Von 16. bis 19. Juni geht der Kampf mit dem Berg aus Eisen in den nächsten Runde. Nach zwei Jahren Pause dürfen wir uns endlich wieder das Red Bull Erzbergrodeo freuen – mit einer neuen Streckenführung und neuen Regeln. Die gute Nachricht: Das Team rund um Karl Katoch hat entschieden, das einzigartige PS-Wochenende wieder in bewährtem Umfang zu öffnen. Es gibt also noch Tickets – sowohl für die Fans als auch für Fahrer! 🥳
Servus Karl, wir führen dieses Gespräch knapp 1 Monat vor dem Start des Red Bull Erzbergrodeos. Wie geht es dir nach der langen Zwangspause?
Ich bin einfach nur glücklich, dass wir das Red Bull Erzbergrodeo endlich wieder veranstalten können – und zwar wie gewohnt und ohne Abstriche. Das gesamte Team ist ziemlich euphorisch.
Spürst du trotz all deiner Erfahrung wieder einmal Lampenfieber?
Haha... eigentlich nicht, dafür bin ich viel zu beschäftigt. Ich muss mich den ganzen Tag mit vielen Kleinigkeiten auseinandersetzen und darf dabei den Focus auf das große Ganze nicht verlieren. Im Moment sind wir gerade mittendrin im Streckenbau, da bleibt für Gefühle keine Zeit.
Träumst du schon davon, was noch alles gemacht werden muss, oder liegt ihr voll im Zeitplan?
Ich schlafe besser denn je. 😎
Kommen wir gleich zur Strecke. Wie plant man einen neuen Kurs bei einem so legendären Rennen?
Eine ganz neue Strecke wird es nicht geben, weil der Berg uns natürliche Grenzen setzt. Jene Fahrer, die nicht zum ersten Mal am Start stehen, werden manche Streckenabschnitte sicher wiedererkennen. Aber wir müssen einige Streckenabschnitte völlig neu situieren, weil sich das Gelände in den vergangenen zwei Jahren massiv verändert hat. Der sogenannte Gerichtsgraben ist jetzt bis zu 80 Meter höher, die grüne Hölle gibt es nicht mehr und in der Badewanne dürfen wir nicht mehr fahren...
Arbeitet ihr bei der Neuplanung mit Fahrern zusammen oder macht ihr das selbstbestimmt?
Wir haben eine sehr erfahrene Streckenbau-Crew, zu der auch einige Finisher gehören. Gemeinsam haben wir genau die Qualität, um einschätzen zu können, was wir den Fahrern zumuten können
Was konkret bedeutet für dich „zumutbar“?
Grundsätzlich gilt: Die Strecke soll fahrbar sein. Ich will nicht, dass ein Motorrad getragen werden muss. Aber natürlich müssen wir hier unterscheiden, zwischen jemandem, der das fahren kann, und jemanden, der es nicht schaffen wird, weil er an seine Grenzen stößt. Wir versuchen die Strecke so zu gestalten, dass zumindest die besten Fahrer der Welt das Red Bull Erzbergrodeo bewältigen können.
Mit welcher Siegerzeit rechnest du diesmal?
Die Strecke wird weit über 30 Kilometer lang sein und wir schätzen, dass, wenn die Wetterbedingungen passen, der erste Fahrer nach 2 Stunden ins Ziel kommen wird.
Was wird in diesem Jahr die schwerste Passage?
Die größte Herausforderung ist eigentlich immer das Dinner, weil jeder Fahrer schon viel kämpfen musste, bevor er dort überhaupt hinkommt. Wenn Graham Jarvis frisch ausgeruht das Dinner fährt, braucht er dafür vermutlich 10 bis 15 Minuten. Als Teil des Red Bull Erzbergrodeos braucht er 30 bis 40 Minuten...
Das Dinner wird also die Schlüsselstelle 2022?
Diese Passage wird für die meisten sicher rennentscheidend, weil sich viele Fahrer das Rennen erfahrungsgemäß schlecht einteilen und wenn sie dann technisch nicht so versiert sind, werden sie hier einfach verenden.
Kommen wir gleich zu den Fahrern. Welches Starterfeld hat das Red Bull Erzbergrodeo 2022 zu bieten?
Wir haben die gesamte Weltspitze am Start, es fehlt eigentlich niemand. Besonders spannend wird in diesem Jahr aber, dass die jungen Wilden nachrücken, das Kräfteverhältnis hat sich meiner Meinung nach verschoben, aber noch ist es schwer einzuschätzen, wer sich in den vergangenen 3 Jahren hochgedient hat. Ein junges Talent ist zum Beispiel Klaus Bischof, der hinter Dieter Rudolf raufgefahren und Abschnitte mitgefahren ist, das hätte sich niemand träumen lassen. Trotzdem bleibt für mich Graham Jarvis die Legende schlechthin.
Michi Walkner: der Geheim-Favorit beim Red Bull Erzbergrodeo 2022
© Future 7 Media / Red Bull Content Pool
Der legendäre Chris Pfeifer war 2004 der letzte Gewinner für GasGas. Jetzt kommt Michi Walkner – was traust du ihm zu?
Der Michi Walkner ist einer meiner ganz großen Favoriten, weil er ein irres Potenzial hat und viel trainiert. Er ist einer der ersten Leute, der den Top-Fahrern sicher Kopfschmerzen bereiten wird.
Dein Tipp für alle jungen Wilden?
Um finishen zu können, muss man Ruhe bewahren… aber leider Gottes bewahrt niemand die Ruhe, weil du ständig Druck von hinten hast. Wenn hinter dir 20 Fahrer aufholen und du selber brauchst grad ein bisschen Zeit zum Ausrasten, dann entspannt dich das nicht. Alleine wenn du nur daran denkst, wirst du schon von drei Fahrern überholt. Man darf nicht vergessen: Der erste Fahrer hat 499 hinter sich und der 50. immer noch 450.
Du hast jetzt weitere 300 Teilnehmer zugelassen, das Starterfeld ist 2022 so groß wie früher. Geht sich das aus?
Wir wollten anfangs vorsichtig sein, weil wir nicht absehen konnten, was sich an Verhaltensregeln notwendig sein wird. Aber jetzt wissen wir, dass wir die Flächen füllen können und dass wir die Kapazitäten schaffen. Deshalb wollen wir das Starterfeld total auffüllen. Es gibt also noch einige wenige Startplätze.
Wer wird gewinnen?
Es sind viele Fahrer da, die gewinnen können. Die Leistung von Mario Roman ist im Moment ein Wahnsinn. Pol Tarres ist eine große Nummer, dann natürlich Graham Jarvis oder Manuel Lettenbichler. Also, ich trau es mir nicht zu sagen... Fix ist, dass wir neue Helden sehen werden und dass wir neue Finisher feiern werden.
Die Besucher dürfen die Fahrer ab diesem Jahr nicht mehr unterstützen, es gibt keine Help Zones mehr. War das deine Idee?
Es war nicht nur meine Idee, sondern mein echtes Anliegen, um Xtreme Enduro weiterzuentwickeln und auch neu prägen. Wir hatten immer mehr Besucher an der Strecke und manche Werksfahrer haben unterwegs quasi schon Werksunterstützung von den Betreuern und Fans genossen, während anderen Fahrern nicht geholfen wurde. Wir brauchen aber weder einen Betreuer noch Benzinkanister oder Servicearbeiten in der Strecke. Jeder Teilnehmer am Red Bull Erzbergrodeo muss die 33 Kilometer ab sofort alleine schaffen. Die einzigen, die helfen dürfen, sind die Fahrer untereinander. Die können sich ausmachen, was sie wollen. Uns geht es darum, ein total faires Rennen zu veranstalten, deshalb haben wir die Help Zones abgeschafft.
Liegt es vielleicht auch dran, dass du grundsätzlich wenig Mitleid mit den Fahrern hast?
Für mich sind alle Fahrer Helden, vor allem wenn sie es bis nach oben schaffen. Aber das Red Bull Erzbergrodeo ist Rennsport und da ist jeder auf sich selbst gestellt.
Kannst du mir 3 Gründe nennen, warum ich als Zuseher das Red Bull Erzbergrodeo nicht verpasse darf und mir am besten gleich heute ein Ticket kaufen sollte?
Erstens: Was vor Ort zusätzlich zum Red Bull Erzbergrodeo passiert, ist einfach einzigartig – der legendäre Sturm auf Eisenerz mit tausenden Besuchern, die Spalier stehen, dann gibt's die Action Arena inklusive GasGas Trial-Rennen oder das Steilhangrennen Rocket Ride. Zweitens: Die Stimmung ist ebenso einzigartig und mit den Live-Übertragungen von ServusTV auf unsere Videowalls siehst du vor Ort mehr vom Rennen als irgendwo sonst. Drittens: Bei uns gibt es wirklich die gesamte Weltspitze und auch alle zukünftigen Legenden hautnah zu erleben - auch das ist ziemlich einzigartig
Letzte Frage: Wenn Karl Katoch als Rider an den Start geht, welchen Platz würdest du erreichen?
Ich schätze, dass ich im Prolog in die ersten 2 Reihen fahren würde. Das kann ich noch, schnell fahren geht noch. Nach der Wasserleitung würde ich aber aufhören wollen, weil ich weiß, dass es danach so schwierig wird, dass ich mir das eigentlich nicht antun will. Enduro fahren heißt bei mir wirklich Enduro fahren und nicht Enduro schieben oder Enduro tragen, daher ist nach der Wasserleitung für mich schon seit langem Schluss...
52 Min
Hare Scramble
500 Hard-Enduro-Fahrer sind an der Startlinie im Steinbruch, um den Erzberg zu erklimmen.
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