Backcountry Freestyle
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Snowboard Tech Talk: Rocker versus Camber

Snowboard mit Rocker oder Camber? Welches Board zu deinem Style passt erfährst du hier
Autor: Andi Spies
3 min readPublished on
Echte Rocker können sehr unterschiedlich aussehen. Sie können wie Elvis Presley mit Gitarre und krassen Hüftschwung daher kommen. Mit schwarzer Lederjacke und cooler Sonnenbrille auf einem fetten Motorrad. Oder sie rocken einfach nur mit einem Snowboard durch den Schnee – auf einem sogenannten Rockerboard, die seit gut acht Jahren die Board-Kollektionen der Snowboardfirmen schmücken und in Schwung halten. Andreas Threimer von K2 gibt hier einen Einblick in die winterliche Rockerszene.
Was ist das besondere an einem Snowboard mit Rocker?
Die Camber-Bauweise mit ihrer positiven Vorspannung ist die klassische Bauweise für Snowboards. Vor allem Snowboardprofis schwören aufgrund der großen Power und sehr guten Kontrolle auf diese Technologie. Das Besondere am Rocker oder ‚Reverse Camber’ ist die negative Vorspannung – also das genaue Gegenteil zum Camber. Das Board berührt zwischen den Bindungen den Boden. Nose und Tail schweben in der Luft. Dadurch ist ein Rockerboard viel wendiger, drehfreudiger und verspielter. Es verzeiht auch mehr Fehler.
Wer sollte sich auf ein Rockerboard stellen?
Bei einem Rocker sind die Kanten sehr gnädig. Verkanten ist da so gut wie unmöglich. Deswegen kann man mit diesen Boards bestens durch Parks und über Obstacles rocken. So lernt man auch neue Tricks viel schneller und leichter. Das ist für Anfänger aber auch Fortgeschrittene ein großer Spaß. Allerdings: Durch den geringen Kantengriff, da hier Nose und Tail kaum direkten Kontakt zum Schnee haben, fehlt es dem Rockerboard auf eisigen oder harten Pisten an Kontrolle. Auch der Pop ist nicht so gut.
Seit wann gibt es Rocker beim Snowboarden?
Eigentlich waren die allerersten Snowboards schon Rockerboards, irgendwann wurde die Vorspannung dann von den Skiern übernommen. K2 hat als eine der ersten Brands zur ISPO 2007 in München wieder Rockerboards vorgestellt.
Sind Rocker nur etwas für Freestyler?
Generell sind Rockerboards in der Rutschbewegung leichter zu manövrieren. Dies kommt insbesondere Anfängern entgegen. Das gilt wie gesagt auch für Freestyle-Tricks – besonders Butters und beim Rumgejibbe auf der Piste. Aber sie machen nicht nur in Parks und auf der Piste Spaß. Rockerboards fühlen sich in jedem Terrain wohl. Besonders in fettem Powder verfügen sie durch ihre Bauweise über mehr Auftrieb. Ähnlich einem Surfboard.
Leanne Pelosi rockt die Pillows.

Leanne Pelosi rockt die Pillows.

© K2 Snowboarding

Was ist gerade mehr angesagt - Rocker oder Camber?
Ich denke die Rockerwelle hat schon ihren Peak erreicht und im Moment ist das Angebot recht ausgewogen. Der Trend geht definitiv hin zu Hybrid-Varianten, also Arten von Camber kombiniert mit Rocker – also ein Mix von negativer und positiver Vorspannung.
Für welchen Riding-Style ist der Camber besser geeignet?
Camber würde ich erfahrenen Snowboardern empfehlen, die genau wissen, wie sie mit einem „aggressiveren“ Board umzugehen haben. Das kann für Snowboarder gelten, die hauptsächlich die Pisten mit Highspeed herunter rasen oder viel Pipe fahren und große Kicker springen. Der Camper ist von seiner Performance her um einiges spritziger und agiler als der Rocker.
Drei unterschiedliche Vorspannungsprofile von K2

Drei unterschiedliche Vorspannungsprofile von K2

© K2 Snowboarding

Auch bei Skiern gibt es Rocker.
Genau. Bauweise und Prinzip sind identisch. Die K2-Legende Shane McConkey hat schon vor 2006 mit gerockerten Skiern experimentiert, insbesondere um den Float im Powder zu verbessern.
Macht es Sinn, zwei Boards zu fahren – eins mit Rocker und eins mit Camber?
Falls man die Möglichkeit zu einem Zweitboard hat, würde es für den ambitionierten Shredder sicher Sinn machen, in dem er für Powdertage ein sehr gerockertes Board nimmt.
Und was fährst du selbst?
Ich bin in der Regel auf einem „gemäßigtem“ Rockerboard unterwegs. Und zwar am liebsten abseits der Pisten, also im Powder. Ansonsten kann man mit Rockerboards auch sehr gut geschnittene Schwünge fahren. In eisigen Pipes bin ich kaum unterwegs, und im Park suche ich mir schon länger nicht mehr die allergrößten Kicker aus. Rockerboards sind für mich die optimalen Allrounder.