F1
Es gibt Paradiesvögel und Mauerblümchen, es gibt Spaßvögel und Interviewmuffel – Andrea Schlager kennt alle Typen von Fahrern. Wir werfen mit ihr einen Blick hinter die Kulissen der beiden Königsklassen im Motorsport.
Du bist eine der wenigen „Grenzgängerinnen“ zwischen beiden Königsklassen im Motorsport und erlebst als Moderatorin sowohl die MotoGP als auch die Formel 1 hautnah im Paddock. Kannst du den Unterschied in Worte fassen?
Das ist schwer… sportlich ist die MotoGP einfach eine Sensation, die uns während des Rennens viel mehr mitreißt. Aber wie ich zum ersten Mal im Formel 1-Fahrerlager gearbeitet und moderiert habe, da habe ich gespürt, dass ich jetzt in der Königsklasse angekommen bin. Das kann man nicht beschreiben, das spürt man.
Die Formel 1 wirkt für Außenstehend eher distanziert und die MotoGP im Vergleich dazu rustikaler. Ist das so?
Ich würde es nicht rustikal nennen, aber bei der MotoGP siehst du ganz klar was passiert. Es gibt keinen doppelten Boden, du erlebst den Fahrer am Bike und seine Lederkombi als einzigen Schutz. Du siehst, wie er sich in die Kurve legt, du siehst einfach alles. In der Formel 1 sitzt der Fahrer im Cockpit und du kannst nicht genau nachvollziehen, was er macht und was genau passiert. Das ist für mich der große Unterschied.
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A Day in the Life...: Mit Andrea Schlager die MotoGP backstage erleben
ServusTV-Moderatorin Andrea Schlager berichtet seit 6 Jahren live aus der MotoGP. In diesem Video begleiten wir sie backstage durch die Königsklasse des Motorradsports.
Wenn es darum geht, Erfolge zu feiern – welche Königsklasse hat da die Nase vorne?
Ich habe gelernt, dass es egal ist, ob es im Sport technisch hochkomplex, rustikal oder sogar brachial zugeht – am Ende ticken alle ganz ähnlich. Wenn es ums Feiern geht, bleibt ein Rennfahrer ein Rennfahrer.
Aber zumindest die einzelnen Rennfahrer sind unterschiedlich. Auf welche Interviews in der Formel 1 freust du dich?
Bei Daniel Ricciardo weißt du immer, dass es jetzt witzig und lustig wird. Eigentlich finde ich die meisten Fahrer sehr nett, alle auf ihre Art und Weise. Ich kann jetzt nicht sagen, dass die Piloten in der Formel 1 distanziert oder schwer zugänglich wären.
Ist ein Interview mit Kimi Räikkönen eine Herausforderung für eine Moderatorin?
Auf den war ich tatsächlich gespannt und so etwas finde ich total lustig, das sehe ich als Challenge. Kimi ist derzeit sehr schwer zu interviewen, er steht mit Kappe, Sonnenbrille und Maske vor dir und du verstehst teilweise kein einziges Wort. Ich denke mir dann: keine Ahnung, was du gerade sagst, aber es wird schon passen :) Bei Valtteri Bottas ist es übrigens ähnlich, nur zeigt er ein bisschen mehr Emotionen. Ich habe mit Kimi aber schon ein längeres Interview gemacht, da war er auch lustig. Er ist auf jeden Fall überhaupt nicht ungut.
Wie sieht es in der MotoGP aus?
Es gibt eigentlich genau die gleichen Typen. Mit manchen versteht man sich gut und die Interviews machen Spaß. Andere sind weniger zugänglich. Dani Pedrosa hat mir heute zum Beispiel gesagt, dass ihm Interviews überhaupt nicht abgegangen sind. Es gibt Fahrer, die mögen das nicht und das ist legitim. Sie sind alle Profi genug und machen, was sie machen müssen, weil es zu ihrem Job dazu gehört.
Wer sind deine Interview-Favoriten in der MotoGP?
Du bist eine Moderatorin, die viel Wert auf Mode legt. Wer ist dir in der F1 als „best dressed“ aufgefallen?
Lewis Hamilton ist eine Show. Wir warten alle jeden Morgen, womit er diesmal überrascht. Mir gefällt nicht alles, was er trägt, aber ich find‘s cool. Das muss man sich erst mal trauen, aber Lewis steht fast alles.
Wer ist auffällig unauffällig?
Lance Stroll schlapft meistens sehr zurückhaltend herum. Ich will ihm damit natürlich überhaupt nicht zu nahe treten, aber egal ob er happy ist oder sich gerade ärgert – er sieht immer gleich aus. Da denkt man dann schon: Heh, du bist Formel 1-Fahrer, das Leben ist doch schön...
Wie schaut es mit der Eleganz aus?
Gibt es diese Form von Stylisten auch in der MotoGP?
Klar, vor allem die jungen Fahre sind sehr offen dafür, zum Beispiel Fabio Quartararo. Viele sind vermutlich nicht schwerst modebewusst, sie ziehen halt gerne Designersachen an, machen eine Show daraus und posten das. Sie haben ja alle Millionen Follower.
Du arbeitest direkt im Paddock. Merkt man da eigentlich einen Unterschied zwischen den Ländern?
Wenn es rein um den Rennbetrieb geht, ist es überall eins zu eins gleich. Da gibt es überhaupt keine Unterschiede – angefangen von den Securitys bis hin zu Offiziellen. Aber natürlich spürt man Unterschiede: In Bahrain zum Beispiel ist alles riesengroß, auf Traditionsstrecken wie Mugello herrscht ein ganz eigener Vibe und am Red Bull Ring freuen sich alle über die Gastfreundschaft.