KeKe vor der Show im Flex
© Benji Agostini
Music

Mom She Made It: KeKe im Interview

Die junge Rapperin KeKe hat mit ihren Releases letztes Jahr bereits ordentlich aufgezeigt. Wir haben sie vor ihrer Show im Flex zum Interview getroffen.
Autor: Benji Agostini
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Das Universal Sublabel MOM I MADE IT ist noch kein Jahr alt und trotzdem hat es sich bereits in Kennerkreisen als das Label für hochkarätige Newcomer gemausert. Neben Lent, Damian Beats und FVLCRVM findet man auch KeKe in ihrem Line-Up. Die junge Rapperin mit Wurzeln im Jazzgesang veröffentlichte im letzten Jahr mit „Donna Selvaggia“ und „Validé“ (feat. Lent) zwei Deutschrap-Banger, die die nächsten Monate nicht schnell genug kommen lassen können.
Denn bereits im März soll der nächste Song ihrer ersten EP erscheinen, die dann in den darauffolgenden Monaten vervollständigt wird. Bei ihrem Konzert am MOM I MADE IT Showcase im Wiener Flex präsentierte Keke Ende Januar ihren mal harten Rap, mal gefühlvollen Gesang und zeigte jedem Ungläubigem, dass sie den Namen ihres Labels ernst nimmt. Wir haben sie kurz vor ihrem Auftritt getroffen und zu Autotune, ihren Anfängen als Rapperin und dem harten Geschäft mit der Musik befragt.
Deine Story als Keke beginnt ja damit, dass du gefragt wurdest, ob du es nicht mal ausprobieren möchtest zu rappen. Wer war das eigentlich?
KeKe: Das war der Max, mein jetziger Labelchef. Ich kann mich erinnern, dass ich ein Jahr, bevor er mich gefragt hat, am Weg zur Uni "Aventura" von Mavi Phoenix gehört habe und ihren Sound so cool fande. Ich dachte mir, dass es so schön wäre, auch so etwas machen, aber ich hatte noch gar keine Berührungspunkte mit der Szene. Ein paar Monate später schreibt mir der Max, dass er das Video von meinem London Grammar Cover gesehen hat und mich gerne treffen würde. Beim Treffen meinte er, was er gerne machen würde und plötzlich war ich dabei und mache genau das.
Mit welchem Produzenten arbeitest du jetzt hauptsächlich zusammen?
KeKe:Shawn the Savage Kid. Mit ihm arbeite ich am meisten zusammen. Manchmal kommen auch von anderen Produzenten Beats rein, aber Shawn ist mein Rock.
Und bist du beim Produzieren selber auch involviert?
KeKe: Nicht wirklich. Ich gebe Input, falls etwas fehlt oder die Chordprogression geändert gehört, aber ich kann keine Beats machen. Würde ich aber sehr sehr gerne lernen. Wenn ich mal wieder ein bisschen runter komme, möchte ich mich da mal dazusetzen.
KeKe beim MOM I MADE IT Showcase im Flex

KeKe beim MOM I MADE IT Showcase im Flex

© Benji Agostini

Da hilft dir wahrscheinlich auch deine Ausbildung zur Jazzsängerin.
KeKe: Ja klar, das kann man überall einfließen lassen.
Ist Autotune dadurch ein No-Go für dich?
KeKe: Nein, gar nicht. Ich liebe Autotune. Es gab aber zum Beispiel beim Proben eine Situation, bei der ein Track, der eigentlich Autotune verwendet, ohne viel sauberer geklungen hat. Es ist gar nicht so einfach zu verwenden. Aber ich bin schon sehr dankbar für ausbessernde Effekte.
Hast du schon Kritik für die Verwendung von Autotune einfangen müssen?
KeKe: Nein. Ich finde das immer lustig, wenn sich Leute über Autotune aufregen. By the way your favourite metal band is using it too. Es ist mir egal.
Welche Musik hörst du in deiner Freizeit?
KeKe: Derzeit höre ich das neue James Blake Album sehr viel. Es ist göttlich. Vor allem "Mile High" mit Travis Scott ist mega. Außerdem höre ich sehr viel Princess Nokia. Sie ist meine Hauptinspiration aus verschiedenen Gründen. Erstens wegen ihrer Musik und zweitens, weil sie so wandelbar ist. Sie macht, was sie will. Wenn sie morgen mit Lady-Gaga-Pop rauskommt, nehme ich ihr das auch ab. Außerdem höre ich viel klassische, indische Mantra-Musik, Tame Impala, The War On Drugs oder das neue 21 Savage Album. Also sehr durchgemixt.
Willst du dir die Genrewahl für deine Musik auch so offen lassen?
KeKe: Ich möchte machen, was ich will. Ich bin sehr glücklich, dass mich mein Label das machen lässt. Ein roter Faden muss aber schon dabei sein, damit die Leute nicht komplett verwirrt sind. Aber wenn ich Lust darauf habe, vom typischen Rap wegzukommen, mache ich das sicher. Einer meiner größten Träume wäre es, ein Album im Stil von Frank Ocean zu machen.
Das hätte also auch eine ganz andere Stimmung als deine bisherigen Songs.
KeKe: Das letzte Jahr war davon geprägt, dass ich mich als Frau in dieser Musiklandschaft wehren wollte. Da kam das wahrscheinlich her. Sobald ich mich in einer anderen Lebensphase befinde, kommen auch wieder andere Inhalte.
Wie hast du das letzte Jahr als Frau in deinem Genre erlebt?
KeKe: Es ist zweischneidig. Einerseits bin ich sehr herzlich von meinem Label aufgenommen worden, andererseits merke ich, dass es überall zu wenige Frauen gibt. Ich habe noch nie mit einer Produzentin zusammengearbeitet oder in Venues Tonfrauen statt Tonmännern gesehen. Ich merke auch, dass meine Meinung oft nicht so ernst genommen wird, als wenn sich meine männlichen Kollegen hinstellen würden. Oder ich werde im Internet wegen meines Kleidungsstils oder meiner Frisur kritisiert. Das würde einem Kollegen auch nicht passieren.
Was macht das mit dir?
KeKe: Als „Validé“ rauskam, habe ich DM's bekommen wie "Frauen können nicht rappen, das hat nichts mit Sexismus zu tun, das ist einfach so." oder "Das ist der Grund, warum Frauen nicht rappen sollten. Erschieß dich einfach." Das war schon heftig, aber ich habe es gut abstreifen können. Mich verletzt es, wenn mich Leute, die mir näher stehen, für Sachen kritisieren, die sie bei meinen männlichen Kollegen nicht erwähnen würden. Das passiert bestimmt auch unterbewusst, aber das ist das Schlimme. Sachen wie "Rap doch mal weniger und sing mehr." Es ist unterschwelliger Sexismus, der einem oft nicht so bewusst ist.
Da finde ich Princess Nokia, mit ihrer Scheiß-drauf-Attitüde sehr vorbildlich. Willst du auch so eine Vorbild-Funktion einnehmen?
KeKe: Ich glaube, ich traue mich nur bis zu einem gewissen Grad politisch zu sein. Aber wenn ich mir jetzt schon eine Plattform aufbaue, dann möchte ich schon meine Werte vermitteln. Weil es mir auch geholfen hat.
Hörst du dir deine eigenen Songs oft an?
KeKe: Nur selten. Es gibt ein paar Songs, die ich gerne höre, ich aber nie veröffentlichen werde.
Hast du noch weitere Features in Zukunft geplant?
KeKe: Nein, erstmal nicht. Aber ich würde gerne mal mit FVLCRVM zusammenarbeiten und Shawn the Savage Kid als Feature dabei haben.
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