MotoGP
Moto2™ Weltmeister Pedro Acosta im Porträt
Erfahre alles über die Erfolge, Ambitionen und Ziele von Pedro Acosta, dem aktuellen Moto2™-Weltmeister, der von Marc Márquez geadelt wurde.
Er kann und wird, meiner Meinung nach, eine ganze Epoche in der Königsklasse definieren.
Dieser Erfolg hatte sich angebahnt: Nach dem fulminanten zweiten Platz beim Moto2™-Grand Prix von Spanien hatte er gesagt:
"Heute sehen sie mich auf der Tribüne sitzen, morgen erzählen sie es ihren Kindern und die Kinder denken vielleicht eines Tages darüber nach, zu einem Rennen zu kommen", erzählt Pedro Acosta in einem gemütlichen Moment nach dem Rennen in Jerez.
Acosta hat das Selbstvertrauen und das Zeug dazu, ein Superstar zu werden -- der nächste in einer langen Reihe von MotoGP™-Legenden. Er spürt, dass es in ihm steckt und wir listen auf, was ihn so besonders macht:
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Für Großes bestimmt
Er ist 18 Jahre alt, Weltmeister in der Moto2™- und in der Moto3™-Klasse. Wenn es so weitergeht könnte ihm 2024 ein Platz in der MotoGP™ -- der Königsklasse des Motorradrennsports -- winken. Seit seinem zweiten Rennen auf Grand Prix-Ebene, als er aus der Boxengasse gestartet war und das Rennen gewann, sind sich die Expert:innen einig: Acosta ist für Großes bestimmt.
Trotz des extremen Hypes um Acosta bleibt der junge Spanier stets auf dem Boden der Tatsachen und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.
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Herausragende Arbeitsmoral
Acosta wuchs mit einem Fischer als Vater auf, während seine Mutter in der Schulkantine kochte, bis sie den Entschluss fassten, den Rennsport ernster zu nehmen. Besonders im Motorsport schaffen es nur wenige Fahrer aus der Arbeiterklasse, denn jedes Jahr sind Hunderttausende von Euro an Sponsorengeldern nötig, um im Alter von 14 bis 16 Jahren antreten zu können.
Aber diese Arbeitsmoral, die aus dem Mangel an finanziellen Privilegien resultiert, ist vielleicht seine größte Stärke in Bezug auf seine Fahrkünste.
"Ich glaube nicht, dass es am Talent liegt. Ich kenne Fahrer, die überhaupt nicht trainieren und nur auf dem Motorrad sitzen, wenn sie zu den Rennen kommen -- und sie sind schnell. Für mich ist es unmöglich, ohne Training schnell zu sein. Ich denke, ich kann diese Fahrer in einigen Punkten schlagen. Ich kann super spät bremsen, auch schon zu Beginn eines Rennens."
15 Min
Pedro Acosta kehrt in seine Heimat zurück
Begleite den Red Bull MotoGP™ Rookies Cup-Champion Pedro Acosta in den Tagen vor dem GP von Spanien in Barcelona.
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Das offensichtliche Talent fördern
Sein Teamchef und Mentor, Aki Ajo, erklärt, dass Talent weit über das hinausgeht, was ein Fahrer mit seinem rechten Handgelenk, seinen Fingern und seinem Körpergewicht tun kann. Aki Ajo unterteilt Renntalent in drei Kategorien: Alles beginnt mit der Kindheit, wenn die Familie und das Kind gemeinsam ihre Leidenschaft und ihr Engagement für den Sport entwickeln. Dann kommt die semiprofessionelle Phase, in der die Fahrer an einer Serie wie dem Red Bull MotoGP Rookies Cup teilnehmen. In dieser Phase muss die Familie einen Schritt zurücktreten und professionelle Trainer und Mechaniker mit ihrem Kind arbeiten lassen.
"Der dritte Schritt ist, wenn ein Sportler fast erwachsen ist", erklärt Aki Ajo. "Dann fängt man an, das komplette Talent zu erkennen, das nicht nur darin besteht, schnell Motorrad zu fahren, hart zu arbeiten oder ein gutes Auge für das Fahren zu haben. Das Wichtigste ist für mich die Grundausbildung und die Einstellung. Dazu gehören auch die Familie und die Menschen im Umfeld, die einen die ganze Zeit begleiten."
Acosta stimmt zu: "Aki hat das Talent, Dinge auszudrücken, die nur wenige Menschen verstehen, oder Witze zu machen, um den Druck abzubauen. Meine Mechaniker haben das Talent, beim Essen mit mir zwei Stunden lang einfach Spaß zu haben und zu lachen. Oder Albo [der Teamchef], der wirklich versteht, was ich sagen will und weiß, dass ich ruhig bleiben muss, wenn ich schnell sein will. Es liegt also nicht nur an meinem Talent, sondern auch an dem Talent, das ich um mich herum habe."
Es kommt aber nicht nur darauf an, die richtigen Leute um einen zu haben. Sowohl Acosta als auch Ajo machen deutlich, dass es auch auf den richtigen Zeitpunkt ankommt. Viele junge Sportler:innen haben die richtigen Leute um sich, aber sind sie auch am richtigen Punkt ihrer Karriere? Das perfekte Timing ist der letzte Schlüssel zur völligen Entfaltung des gesamten Talents.
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Auf dem Boden bleiben
Wenn all diese Punkte zutreffen, wird unweigerlich Erfolg kommen -- in Acostas Fall in einem rekordverdächtigem Tempo. Der Spanier ist der zweitjüngste Weltmeister in der Leichtgewichtsklasse und verpasste den Titel als jüngster Weltmeister nur um einen Tag. Dafür wurde er 2022 der jüngste Rennsieger in der mittleren Rennklasse und übernahm diesen Titel von niemand Geringerem als dem achtfachen Weltmeister Marc Marquez. Wer in so kurzer Zeit so viel Erfolg hat, muss enorm aufpassen, dass er unter dem hohen Druck nicht zerbröckelt.
"Er hat so direkt mit mir gesprochen und mir zu 100 Prozent die Wahrheit ins Gesicht gesagt. Vielleicht war es die Ohrfeige, die ich genau in diesem Moment brauchte", sagt Acosta und erinnert sich an den Zwist mit Ajo im Jahr 2021.
"Er sagte: 'Bleib ruhig und mach nicht alles kaputt, was du geschaffen hast.' Es ist so wichtig, dass jemand manchmal hart zu dir ist."
Doch Acosta neigt von Natur aus dazu, Verantwortung zu übernehmen und sich auf die anstehende Aufgabe zu konzentrieren. Er fährt einen Van oder einen Renault, wechselte nach seinem Überraschungssieg in Doha 2021 die SIM-Karte anstatt auf Social Media zu schauen und entschied sich trotz des verlockenden Angebots dafür, in seiner Heimat Murcia zu bleiben, anstatt wie viele andere WM-Piloten nach Andorra zu ziehen.
"Wenn ich es wirklich schaffen will, muss ich hier bleiben. Hier stört mich niemand auf der Straße, weil jeder jeden kennt, ich bin unsichtbar, einfach ein normaler Mensch."
Ähnlich wie Valentino Rossi in Tavullia oder Marquez in Cervera. Acosta versucht, abseits des Rennzirkus ein normales Lebens zu führen, um bei den Rennen sein Bestes geben zu können. Spannung und Drama hebt er sich für die Rennstrecke auf.
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Wachsendes Selbstvertrauen
Obwohl er in seiner jungen Karriere schon mehr erreicht hat als viele andere in einem ganzen Leben, weiß Acosta, dass die besten Sportler:innen der Welt die perfekte Mischung aus Talent und Selbstvertrauen haben. Ein Mix, den man bei zwei von Acostas Idolen, den beiden UFC-Stars Conor McGregor und Ilia Topuria, ebenfalls deutlich erkennen kann.
Hat Acosta dieselbe Mentalität? "Im Moment nicht, aber ich bin besser als vergangens Jahr, besser vorbereitet und konzentrierter als vergangenes Jahr. Ich weiß besser, wann ich die Konzentration etwas zurückfahren kann, um im richtigen Moment wieder maximalen Fokus zu haben", antwortet er.
Vielleicht ist es diese Klarheit, die ihm die Freiheit gibt, in seinen Rennen ein Niveau an Dramatik zu erreichen, wie man es seit der Ära des Showdowns zwischen Andrea Dovizioso und Marquez oder davor zwischen Rossi und seinen zahlreichen Kontrahenten nicht mehr gesehen hat.
"Wenn man 100 Prozent gibt und man es trotzdem nicht schafft zu gewinnen, darf man nicht wütend auf sich sein. Dann war an diesem Tag eben ein anderer schneller als du. Das Ziel in dieser Saison ist es, aus jedem Rennen das Punktemaximum zu holen -- mit dieser Mentalität gehen wir in jedes Rennen."
Nachdem sich Acosta bei seinem Heimrennen 2023 in Jerez um nur 3 Sekunden gegen seinen Kontrahenten Sam Lowe geschlagen geben musste war die Enttäuschung natürlich groß -- aber nicht so groß, wie man vielleicht erwartet hätte. Nach der Zielflagge stellte Acosta sein Motorrad neben einer der überfüllten Tribünen ab, nahm seinen Helm ab und kletterte über den Sicherheitszaun, um mit der jubelnden Menge zu feiern.
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Der nette Kerl von nebenan
Noch lange nach dem Rennen gab Acosta Autogramme und machte Selfies mit den Fans. Er erfüllte all seine Medienaufgaben mit viel Herz und Anstand. Eines ist klar: Er ist sich seiner Aufgabe vollkommen bewusst, den Sport weiterzubringen, während er selbst immer besser wird.
Um einer der ganz Großen zu werden, muss er nicht auf dem roten Teppich stehen oder luxuriöse Lamborghinis fahren. Acosta versteht es neben furiosen Performances auf der Rennstrecke auch die Theatralik des Sports zu fördern, mit Helden und Schurken. Gleichzeitig will er diese Verbindung zwischen Fans und Fahrer herstellen.
Was auch immer Acosta erreichen wird, er wird es auf seine Weise und in seinem eigenen Tempo tun. Er ist nicht hier, um der nächste Márquez oder Rossi zu werden, er ist nur hier, um der Beste zu sein!