Games
Österreichs größter Spielesammler
Andranik Ghalustians sammelt leidenschaftlich Games und träumt von einem Games-Museum in Österreich
Leidenschaft kann man selten so gut in Bilder fassen wie im Falle des Wiener Antiquitäten-Händlers Andranik Ghalustians. Seine rund 50.000 Spiele umfassende Sammlung, die 40 Jahre Gaming-Geschichte eindrucksvoll visualisiert, ziert jeden Raum seiner Altbauwohnung. Aber Nik ist nicht nur Sammler und begeisterter Spieler, sondern auch Initiator zahlreicher Events in Österreich, die dem Medium und der heimischen Szene immer wieder eine Plattform bieten. Viele spannende Themen für ein ausführliches Interview.
Lieber Nik, ich behaupte einmal wagemutig, dass dich in der Gaming-Szene, zumindest in der österreichischen, wirklich jeder kennt. Wie stellst du dich in einem Satz Leuten vor, die noch nie etwas von dir gehört haben?
Hi, ich sammle leidenschaftlich Video-, Computer- und Arcadegames und bin aktuell dabei so etwas wie das öffentlich zugängliche Mekka für Videospiele in Österreich zu etablieren.
Du hast die Geschichte sicher schon tausendmal erzählt, aber bitte erkläre auch unseren Lesern kurz, wie deine Sammelleidenschaft begonnen hat.
Ich sammle nun seit ca. 20 Jahren intensiv Videogames. Begonnen hat alles damit, dass ich mir auf einem Flohmarkt einen Amiga 500 zugelegt habe, um die Erinnerungen an die alten Zeiten und das damalige Spielgefühl wieder in Erinnerung zu rufen. Statt wie bis es zu dem damaligen Zeitpunkt üblich war, stets die alten ausgedienten Systeme zu verkaufen um die neuesten Gerätschaften und Spiele finanzieren zu können, begann ich mehr und mehr alte Systeme wieder zu kaufen, die mich schon seit meiner frühen Kindheit begleitet hatten. Am Anfang ging es mehr darum das nostalgische Gefühl zu wecken und Spiele nochmals spielen zu können, die ich früher besessen hatte. Im Laufe der Zeit wurde aber der Forscherdrang mehr und mehr geweckt. Ich ging dazu über Spiele anzukaufen, die ich damals zwar gerne haben wollte, aber mir nicht zulegen konnte. Der nächste Schritt war dann, Systeme und Spiele zu erstehen, von denen man zuvor noch nie etwas gehört hatte oder wie im Falle der PC Engine oder des Neo Geo Heimsystems in unerreichbaren Sphären umher schwirrten, da sie entweder viel zu teuer waren, oder gar nicht greifbar.
Der spannendste Schritt in meiner Sammlerkarriere war der, als ich begann mich mit dem Arcadebereich auseinanderzusetzen. Für mich stellt dieser Bereich nach wie vor den Olymp des gesamten Genres dar. Videogames begannen in der Spielhalle und bis in die frühen 90er Jahre wurden für die Spielhalle die technisch aufwendigsten und spielerisch spannendsten Actiongames produziert. Bis zur Playstation-Ära wurden viele Spiele mit dem Spruch beworben: Fast ident zur Spielhallenversion. Man denke nur zurück in die 80er Jahre. Asteroids, Space Invaders, Pac Man, Donkey Kong, Galaga, Frogger, Zaxxon, Gorf Gyruss, Star Wars, Tron – alles Titel, die zu Ikonen der Spielindustrie mutierten und dutzendfach auf diverse Konsolen und Heimcomputersysteme portiert wurden. Die 2D Spieleära fand in der Spielhalle ihren Olymp.
So machte ich mich vor allem in den frühen 90er Jahren auf die Suche nach mir völlig unbekannten Spielekleinoden. Vor allem klassische Shoot Em Ups boten ein schier unerschöpfliches Repertoire an brillanten Titeln, die nie portiert wurden. Japanische Edelschmieden wie Raizing, Toaplan, Seibu Kaihatsu, Cave, Konami, Capcom und Treasure lieferten vor allem in den 90er Jahren würdevolle Klassiker ab.
Innerhalb der Sammlung nehmen diese Platinen einen Sonderstatus ein. Was den Shoot em Up und Brawler Bereich (Final Fight, Double Dragon) anbelangt kann ich mit Fug und Recht behaupten, so gut wie alle namhaften Titel zu besitzen.
Laut meinen Informationen hast du 16.000 Exponate, d.h. Datenträger die manchmal auch mehr als ein Spiel beinhalten und 500 Arcade Platinen. Laut deinen Schätzungen sind es ca. 40.000 - 50.000 Spiele. Wie behältst du da den Überblick und gibt es Spiele, die du vielleicht schon seit Jahren nicht mehr in der Hand gehalten und vielleicht sogar vergessen hast?
Die Zahlen stimmen. Ich habe vor ca. 3 Jahren begonnen eine Datenbank anzufertigen um nicht den Überblick zu verlieren. Uns ja selbstverständlich gibt es diverse Spieletitel die ich schon seit Jahren nicht mehr in Händen hielt. Gerade im Arcadebereich versuche ich aber die wichtigsten Titel regelmäßig anzuspielen und auch einem breiteren Publikum, durch die von mir organisierten Arcadetreffen, zugänglich zu machen.
Das älteste Stück in deiner Sammlung ist noch immer das Magnavox Odyssey aus dem Jahr 1972? Da haben viele von unseren Lesern sicher noch nicht gelebt. Kannst du als Zeitzeuge heute beschreiben, was den „Hype Konsole“ damals ausgelöst hat und warum das Konzept auch heute noch funktioniert?
Tatsächlich gibt es keine ältere Konsole die man weltweit besitzen kann. 1972 markiert den offiziellen Beginn des Genres. Davor gab es zwar auch schon Videospiele, diese wurden jedoch nicht kommerziell vertrieben. Das Magnavox Odyssey hielt auch sehr spät Einzug in meine Sammlung. Den richtigen Einstieg als Kind erlebte ich wie wohl die meisten Pioniere des Genres mit PONG. Man kann vermutlich heute kaum mehr die Faszination nachvollziehen, die man damals verspürte, als man das erste Mal mit einem Videospiel konfrontiert wurde. Statt des meist faden und für Kinder nicht wirklich zugänglichen Fernsehprogramms wurde man auf einmal mit einem Medium konfrontiert, dass man gar nicht fassen konnte. Es fehlten einem ja auch anfänglich die Worte. Es muss mir wohl so ergangen sein, wie den Menschen die zum ersten Mal einen Film sahen und nicht begriffen was da vor sich ging und über die bewegten Bilder staunten. Bei einem Gespräch mit Jens Brinkmann (seines Zeichens einer der größten und auch belesensten Sammler Deutschlands und Begründer der Retrobörse in Deutschland und Österreich) wurde ich auf die Wichtigkeit der Anschlussmöglichkeit der Konsole an einen TV-Apparat in der geschichtlichen Entwicklung aufmerksam gemacht.
Dieses Verdienst haben wir Ralph Baer zu verdanken, der damit die Massenmarkttauglichkeit von Videospielen eingeläutet hat. Das Erfolgskonzept der Konsole liegt auch in der Einfachheit der Bedienung. Dieser Grundsatz gilt ja auch heute noch und die Geschichte lehrt auch, dass Konsolen die mehr sein wollen als reine Spielkonsolen (Stichwort Multimediageräte) meist floppen und von den Konsumenten nicht angenommen werden (3DO, CDI, Pippin).
Dein größter Stolz sind deine Arcade-Automaten. Zurecht, habe ich doch selbst Wochen und Monate im Prater oder in Italien damit verbracht, unzählige Münzen in diese bunte Welt zu versenken. Doch war damals natürlich der Automat technisch allem überlegen, was wir zuhause stehen hatten. Heute gelten diese Regeln nicht mehr. Was macht diese doch sehr platzfordernden Automaten für dich so besonders?
Wie ich schon vorher erwähnt habe, für mich stellen Automatengames der 90er Jahre das Non Plus Ultra in Sachen 2D Videospielunterhaltung dar. Der Reiz am Arcadesammeln besteht darin, dass man auch Geräte und Arcadeplatinen besitzt, die nie für den Gebrauch abseits der Spielhalle konzipiert waren. Es handelt sich eben nicht um Consumerartikel, wie sie Konsolen und Heimcomputer bzw. Handhelds darstellen. Ich entdeckte auf einmal eine Materie die so gut wie nicht dokumentiert war und wo ich als Laie mühsam alles von der Pike auf lernen musste. Zudem ist es eben ein einzigartiges Gefühl wenn du vor einem dedicated Cab stehst und dein Spiel machst, anstatt vor einem normalen PC Monitor oder einem TV Apparat zu sitzen. Von einmaligen Geräten wie einem 8 fach verlinkten Virtua Racing Cab rede ich erst gar nicht oder von einem Deluxe Out Run Cab mit Hydraulikfunktion. Was vor allem aber alle Arcadecabs auszeichnet ist die Röhrentechnik die zum Einsatz kommt.
Alte 2D Games benötigen zwingenderweise einen erstklassigen 15khz Röhrenmonitor, um ein authentisches Spielerlebniss zu ermöglichen. Spieler heutzutage kennen ja nur noch Flachbildschirme im 16:9 Format. Wenn die mal kurz einen Emulator anwerfen wundern sie sich über die total verpixelte Grafik und drehen die Spiele schon nach kurzer Zeit ab. Vermutlich würden dies viele junge Leute auch tun, wenn sie die Spiele im Original auf einer high end Röhre sehen würden, aber zumindest hätten sie die Spiele so gesehen wie sie wirklich aussahen und keinen verzerrt dargestellten Pixelbrei. Dazu vielleicht auch noch eine kurze lustige Anekdote. Bei einer meiner zahlreich organisierten Events saßen drei Jugendliche die um die 15 Jahre alt waren vor einem Sony Trinitron TV an dem ein Arcadeplatinenabspielgerät angeschlossen war. Ich schmunzelte als einer der Burschen meinte: Ich wusste gar nicht, dass es auch Full HD Röhrenfernseher gab. Es bleib ihnen fast der Mund offen als ich antwortete: „Das Spiel läuft in einer Auflösung von 320 x 240.“
Kannst du ein oder zwei Highlights aus deiner Zeit als Sammler herauspicken, an die du dich immer erinnern wirst?
Der Moment als ich zum ersten Mal Golden Axe 2: The Revenge of Death Adder in einer Spielhalle in Kanada sah. Ein paar Monate später hatte ich die Platine zu Hause und staune heute noch über die Brillanz dieses Ausnahmetitels. Wer sich nur ein wenig für Brawler interessiert lege ich diesen Arcadetitel ans Herz. Als zweites Erlebnis fällt mir das Treffen mit Chris Hülsbeck auf der Gamescom ein. Rene Meyer (Guinessbuchrekordhalter in Sachen Anzahl von Videospielsystemen) lud mich damals ein einen Stand im Retrobereich mitzubetreuen. So hatte ich die Möglichkeit ein Interview mit Chris zu führen. Es war schon etwas ganz Besonderes den Turrican-Soundmeister persönlich kennen zu lernen.
Hattest du in deiner Zeit als Sammler auch mal Momente, in denen du dein Hobby hinterfragt hast und vielleicht sogar mit dem Gedanken gespielt hast alles zu verkaufen?
Ich habe sogar schon einmal alle Systeme verkauft. Für viele Sammler ist es ja unvorstellbar Gegenstände aus der Sammlung zu verkaufen. Man sollte sich natürlich nicht zum Sklaven der materiellen Dinge degenerieren lassen. Seit einigen Jahren stocke ich den Fundus der Sammlung meist nur noch dahingehend auf, dass ich in der Lage bin große Ausstellungen ausstatten zu können. Man wird kaum Sammler finden die über einen Fundus von über 70 TV Apparaten und Studiomonitoren verfügen. Das private Sammeln habe ich eigentlich schon seit Jahren mehr und mehr aufgegeben und widme mich der Umsetzung eines Museumsprojektes, das als Andockmöglichkeit für eine allumfassende Auseinandersetzung mit dem Thema Video und Computerspiele dienen soll. Ein Schritt in diese Richtung stellt die Gamestage Expo dar, bei der sich die österreichische Spieleentwicklerszene präsentieren kann.
Bevor wir zur Gamestage kommen, noch ein anderes Thema. In meinen Augen bist du sicher ein großer Sammler, aber ein noch größerer Spieler. Dir geht es nämlich nicht um das Anhäufen von originalverpackten Schätzen, sondern um das Spielen selbst. Welches deiner Spiele hast du in den letzten 20 Jahren wahrscheinlich am öftesten gespielt und welches Game reizt dich aktuell am meisten?
Die Diskussion wird ja auch in Sammlerkreisen oft sehr hitzig geführt. Mir ist es persönlich auch sehr wichtig, dass ich die Spiele nicht nur besitze, sondern mich auch mit ihnen auseinandersetze. Oft dadurch, dass ich sie selber spiele, aber auch indem ich begeisterten Spielern zuhöre und Interviews mit ihnen über ihre Spielleidenschaft führe um auch Begeisterung für Genres die ich selber nicht spiele, verstehen zu können. Rollenspiele z.B. spiele ich selber kaum, weniger weil sie mir nicht gefallen, sondern weil sie mir zu zeitintensiv sind. Persönlich habe ich Shoot Em Ups am öftesten in den letzten Jahren gespielt. Ein zeitloses Genre, dass sich vor allem durch die klassische High Score Jagd auszeichnet. Ansonsten habe ich mit einem internationalen Team sehr lange den Hordemodus bei Gears of War 2 gespielt. Auch Left 4 Dead hat mir im Coop-Modus sehr gut gefallen. Ganz aktuell spiele Hotline Miami 2 und werde dort versuchen so oft wie möglich S Rankings in den einzelnen Missionen zu erspielen. Könnte diesmal besonders frustig werden. Mal sehen.
Der Autor dieser Zeilen ist in etwa dein Jahrgang und hat immer wieder Tiefs, in denen er sich denkt: bin ich zu alt zum Spielen? Hab ich das nicht alles schonmal gesehen? Gib bitte meiner Generation einen Tipp, wie du dir deine Liebe zu Games erhältst?
Wie alles im Leben: Locker angehen. Wozu sich einen Stress machen? Hat man einmal monatelang keine Lust und Zeit zu zocken, so ist das doch keinerlei Problem. Wenn man vielleicht sogar irgendwann einmal ganz das Interesse verlieren sollte, ist dies auch in Ordnung. Ich kann ja auch nicht für andere Spieler sprechen (da hat ja jeder Mensch auch seinen ganz speziellen Zugang), aber bei mir ist es einfach so, dass für mich persönlich die Bandbreite an Auseinandersetzung mit dem Thema schier uferlos ist. Das Interesse Neues zu entdecken, sei es durch ein interessantes Gespräch mit Brancheninsidern, Sammlerkollegen, Spielern, Kritikern oder auch durch die Lektüre von interessanten Artikeln im Internet, in den zahlreichen Publikationen oder durch den Besuch von Podiumsdiskussionen oder natürlich auch durch nochmaliges Anspielen von Titeln, prägt mich wohl seit Jahren und macht mir immens viel Spaß. Vor allem die Begeisterung und Dankbarkeit die ich erfahre, durch das Organisieren von größeren Retroevents oder auch Vorträgen bzw. Podcasts lassen erst gar nicht den negativen Gedanken des Frustes aufkommen.
Wir haben viel von alten Games geredet aber du spielst auch auf den aktuellen Konsolen. Drehst du bevorzugt Wii U, PS4 oder Xbox One auf bzw. gibt es überhaupt schon Games auf den Konsolen, die dich von den alten Klassikern ablenken können?
Ja, ich verfolge die aktuelle Entwicklung nach wie vor. Sicherlich schon mit dem Blick eines alten Hasen, aber dennoch mit Begeisterung. Es ist nach wie vor spannend zu sehen zu welchen technischen Steigerungen die Branche fähig ist. Der utopische Traum von Virtual Reality könnte in den nächsten Jahren Wirklichkeit werden. Neue Spielgenres werden entstehen. Die Spielebranche wird noch facettenreicher werden. Das Jammern in den letzten Jahren der Vercasualisierung der Spiele und des Niedergangs kann ich persönlich nicht nachvollziehen. Gerade die heutige Zeit bietet dem Konsumenten eine schier uferlose Auswahl. Er kann auf den Output von über 40 Jahren Videospielgeschichte zurückgreifen. Er hat die Möglichkeit aufwendigste 3D Spiele auf einem teuren High End PCs zu spielen. Die Wii und die Wii U versammelt Personen vor den Fernsehapparat die noch vor Jahren niemals eine Konsole mit der Kneifzange angegriffen hätten (man bedenke, dass selbst in Altersheimen Wii Konsolen aufgestellt wurden), Smartphones und Tablets bieten leichte Spielekost für jedermann. Man muss sich nur ein wenig die Mühe machen um die Vielfalt der Gamingwelt zu erkennen.
Hast du dir Ori and the Blind Forrest schon angesehen? Das Spiel wurde ja in vier Jahren unter der Leitung eines Österreichers erschaffen. Dieser Österreicher, Thomas Mahler, hat in vielen Interviews auch die mangelnde Qualität der österreichischen Ausbildungsstätten und Studios betont. Du kennst die Landschaft ganz gut. Teilst du die Ansichten von Herrn Mahler?
Ori ist ein brilliantes Stück Spielesoftware und wirkt, wie es ein Bekannter von mir erst vor zwei Tagen so trefflich formuliert hat, wie ein spielgewordener Anime vom Studio Gibli. Das hohe Ziel, dass sich Thomas vor etlichen Jahren gesetzt hat, nämlich einen Spielemeilenstein in der Meisterklasse von Metroid bzw. Castlevania zu schaffen, hat er in meinen Augen erreicht. Als begeisterter Spieler bin ich allen Kreativen aus der Branche für Toptitel dankbar. In diesem Fall kann ich nur sagen: Danke Moon Studio für dieses wunderschöne Spiel. Beim Rundumschlag gegen die österreichische Spielebranche kann ich Thomas leider nicht Beifall spenden. Pauschal allen hier tätigen Personen Talentfreiheit zu unterstellen, wirkt doch zu falcoesk um hier eine der großen österreichischen Popgrößen zu bemühen. Blek war ein finanzieller Erfolg. Sproing, Cliffhanger, Bongfish, Socialspiel, Mipumi, Broken Rules, Still Alive Studios um nur ein paar spontan zu nennen brachten und bringen interessante Spiele heraus. Was sicherlich schade ist, dass wir keine Studios haben, die in der Lage sind solche Triple A Titel wie Witcher 3 auf den Markt zu bringen. Oft kommt es einem auch vor, als würde die österreichische Szene nach wie vor unter dem Schock der aufgelösten Firmen Rockstar Vienna und JoWood stehen.
Lass uns das Thema wechseln. Du hast ja seit zwei Jahren sozusagen einen Zweitwohnsitz. Linz. Du bist ja unter anderem Schirmherr der Gamestage in der dortigen Tabakfabrik. Magst du darüber ein paar Worte verlieren? Wie kam es dazu? Was sind die nächsten Events?
In der ehemaligen Tabakfabrik in Linz bin ich nun seit gut drei Jahren ansässig und bin dort dabei ein Museumsprojekt zu etablieren. Gemeinsam mit Stefan Schraml und Jeremiah Diephuis von der FH Hagenberg organisiere ich die Gamestage Expo. Auf ca. 6.000 Quadratmetern wird der österreichischen Spieleszene eine Bühne geboten. Ca. 30 Indie-Entwicklerstudios nutzten letztes Jahr die Chance, um ihre Projekte einem größeren Publikum präsentieren zu können. Ausbildungsstätte wie die FH Hagenberg oder die FH Salzburg zeigten Ausbildungsmöglichkeiten auf. Ich persönlich stellte an die 50 spielbare Konsolen, Heimcomputer und Arcadeautomaten zur Verfügung um die Videospielgeschichte erlebbar zu machen. Die Retrobörse bot auf 500 Quadratmetern eine große Auswahl an Spielen zum Kaufen an.
Besonders habe ich mich darüber gefreut, dass wir auch eine sehr gut funktionieren Fusion mit der Linzer Brettspielszene eingehen konnten. Vorbei sind die Jahre des grimmigen Nebeneinander von Brett und Videospielern. Hi Tech Computer wird auch dieses Jahr absolute High End Rechner präsentieren und grafisch imposant aufzeigen, zu welchen technischen Höchstleistungen die Branche fähig ist. Für dieses Jahr wollen wir noch die Cosplayer-Szene mit ins Boot holen und ihnen eine Möglichkeit bieten, Cosplay-Wettbewerbe und Workshops im Rahmen der Gamestage Expo anzubieten. Ebenso wird der Unity Day Teil des diesjährigen Programms werden. Da freue ich mich schon sehr auf die gute Zusammenarbeit mit dem Organsationsteam von Games Austria (Mariebeth Aquino, Simon Wallner, Alexander Grenus). Wir haben auch schon die Zusagen von Microsoft und Nintendo, die dieses Jahr größere Spieleinseln mit ihren aktuellen Toptitlen ausstatten wollen.
Gibt es auch in Wien Events, wo man dich mal treffen kann?
In Wien veranstalte ich regelmäßig meine Arcadetreffen. Automaten werde ich dieses Jahr auch wieder beim Slash Filmfestival zur Verfügung stellen. Vielleicht wird es diesmal sogar einen House of the Dead Automaten im Foyer geben. Im Gasometer werde ich auch einen Retrostand beim Videogame Musicevent betreuen. Die weiteren Events finden dann in Linz statt. (Gamestage Expo 9. bis 11. Oktober, Ars Electronica Festival, Gamestage AEC Termine). In Graz war ich ja dieses Jahr schon bei der Button 2015 die ebenfalls ein sehr schöner Erfolg war. Für 2016 wird es in Graz in der Seifenfabrik sicherlich auch wieder ein Videospielevent vom Spielverein Ludovica geben. In Salzburg sind wir auch schon dabei ein Spielefest zu planen.
Fast die letzte Frage: wir reden immer davon, dass Spiele „in der Mitte der Gesellschaft“ angekommen sind. Stimmt das deiner Meinung nach und wenn ja, was war am Ende dafür ausschlaggebend?
Die Videospielbranche hat die Musik und sogar die Filmbranche finanziell überflügelt bzw. ist zumindest schon seit einigen Jahren auf Augenhöhe. Du wirst aktuell kaum jemanden aus der jüngeren Generation finden, der keinen Bezug zum Gamingbereich aufzuweisen hat. War es in den 80er Jahren noch so, dass Computerspieler in der Schule zu einer oftmals belächelten Minderheit zählten ist es doch heute eher so, dass man als Nichtspieler mit staunenden Blicken konfrontiert wird. Galten früher videospielende Frauen und Mädchen zur exotischen Ausnahme, so wird es zunehmend normaler, dass auch Frauen begeisterte Spielerinnen sind und damit auch der gelebten Emanzipation Gehör verschaffen. Auch auf universitärem Boden hat man erkannt, dass das jüngste Unterhaltungsmedium als Forschungsgegenstand analysiert gehört. Die Schaffung von musealen Institutionen weltweit ist auch ein Gradmesser dafür, dass Computerspiele als Kulturgut erkannt wurden. In den letzten Jahren wurde der Spielebereich auch um „Partygames“, die oftmals mit klassischen Spielmechanismen radikal brechen, und sogar so weit gehen das spielerische Element gänzlich zum Verschwinden zu bringen, erweitert. Der schier unüberwindbare Generationenkonflikt zwischen Eltern und Kindern, wobei die ältere Generation keinerlei Verständnis und Einblick in die Materie hat, scheint in den letzten Jahren überwunden worden zu sein.
Willst du noch jemanden grüßen lassen?
Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen Entwicklern bedanken, die in den letzten Jahren so viele grandiose Spieletitel erschaffen haben und damit Millionen von Menschen viel Freude bereiten konnten. Ganz persönlich verneige ich mich in Ehrfurcht vor der kreativen Genialität der Programmierer und Künstler der japanischen Firma Cave. Tausendfachen Dank für Dodonpachi, Ketsui und Espgaluda 2.
Danke für das Interview und viel Erfolg bei deinen aktuellen und zukünftigen Projekten!
Alexander Amon spielt seit rund 30 Jahren Computer- und Videospiele und war über zehn Jahre Gaming-Journalist. Wenn er nicht für Red Bull Games schreibt, bloggt er auf continue-magazin.at und twittert über seine Liebe zu Spielen und den verschiedensten Red Bull Sorten.
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