MTB

Das unterscheidet ein Red Bull Rampage-Bike von einem normalen Mountainbike

© Peter Morning
Autor: James Stout
Es braucht mehr, um die harten Schläge des rauen Red Bull Rampage-Terrains wegzustecken. Hier findest du heraus, was die Rampage-Bikes so besonders macht.
Hast du dir Fotos oder Videos von Red Bull Rampage angesehen, dann weißt du, dass die Rider hier mit einem normalen Bike nicht sehr weit kommen. Es braucht zusätzliche Features und Modifikationen und es ist ausgereifte Ingenieurs-Kunst gefragt, die der Intensität von MotoGP und Formel 1-Technik um nichts nachsteht.
Szymon Godzieks NS Fuzz
Szymon Godzieks NS Fuzz
Wir haben die Pits aufgesucht, um herauszufinden, was ein Rampage-Bike von einem regulären DH-Mountainbike unterscheidet - und eine Überarbeitung ist auch bitter nötig. Kein Bike der Welt ist von Natur aus spezifisch auf Rampage zugeschnitten, da einzelne Teile aufgrund der Anforderungen schneller brechen. Bevor das Event also Tür und Tor öffnet, sind neue Komponenten essenziell.
Der lange Federweg
Brandon Semenuks custom-painted Trek Season beim Red Bull Rampage 2019 in Virgin, Utah.
Brandon Semenuks Trek Session
Dass der Fokus von Rampage-Bikes auf der Federung legt, ist, wenn man einen genaueren Blick auf die Lines in der Wüste von Utah wirft, einfache Mathematik. Die harten Schläge der massiven Drops gilt es abzufedern. Die Pedalarbeit rückt dabei in den Hintergrund, erledigt den Großteil davon doch die Gravitationskraft.
Im Vergleich zu normalen Trail-Bikes, die auf kleinere Schläge ausgerichtet sind, womit der Druck bei diesen weniger stark auf dem Federwerk liegt, muss ein Rampage-Bike um einiges mehr aushalten. "Es geht weniger darum, die kleinen Unebenheiten auszugleichen, als darum, diese massiven Drops wegzustecken", erklärt ein Mechaniker. Wenn ein Rampage-Rider auf dem Boden auftrifft, kannst du dir sicher sein, dass die 200 mm Federweg vorne sowie hinten voll durchgedrückt sind.
Die Bremsen
Brendan Faircloughs Scott Gambler
Brendan Faircloughs Scott Gambler
Obwohl es nicht immer so aussieht, gelten die Gravitationsgesetze auch für Red Bull Rampage. Auf den steileren Abschnitten müssen die Rider ihren Speed kontrollieren können, um am Ende nicht im Nirgendwo zu landen. Um dem nachzukommen, sind die Bikes mit hydraulischen Scheibenbremsen und riesigen 200 mm-Rotoren ausgestattet, um die Bremswirkung zu steigern. Immerhin heizen sich die Rotoren bei diesen Geschwindigkeiten extrem auf - dem gilt es, entgegen zu wirken.
Die Gangschaltung
Wenn du meinst, dass du den Wert eines Bikes an der Anzahl der Gänge festmachen kannst, dann hast du falsch gedacht. Die Bikes von Red Bull Rampage haben nur wenige Gänge zu bieten und die sind relativ eng verbaut. Die Rider versuchen die Gravitation in ihre Runs zu integrieren und für sich zu nutzen, weshalb der Tritt in die Pedale im richtigen Gang nicht unbedingt von Bedeutung ist.
Brett Rheeders Trek Session
Brett Rheeders Trek Session
Natürlich, hier und da braucht es die Pedale, um voranzukommen und genug Geschwindigkeit aufzubauen, um einen bestimmten Jump zu bestehen. Dabei müssen die Athleten aber nicht wirklich den Gang wechseln. Die eng platzierten Gänge reduzieren außerdem die Gefahr, dass die Kette einfach herausspringt. Durch die Positionierung landet diese einfach auf einem anderen Gang, der an der Kettenspannung und der Pedalgeschwindigkeit nicht viel ändert. Darin liegt auch der Grund, warum die Rampage-Bikes nur einen vorderen Kettenring verbaut haben - zur Risikominimierung.
Die Laufräder
Um all diese massiven Sprünge und Drops zu landen, braucht es vor allem gut sitzende Laufräder. Überraschenderweise unterscheiden sich diese gar nicht so sehr von jenen, die du auf deinem Bike im Keller verbaut hast, sie sind nur um einiges robuster. Während viele Athleten in anderen MTB-Formaten vor allem auf schlauchlose Alternativen setzen, ist es bei Rampage genau umgekehrt: Hier ist der Schlauch essenziell.
Emil Johanssons Trek Session
Emil Johanssons Trek Session
Während schlauchlose Systeme weniger Druck und mehr Traktion erlauben und zugleich das Risiko eines Plattens reduziert wird, tendieren die Rampage-Athleten zu mehr Druck. Damit ist die Gefahr geringer, dass der Reifen bei einer harten Landung die Felge beschädigt. Der Reifendruck lag in den Pits bei etwa 2,4 Bar, um genug Abstand zwischen Felge und den Felsen der Wüste in Utah herzustellen.
Der Sattel
Red Bull Rampage-Bikes sind auf die massiven Schläge abgestimmt.
Red Bull Rampage-Bikes sind auf die massiven Schläge abgestimmt.
Siehst du einen Rampage-Rider auf dem Sattel sitzen, während er in die Pedale tritt, könnte man meinen, er säße auf einem Kinderfahrrad. Die Sattel eines Rampage-Bikes sind generell sehr niedrig eingestellt und das hat einen Grund: Du willst sie während der harten Landungen nicht im Weg haben. Natürlich ist ein Sattel nach wie vor notwendig (immerhin geht es darum, das Gesäß bei einer Landung vom Rahmen fernzuhalten), doch dient er eher zum Schutz, als darauf zu sitzen.
Der Rahmen
Auch wenn die meisten Rahmen heutzutage vor allem aus Karbon gearbeitet sind, ist das bei Red Bull Rampage nicht immer der Fall. Die Priorität liegt hier nicht auf dem Gewicht, weshalb die Athleten oft die Aluminium-Variante wählen. Diese sind robuster und kommen mit den harten Anforderungen von Rampage schlichtweg besser zurecht.
Reed Boggs Trek Session
Reed Boggs Trek Session
Natürlich sind diese Rahmen abgestimmt auf den Rider lackiert. Angefangen bei den purpur-gefärbten Marzocchi Bomber-Gabeln bis hin zu den unglaublichen Trek Project One-Rahmen - jedes Bike ist ein Ausdruck der jeweiligen Persönlichkeit der Athleten.