Rallye

Rallye Dakar: "Hiasi ist wieder im Renn-Rhythmus"

© KTM Images
Heinz Kinigadner erklärt im Interview, warum 97% für Matthias Walkner keine Alternative sind.
Autor: Eugen Waidhoferveröffentlicht am
Heinz Kindigadner ist Entdecker und Mentor von Matthias Walkner. Im Interview erklärt die österreichische Rallye-Legende, warum der Hiasi bei der Dakar 2017 überraschend stark sein wird, und warum der Rallye Raid-Weltmeister immer ein bisschen zur Unvernunft neigt.
  • Am 2. Jänner 2017 startet Matthias Walkner zu seiner dritten Rallye Dakar. Aktuelle Infos zum Rennverlauf findest du immer  auf seinem Athleten-Profil.
  • Red Bull TV zeigt am 27. Dezember erstmals die Walkner-Doku "One Track Back". Hier gibt es erste Einblicke:

Heinz Kinigadner im Interview: Bei KTM gibt es niemals eine interne Stallorder

Wann hast du den Hiasi zum letzten Mal getroffen?
Vor ungefähr 2 Wochen. Wir haben ein neues Schnittmuster für eine Jacke ausprobiert, die in Produktion gehen musste.
Welchen Gesamteindruck hat er bei dir hinterlassen?
Einen guten. Dem Hiasi haben die letzten zwei Tage bei der Rallye Marokko richtig gut getan. Da war der Aufschwung richtig spürbar und man hat gesehen, dass er wieder in seinen Renn-Rhythmus gefunden hat. Ich glaube, dass diese Erfahrung dem Matthias viel Zufriedenheit gebracht hat. Einzig die Kondition hat ihm teilweise Probleme bereitet, aber er hat die Zeit seit damals optimal genutzt, um das zu ändern.
Wie ist die Einschätzung seines Fahrer-Trainers Jordi Villadoms?
Ich habe gerade mit ihm telefoniert und er sagt, dass der Matthias einen super Eindruck macht und ungefähr auf dem gleichen Niveau steht, das er bei seinem Rallye-Weltmeistertitel hatte. Er glaubt, dass der Matthias bei der Dakar für eine Überraschung gut ist, speziell wenn man die Änderungen im Vergleich zum Vorjahr berücksichtigt.
Welche Änderungen meinst du konkret?
Es gibt eine wesentliche Neuerung bei der Navigation. Im vergangenen Jahr wurde dem Fahrer bei einer Annährung auf 500 Meter zu einem Waypoint die Richtung mit einem Pfeil im Display angezeigt. In diesem Jahr geht ab 300 Meter nur mehr ein Fenster im Display auf, es wird aber keine Richtung zum Waypoint angezeigt. Bei den Trainings in Marokko sind die Fahrer teilweise 20 Minuten herumgeirrt, um den Waypoint zu finden. Und zweitens ist da die extreme Höhe. An 6 von 12 Rallye-Tagen fahren die Teilnehmer in einer Seehöhe von mehr als 3.000 Metern. Das wird vielen Piloten Probleme bereiten. Ich bin überzeugt, dass der Matthias auf diese Situation extrem gut vorbereitet ist.
Was kann Matthias realistisch erreichen?
Ohne große Sprüche klopfen zu wollen, sage ich: Top 5. Ohne Fehler ist das leicht im Bereich des Möglichen. Und wer in den Top 5 mithält, kann bei der Rallye Dakar eigentlich auch Top 3 erreichen... Es gibt in diesem Jahr aber eine neue Situation: Toby Price ist für mich der gesetzte Fahrer, wenn es um den Gesamtsieg geht. An ihm vorbeizukommen, wird sehr schwer.
Würde es in einer Situation Toby Price vs Matthias Walkner so etwas wie eine Stallorder bei KTM geben?
Bei KTM wird es nie und nimmer eine interne Stallorder geben. Außerdem ist KTM ein Team aus Österreich und würde sich über einen österreichischen Erfolg riesig freuen. Nur wenn ein KTM-Pilot gegen einen Nicht-KTM-Fahrer um den Sieg kämpft, müssen alle den Teamkollegen unterstützen.
Bekommt man als Fahrer einen schweren Unfall, so wie ihn der Matthias im Vorjahr hatte, jemals aus dem Kopf?
Das bleibt bei jedem gespeichert. Ich zum Beispiel verkrampfe bis heute vor Dünenkanten, weil ich weiß wie lange der Flug bis zum Einschlag dauert, wenn etwas schiefgeht. Der Matthias hat früher gefährliche Aha-Erlebnisse sicherlich einfach weggesteckt. Heute weiß er, wie es ist, wenn der gebrochene Oberschenkelknochen quer wegsteht. Das ist im Kopf, wir werden sehen, wie er damit klarkommt.
Ist es einem Typ wie dem Hiasi überhaupt möglich, vernünftig zu fahren – und manchmal nur 97 statt 100 Prozent zu geben?
Motocross-Fahrer neigen ein bisschen zur Unvernunft, sie wollen die 100 Prozent immer ausnützen, weil du beim Motocross für den Erfolg immer 100 Prozent geben musst. Bei einer Rallye wäre weniger manchmal mehr, aber dieses Umdenken ist super schwer. Mir haben sie früher auch gesagt, ich soll langsamer fahren, weil ich eh der schnellste bin. Ich habe das nicht geschafft. Taktieren ist halt ein ziemlich schmaler Grat.
Was gibt es eigentlich als Geschenk, wenn der Matthias das Ziel in Buenos Aires erreicht?
Das habe ich mir noch gar nicht überlegt... Aber das größte Geschenk macht sich der Hiasi damit sicher selber. Er ist mit dem Rallye-Virus infiziert und will Erfolg haben. Und er hat das Zeug dazu. Ich persönlich würde mich auf jeden Fall ganz narrisch freuen.

Mattias Walkner-Doku am 27.12. auf Red Bull TV

Diesen Termin sollte sich jeder Rallye Dakar-Fan fix eintragen: Am 27. Dezember feiert die Doku "One Track Back" über die (Erfolgs-)Geschichte von Matthias Walkner Premiere auf Red Bull TV. Im Video erinnert sich der Salzburger an seine Anfänge und seine zwei Weltmeister-Titel und er spricht über seinen harten Kampf zurück an die Weltspitze nach dem schweren Sturz bei der Rallye Dakar.
Hier alle drei Trailer zu "One Track Back":
Offroad · 2 Min
One Track Back: Walkner Doku – Trailer 1
Rallye · 2 Min
One Track Back: Walkner Doku – Trailer 2
Offroad · 1 Min
One Track Back: Walkner Doku – Trailer 3