Los geht’s!
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Ski

Ski-Equipment 6/6: Pflege-Zeit – Kanten schleifen & Ski wachsen

Skipflege ist eine eigene Wissenschaft und wir zeigen euch wie es richtig geht.
Autor: Thomas Wernhart
5 min readPublished on
Schneetemperatur, Schneebeschaffenheit, Lufttemperatur und so weiter und so fort – all diese Faktoren spielen eine Rolle, wenn man seine Ski wachst und im Weltcupzirkus haben die Serviceleute den Sieg oft genauso in der Hand wie die Athleten selbst. Die Methoden und Materialien, die diese „Wissenschaftler" verwenden, könnten einem James Bond Film entstammen, doch so weit wollen wir gar nicht gehen. Wer die Basics drauf hat, hat schon gewonnen und spart sich eine Menge Geld bei sogenannten „professionellen“ Services.

Reinigen der Lauffläche und kleine Schäden ausbessern

Dass Schmutz und altes Wachs den Ski nicht unbedingt schneller machen, ist kein Geheimnis und deswegen sollte man die Laufflächen, bevor man den Ski wachst, gründlich reinigen. Die Poren müssen frei sein, damit später das frische Wachs eindringen kann. Am besten erledigt man das mit speziellen Bürsten in verschiedenen Härtegraden – bürstet man in Fahrtrichtung ordentlich aus, so merkt man schnell, wie viel Schmutz und Wachsrückstände sich im Belag befinden.
Möchte man sich die Arbeit erleichtern, sollte man, neben einem Skieinspanngerät, das den Ski optimal fixiert, ein Rotorbürsten-Set verwenden – diese Bürsten aus verschiedene Materialien (Nylonborsten sind ein Muss und universal einsetzbar) werden auf handelsübliche Bohrmaschinen aufgesteckt und machen die Arbeit um einiges einfacher. Zusätzlich kann man auch einen Belagsreiniger verwenden, den man dann mit einem antistatischen Polier- und Reinigungstuch wieder entfernt.
Wenn man kleinere Schäden im Belag entdeckt hat, kann man diese mit Belagstiften aus Polyethylen ganz einfach reparieren. Man schmilzt das Material mit dem Bügeleisen oder einem Feuerzeug und lässt es dann in die kaputte Stelle tropfen. Ist das Füllmaterial glatt gestrichen und getrocknet, entfernt man mit einer feinen Feile oder Schmirgelpapier das überschüssige Material und ebnet den Belag wieder.
Frisch und sauber.

Frisch und sauber.

© sportshop.at/toko.ch/swix.de/www.hwk-skiwachs.de

Profiarbeit: Kanten schleifen

Richtiges Kantenschleifen ist eine Kunst, die man zwar erlernen, aber auch gerne den Profis überlassen kann. Denn Experimente können leicht nach hinten losgehen. Möchte man sich trotzdem versuchen, sollte man folgende Dinge beachten. Zuerst wird die Seitenwange mit einem Seitenwangenhobel bearbeitet und der überschüssige Kunststoff entfernt – das ermöglicht einen feineren Schliff. Dann sollte man kontrollieren, ob die Kante sauber ist und keine Grate aufweisen.
Man kann diese Unebenheiten zumeist sehr einfach mit den Fingerspitzen ertasten und dann mit einem Schleifstein oder einer Diamantfeile abnehmen. Hat man das erledigt, macht man sich an das eigentlich Schleifen der Kante. Zuerst schleift man den vorderen und den hinteren Teil des Skis (jeweils etwa 5–10 cm) auf der Laufflächenseite leicht hängend (also 0,5 bis 1 Grad), um die Drehfreudigkeit zu erhöhen. Mit einem Kantenschleifgerät oder einem Aluwinkel mit Feile wird die Kante auf 88 bis 90 Grad hinterschliffen – das ganze sollte sehr gleichmäßig erfolgen, wobei wieder viel Erfahrung ins Spiel kommt.
Hat man die Kante zu seiner Zufriedenheit bearbeitet, feilt man mit einem Arkansasstein bzw. mit einer Diamantfeile noch nach. Im vorderen und im hinteren Bereich sollte man dann mit einem Schleifgummi den Grat entfernen und seinem Werk den letzten Schliff geben.
Die Scharfmacher.

Die Scharfmacher.

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Ski wachsen

Anschließend kann man sich ans Wachsen machen. Am besten eignen sich spezielle Bügeleisen, an denen die exakte Temperatur eingestellt werden kann. Zur Not gehen auch ausrangierte Bügeleisen, die man im Haushalt verwendet hat. Von Dampfbügeleisen muss man die Finger lassen. Im Weltcup-Zirkus ist das Wachsen der Ski eine eigene Wissenschaft und die Serviceleute wissen genau, für welche Bedingungen sie die Ski präparieren. Dabei geht es um die Schneeart, die Schneetemperaturen, die Disziplin und vieles mehr. Als Hobbywachsler hat man es da ein wenig einfacher, in den meisten Fällen reicht ein Universalwachs bzw. Wachs, das für Schneetemperaturen von ca. -4°C bis -12°C geeignet ist.
Zuerst trägt man eine Basisschicht auf und lässt diese ca. 30 Minuten trocknen. Wie man das macht, bleibt einem selbst überlassen. Man kann den Wachsblock direkt auf das Bügeleisen halten und dann das Wachs auf den Ski tropfen oder das erwärmte Wachs aufreiben, was definitiv sparsamer jedoch gleich effektiv ist. Danach wird das Wachs mit gleitenden Bewegungen eingebügelt. Man sollte jedoch aufpassen, dass das Bügeleisen nicht zu heiß ist und nicht zu lange auf einer Stelle verharrt. Durch die Wärme öffnen sich die Poren und das Wachs kann tief in den Ski einziehen.
The perfect wax job!

The perfect wax job!

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Abziehen und Ausbürsten

Ist man mit dem Wachsen fertig, muss man sich ein wenig in Geduld üben und den Ski bzw. das Wachs einziehen und abkühlen lassen. Im Normalfall ist eine halbe Stunde genug, länger zu warten schadet jedoch nicht. Dann macht man sich daran, das Wachs wieder zu entfernen. Mit einer Plastikklinge zieht man das übrig gebliebene Wachs in Laufrichtung gründlich ab.
Schicht für Schicht muss abgetragen werden und ist man damit fertig und möchte keine weitere Wachsschicht auftragen, schnappt man sich die Bürsten und bringt wieder Struktur in den Belag. Verschieden Härtegrade, von sehr stark bis fein, kommen dabei zur Anwendung – mit einer Rotorbürste, die auf eine Bohrmaschine aufgesteckt werden kann funktioniert das Ganze noch besser. Dieser kleine Trick macht einen großen Unterschied.
Wichtiger als man glauben möchte

Wichtiger als man glauben möchte

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Wachsschicht Nummer 2

Wenn man eine zweite Schicht auftragen möchte, kann man diese auf die Schneeart abstimmen. Je feuchter der Schnee, das heißt zum Beispiel im Frühjahr oder an sehr warmen Tagen, desto mehr Fluoranteil sollte das Wachs haben. High-Fluor verhilft zu besseren Gleiteigenschaften, Low-Fluor dagegen wird meist bei trockenem Schnee eingesetzt.
Will man seine Geldbörse besonders strapazieren kann man danach noch Flüssigwachs oder Pulver auftragen und dieses mittels (Rotor-)Kork in den Belag einarbeiten. Im Hobbybereich nicht von Nöten und eine falsche Entscheidung kann zum gegenteiligen Effekt führen – Profis arbeiten oft mit vier bis fünf Schichten.
Übrigens: Seid ihr lieber mit nur einem Brett unterwegs, haben wir auch jede Menge Tipps für das Board Tuning eurer Snowboards.