt Lebenszeichen aus der mexikanischen Wüste und sucht (noch) das perfekte Setup für sein Bike.
Autor: Matthias Walkner
6 min readveröffentlicht am
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Wir haben noch viel zu tun bis zur Dakar

Servus aus Mexiko,
ich melde mich heute aus Mexiko, genauer gesagt aus der Sonora Wüste, wo jedes Jahr eine Rallye stattfindet und wo wir perfekt Navigation für die Dakar trainieren können. Hier bleiben wir bis ca .14. Dezember, dann fliegen wir weiter nach Barstow in der Mojave-Wüste zwischen Las Vegas und Los Angeles.
Im Moment versuche ich, das Setup so hinzubekommen, dass ich sagen kann: Ja, okay, das passt, jetzt macht es Sinn. Sobald ich das Setup habe, wird das Testen immer mehr zum Training und ich werde so viele Roadbooks fahren wie möglich. Aktueller Zwischenstand: Wir haben noch viel zu tun bis zur Dakar...
Zumindest die Schulter ist sehr stabil und meine Muskulatur ist sehr stark. Ich würde mir zwar ein bisschen mehr Mobilität wünschen, mein Bewegungsapparat ist über die Jahre steif geworden. Aber ich bin ja kein Tennisspieler, der die Hand richtig weit nach oben bringen muss... für meine Sportart ist es ausreichend und die Stabilität ist mir wichtiger.
Ich habe auch schon einen ersten Blick auf die Dakar 2023 riskiert und wie jedes Jahr wird die Route laut Veranstalter natürlich noch viel härter – mittlerweile sind wir gefühlt schon bei 150%, die uns abverlangt werden... 😂 Aber diesmal schaut die Route wirklich vielversprechend aus, zumindest auf dem Papier schwieriger wie im vergangenen Jahr. Im Moment kann ich mich nur bestmöglich darauf vorbereiten, wie es dann wirklich aussieht, weiß man leider erst nach der Dakar.
Ich melde mich demnächst aus der Mojave-Wüste und verrate euch, was ich über den neuen Zeitbonus für Etappen-Sieger halte.

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Matthias Walkner: Wüstentraining mit KTM

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Ich habe mir vom USA-Test mehr erhofft...

Servus, ich melde mich zurück... ich bin gerade von einem Test zurückgekommen. Ich war mit KTM und zwei baugleichen Motorrädern in den USA, um ein perfektes Setup für mein Racebike zu finden. Alles, was dort gut funktioniert, vom Fahrwerk bis hin zu allen Bauteilen, wollten wir beim Shakedown in Saudi-Arabien einsetzen, bevor die Dakar 2023 wirklich losgeht.
Leider läuft es im Moment noch nicht so gut. Es sind in den letzten 3 Monaten einige Änderungen am Bike gekommen, die meiner Meinung nach nicht so richtig ineinandergreifen. Ich bin noch stark auf der Suche nach einem für mich passendem Setup. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich mir von diesem Test mehr erhofft...
Matthias Walkner und seine KTM 450 RALLY
Matthias Walkner und seine KTM 450 RALLY
Die gute Nachricht: Ich bin das erste Mal wieder offene Wüste und gefahren und fühle mich körperlich sehr okay. Und auch das Roadbook-Training unter simulierten Rennbedingungen hat gut funktioniert. Das Roadbook-Fahren geht über 15. bis 20 Minuten oder 20 Kilometer und ich bin bis zu zehn Mal am Tag eine Stunde lang gefahren. Es sind kleine Runden, damit wir möglichst viel durchtesten können, um so eine Bestätigung zu bekommen, woran wir noch arbeiten müssen und was schon gut passt.
Am 3. Dezember fliege ich wieder in die USA - diesmal für 3 Wochen. Was dort passiert, erzähle ich euch beim nächsten Mal.

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Roadbook to Success: Hiasi Walkner erklärt Navigation in der Wüste

Bei 160 km/h mitten in der Wüste die richtige Spur finden – das ist der Schlüssel zum Sieg bei der Rallye Dakar. Im Video erklärt Matthias Walkner, wie Navigation mit dem Roadbook geht.

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Trainingsprogramm für Champions

Nach meiner Schulteroperation im August geht es mir jetzt wieder sehr gut. Das Einzige, was ein bisschen besser sein könnte, ist die Beweglichkeit der Schulter. Aber nach 20 Jahren ständigem Spannungsaufbau zwischen mir und meinem Bike ist mein Bewegungsapparat grundsätzlich ein bisschen eingeschränkt und versteift.
Ich hab' mich ja schon im März verletzt, aber erst nach den Red Bull Romaniacs war klar, dass ich definitiv eine Operation brauche. Die Bestätigung habe ich mir bei den Romaniacs geholt, wo die körperliche Anforderung vergleichbar mit einer Rallye ist: Du sitzt 4 bis 6 Stunden pro Tag am Motorrad und hast einen extrem intensiven Pulsbereich von im Schnitt 140 bis 150.
Red Bull Romaniacs: Platz 3 + eine Gewissheit
Red Bull Romaniacs: Platz 3 + eine Gewissheit
Ich bin jetzt im Trainingszentrum in Thalgau stationiert. Dort fangen wir um 8 Uhr an mit Physiotherapie, um Muskulatur zu mobilisieren, aufzuwärmen und zu dehnen. Nach einer knappen Stunde beginnt dann das eigentliche Training. Am Anfang war es mehr Reha mit Terrabändern, weil wir alles ein bisschen durchbewegen wollten. Jetzt ist es schon ein richtiges Training – von Koordinationsübungen unter Belastung, um meine geistige Flexibilität anzuregen, über Radfahren oder Mobilisationsübungen, die ein bisschen in Richtung Yoga gehen, bis hin zum klassischen Krafttraining: 3 Durchgänge mit 15 Wiederholungen.
Für die Abwechslung machen wir einmal einen Rumpf-Tag, einen Oberkörper-Tag oder dann wieder einen Tag für die unteren Extremitäten. Das planen wir immer am Montag und stimmen das immer ab mit der Zeit, die ich am Motorrad verbringe. Bei schönem Wetter nehmen wir das Training in Thalgau ein bisschen raus, damit es nicht ganz so intensiv ist, und der Fokus mehr auf dem Bike-Training liegt.
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Surfen auf der Erfolgswelle

Bin ich mental noch in der Reha oder schon voll im Training? Das ist tagesabhängig. Wenn es meiner Schulter schlecht geht und ich ein bisschen down bin, dann ist es für mich mehr Aufbau. Seit ich aber wieder Motorrad fahre, also seit knapp 2 Wochen, bin ich eigentlich umgeswitcht auf Dakar-Vorbereitung.
Wo ich Moment leistungstechnisch stehe, kann ich schwer sagen. Aber ein guter Anhaltspunkt ist für mich die XBowl-Arena in Stegenwald. Auf meiner Hausstrecke kenne ich meine Rundenzeiten, ich bin da ja schon hunderttausende Runden gefahren – und ich bin noch nie schneller gefahren als jetzt. Wie das dann in einer offenen Wüste mit Navigieren ausschaut, ist jetzt schwer zu sagen. Aber wenn 100% der bestmögliche Matthias Walkner sind, dann sehe ich mich jetzt bei 80 bis 85 %. Mir geht es am Bike wirklich gut, ich bin echt schnell, ich hab Kraft, ich bin extrem fit und hab echt eine Freude.
Die vergangenen 12 Monate sind extrem gut gelaufen für mich: Ich habe den WM-Titel Cross Country geholt, bin bei der Dakar um den Sieg mitgefahren, die Abu Dhabi-Challenge ist gut gelaufen, genauso wie die Romaniacs. Ich habe gesehen, was alles möglich ist, und ich habe gespürt, in welcher guten Form ich mich befinde – und dann habe ich mir gedacht, dass ich auf dieser Welle echt weitersurfen möchte! Zum Glück haben die Verletzung und die notwendige Pause keinen großen Hund reingehaut. Ab dem 3. Tag zurück auf dem Motorrad habe ich bemerkt: Woah!!! Ich kann immer noch extrem schnell fahren.
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Neue Ernährung: Einmal volltanken, bitte!

Ich bin jetzt wieder voll im Motorrad-Training drinnen. Mitte November war für mich eine Deadline, weil da fliegen wir mit KTM zu einem großen Test nach Nevada in den USA und wenn ich da nicht teilnehmen hätte können, wäre es zach geworden für die Dakar. Wenn ich nicht genug fahren kann, werde ich unruhig, weil dann fehlt mir echt etwas. Aber jetzt bin ich entspannt und ich freue mich, dass ich 3 bis 4 Wochen früher als geplant angefangen habe mit dem Motorrad-Training.
Ich habe übrigens meine Ernährung umgestellt. Ich versuche jetzt viel öfter zu essen, dafür aber kleinere Portionen, damit ich den Blutzuckerspiegel lange aufrechterhalten kann und nie in dieses Tal der Müdigkeit komme. Einfach erklärt bedeutet das: Ich tanke meinen Körper in der Früh voll, im Laufe des Tages tanke ich immer nur nach und höre am Abend relativ leer auf.
Im Moment esse ich mindestens fünfmal am Tag, wenn ich viel trainiere, sogar siebenmal. Aber eine Mahlzeit kann auch eine Hand voll Studentenfutter sein, eine halbe Banane oder zwei Bissen Apfel. Mein Körper soll einfach irgendwas zum Arbeiten haben, um den Stoffwechsel anzuregen. Und der Körper soll auch wissen: Okay, ich bekomme eh noch etwas, ich muss nicht auf Speichern umstellen... denn das legt sich dann alles in unnötigem überschüssigem Fett an.

Teil dieser Story

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Die Rallye Dakar 2023 verspricht ein weiteres episches Rallye-Abenteuer in den saudi-arabischen Sanddünen.

Matthias Walkner

Matthias Walkner ist ein begnadeter Offroader mit einem richtig dosierten Mut zum Risiko. Das hat ihn zur Legende gemacht – als erster Dakar-Sieger Österreichs in der Kategorie Bikes.

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