Thomas Kammerlander auf seiner Gold-Fahrt
Rennrodeln

Naturbahnrodeln: Das Jahr der Premieren

© ÖRV/Miriam Jennewein
Thomas Kammerlander und Michael Scheikl prägten die Naturbahnrodel-Saison 2020/2021: Der eine mit seinen konstanten Leistungen über die gesamte Saison, der andere landete endlich seinen WM-Gold-Coup.
Autor: Günter Baumgartnerveröffentlicht am
Man glaubt es kaum, aber auch Thomas Kammerlander kann auf dem Stockerl noch eine Premiere feiern. Der vierfache Gesamtweltcupsieger hat endlich seine WM-Goldmedaille um den Hals hängen. Für den 31-Jährigen war der Druck enorm hoch, hatte er bis jetzt noch keine WM-Titel gewonnen. Weder im Einsitzer noch im Doppelsitzer. Es war der letzte große Erfolg, der ihm noch in seiner Siegerliste während seiner einzigartigen Laufbahn fehlte. Und diesen wollte der Umhauser Lokalmatador Thomas Kammerlander unbedingt bei der 23. FIL Weltmeisterschaft 2021, seiner Heim-WM in der Grantau im Ötztal einfahren.
Der Druck war enorm – doch er hielt ihm stand und zauberte zwei Laufbestzeiten auf die perfekt präparierte Heimstrecke. "Dieses Gold ist eine Riesenerleichterung. Ich habe zwei Jahre auf dieses eine Ziel hingearbeitet. Durch die Verschiebung musste ich dem enormen Druck, der auch von außen immer größer wurde, noch länger aushalten", erklärte der Naturbahnrodel-Star nach dem Rennen. "Aber jetzt habe ich es geschafft und bin unheimlich froh und dankbar. Ob ich jetzt meine Karriere beende? Das kann ich heute sicher nicht beantworten. Jetzt genieße ich den Weltmeistertitel und nach dem Sommer werde ich entscheiden, ob ich noch ein Jahr dranhänge.“

Michael Scheikl holt seinen ersten Weltcup-Gesamtsieg

2020 wurde der Steirer Europameister und Zweiter im Naturbahnrodel-Gesamtweltcup. Wie kann man so eine Saison noch toppen? Genau: Man krallt sich den Gesamtweltcup gegen die internationale Konkurrenz und niemand geringeren als ÖRV-Teamkollegen Thomas Kammerlander. "Mit dem Gesamtsieg geht für mich ein Kindheitstraum in Erfüllung", jubelte Michael Scheikl nach dem letzten Weltcuprennen in Laas (ITA). "Seit 24 Jahren oder so sitze ich auf der Rodel, diese Kristallkugel in den Händen zu halten ist ein unbeschreibliches Gefühl." Mit 490 Punkten holte sich der 31-Jährige den Gesamtsieg vor den beiden Italienern Alex Gruber und Patrick Pigneter – das tröstet ihn sicherlich auch über das unglückliche WM-Einsitzer-Rennen, bei dem er nach einem missglückten ersten Lauf nur den undankbaren vierten Platz belegte.

Tina Unterberger mit starken Saisonfinish

Tina Unterberger zählt zu den Routiniers im ÖRV-Naturbahnrodel-Team – und ist immer für einen Stockerlplatz gut, wenn es um etwas geht. So auch bei der 23. FIL Weltmeisterschaft in Umhausen in Tirol: "Ich bin ganz schwer in die Saison gestartet. Je näher aber die WM gekommen ist, desto besser war meine Form." Die 35-Jährige holte sich ihre zweite WM-Bronzemedaille nach 2019. "Ich habe eine sehr große Freude mit der Bronzemedaille. Danken möchte ich auch meinem Servicemann Robert Batkowski, der mir super Material zur Verfügung gestellt hat.“ Auch im Gesamtweltcup konnte sie sich trotz durchwachsenem Saisonstart mit einem starken zweiten Platz im letzten Weltcuprennen in Laas mit 375 Punkten noch auf Platz drei vorkämpfen.

Die Doppelsitzer pachten Platz 3

Talentprobe und letzte Medaille der Karriere – die ÖRV-Doppelsitzer zeigten in dieser Saison auf. Fabian Achenrainer/Simon Achenrainer beendeten ihre erste volle Weltcupsaison mit 375 Punkten auf Platz drei und zeigten, dass wir in Zukunft noch viel Freude mit den Beiden haben werden. Bei der Heim-WM in Tirol jedoch ließen Christoph Regensburger/Dominik Holzknecht ein letztes Mal ihr großen Können aufblitzen und holten sich die Bronzemedaille hinter den beiden italienischen Duos Patrick Pigneter/Florian Clara und Patrick Lambacher/Matthias Lambacher. "Wir sind sehr zufrieden. Eine WM-Medaille war unser Ziel für diese Saison und das haben wir – wenn auch ganz knapp – erreicht. Es war absolut die richtige Entscheidung, noch einmal zurückzukommen", betonten Christoph Regensburger und Dominik Holzknecht nach dem Gewinn der Bronzemedaille. "Das war jetzt definitiv unser letztes Rennen. Jetzt wird die Rodel endgültig in die Ecke gestellt."
Zum Abschluss der Heim-WM in Umhausen schnappten sich Tina Unterberger und Thomas Kammerlander im Teambewerb außerdem die Silbermedaille hinter Evelin Lanthaler/Alex Gruber aus Italien und beschlossen so die Weltmeisterschaft und eine Naturbahnrodel-Saison, die nicht nur Thomas Kammerlander für immer in Erinnerung bleiben wird.