ÖRV-Doppelsitzer Thomas Steu und Lorenz Koller
Rennrodeln

Bärenstarke Saison der österreichischen Rodel-Asse

© GEPA Pictures
6 Siege, 23 Stockerlplätze und 4 WM-Medaillen – ein Jahr vor den Olympischen Winterspielen in Peking zeigten die österreichischen Rodler mit zahlreichen Erfolgen auf.
Autor: Günter Baumgartnerveröffentlicht am
Manche Geschichten kann nur der Sport erzählen. Und genau so eine ganz besondere Story ist das Comeback von Thomas Steu und Lorenz Koller nach ihrem Horrorsturz in Sigulda vor einem Jahr. „Wir wissen selbst noch nicht genau, wie wir nach diesem Crash so eine Saison abliefern konnten", erklärte Thomas Steu über die für viele überraschend erfolgreiche Doppelsitzer-Saison im Winter 2020/2021. "Wir haben richtig gut trainiert. Ich bin, glaube ich, auch im Kopf relativ stark und habe das Ganze sehr gut weggesteckt. Ich habe mir gleich gedacht, dass wir wieder dort hinkommen können, wo wir waren.“ Sie haben ihre bisherigen Erfolge mit vier Saisonsiegen und neun Podestplätzen sogar noch übertroffen und zauberten die erfolgreichste Saison ihrer Karriere in den Eiskanal.
Die ÖRV-Doppelsitzer zählen mit drei Kristallkugeln im Gesamt- und Sprint-Weltcup sowie im klassischen Doppelsitzer-Weltcup zu den großen Abräumern dieser Saison – obwohl sie im WM-Rennen unter Wert geschlagen wurden.
"Wir wissen selbst noch nicht genau, wie wir nach diesem Crash so eine Saison abliefern konnten"
Thomas Steu
Doch nur wenige Tage nach der WM-Enttäuschung krönten sich Thomas Steu und Lorenz Koller in der Team-Staffel, gemeinsam mit Madeleine Egle und David Gleirscher. "Wir haben uns schon eine Medaille bei der WM ausgerechnet. Im Doppelsitzer-Bewerb hat es nicht sein sollen. Aber jetzt haben wir eine Goldene im Team, das freut uns riesig", betonte Steu.

Team-Goldmedaille stehen für die kontinuierliche Arbeit im ÖRV

Dass den Österreichern ausgerechnet in Königssee der Sieg gelang, auf der Haus-und-Hof-Strecke der so erfolgreichen deutschen Rodel-Stars, ist ein besonderes Schmankerl. Doch das Team Österreich war nach einem kurzen Wackler der Doppelsitzer Eggert/Benecken zur Stelle und schnappte sich mit 0,038 Sekunden Vorsprung die Goldmedaille in der Team-Staffel. "Es hat lange danach ausgeschaut, als hätten wir keine Chance gegen die Deutschen", gesteht David Gleirscher. "Aber ihr Doppel hat einen Fehler gemacht. Wir wussten, dass es knapp wird, aber dass es dann so knapp wird..." Zuvor hatte der amtierende Olympiasieger im Königseer Eiskanal bereits über zwei Bronzemedaillen jubeln dürfen. "Das war ein Wahnsinns-Wochenende für mich. Einfach mega!"

WM-Titel für den "kleinen Bruder" Nico Gleirscher

Eine Premiere nach Wunsch feierte Nico Gleirscher: Bei seiner ersten Rodel-WM holte sich der 23-Jährige die Goldmedaille im Sprint-Bewerb – vor dem Russen Semen Pawlitschenko und seinem älteren Bruder David. "Wir haben einen Tag vor dem Rennen noch gescherzt, dass wir noch nie zusammen am Podest waren. Und jetzt bei der WM hat es funktioniert, das ist einfach nur gewaltig", freute sich der frischgebackene Weltmeister. "Eine Tausendstel am Doppelsieg mit meinem Bruder vorbei, das wäre natürlich noch einmal besser gewesen", sagte David Gleirscher nach dem Rennen, ist aber mit Platz drei absolut zufrieden. "Ich bin megahappy mit der Bronzemedaille, speziell da in Königssee."

Erfolgsrezept "Erfahrung"

René Friedl ist seit 15 Jahren ÖRV-Cheftrainer und zudem Sportdirektor und die Erfolgssaison trägt seine Handschrift. Die Erfolge kommen nicht von ungefähr – es steckt extrem viel harte Arbeit, ein langfristiger Plan, Vertrauen in die jungen Talente und Erfahrung von ehemaligen Weltklasse-Athleten dahinter. "Wir haben viele Ehemalige, die uns unterstützen: Tobias Schiegl im Trainerteam, Peter Penz im Materialbereich, Andreas Linger, der in der Technologie etwas macht und Markus Prock, der im Hintergrund die Fäden zieht und viele Türen öffnet", erklärte René Friedl bei „Sport und Talk aus dem Hangar-7“ am 8. Februar 2021. "Sie bringen alle extrem viel Erfahrung mit – ich bin nur das Bindeglied, das versucht, alles zusammenzuführen.“
Die Rodel-Stars zu Gast bei "Sport & Talk im Hangar-7"
Die Rodel-Stars zu Gast bei "Sport & Talk im Hangar-7"
Jetzt geht es darum, die Erfolge als Zusatzmotivation für die Vorbereitung auf den nächsten Weltcup-Winter zu nutzen. Denn im Februar 2022 steht mit den olympischen Spielen in Peking das große Highlight auf dem Programm. Und auch dort wollen die ÖRV-Asse wieder über Medaillen jubeln – am besten wieder über eine Goldene.