Talent Comes Naturally

Tätowieren ist mein Talent – und ich liebe es!

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Christina Hotzy lebt ihren Traum – und spielt ihre Talente in allen Facetten aus. Die 24-jährige Tätowiererin wird erst dann richtig ruhig, wenn die Nadel angesetzt wird.
Autor: Günter Baumgartnerveröffentlicht am
Hi Christina, wie geht’s? Du, gleich vorweg eine Frage: Was ist das für ein Gefühl, die ersten Nadelstiche bei einem Tattoo zu setzen?
Christina Hotzy: Hey. Es geht mir gut. Ganz ehrlich: Das Gefühl ist schon ziemlich genial. Vor allem, wenn man weiß, dass die Leute extra zu mir kommen, weil ihnen mein Stil gefällt und sie mir vertrauen. Und mir erlauben, mich auf ihrer Haut zu verewigen.
Tätowiererin Christina Hotzy
Tätowiererin Christina Hotzy
Gehen wir mal ganz an den Anfang: Wie hast du dein Talent und deine Passion für Tattoos entdeckt?
Christina Hotzy: Das Tätowieren begleitet mich schon richtig lang. Als ich 15 war, habe ich mich zum ersten Mal richtig intensiv mit Tattoos und dem Handwerk des Tätowierens auseinandergesetzt. Körperbemalung an sich hat mich schon als Kind fasziniert, ich habe schon mit Körperfarben herumgezeichnet und meine Mama gebeten, mir Muster auf die Haut zu malen. Zu meinem 17. Geburtstag habe ich von ihr dann mein erstes Tattoo geschenkt bekommen und durfte mich stechen lassen. Da war der Bann gebrochen und ich wusste: Ich will das auch machen. Auch, weil ich mein Talent fürs Malen und Skizzieren als Tattoo-Artist richtig ausleben kann.
"Für ein schönes Tattoo braucht man extrem viel Feingefühl, um den Unterschied der Körperstellen und der Hautgegebenheiten zu erkennen."
Christina Hotzy, Tätowiererin
Warum bist du dir sicher, dass genau DAS dein Talent ist?
Christina Hotzy: Weil ich richtig hart für meinen Traum gekämpft habe – um so weit zu kommen, um gemeinsam mit zwei Kollegen ein eigenes Studio in Wien zu haben. Und weißt du: Ich bin eigentlich schon eine grundsätzlich nervöse Person, wenn es um Prüfungssituationen und Präsentationen in der Schule gegangen ist. Aber beim Tätowieren, wo ich für das Gelingen des Tattoos allein verantwortlich bin, bin ich komplett ruhig. Ich fühl mich so extrem sicher und weiß, ich mache genau das, was ich am besten kann. Sogar bei meinem allerersten Tattoo, das ich jemals gemacht habe – ich war total entspannt, weil ich für mich wusste, dass das mein Metier ist. Und das ist ein richtig gutes Gefühl, wenn man weiß, dass man gerade zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Tätowieren ist mein Talent – und ich liebe es!
Work in progress.
Work in progress.
Welche Talente sollte man als Tätowiererin idealerweise vereinen? Künstlerisches Verständnis allein wird nicht reichen.
Christina Hotzy: Tätowieren ist so vielschichtig. Im wahrsten Sinne des Wortes. Für ein schönes Tattoo braucht man extrem viel Feingefühl, um den Unterschied der Körperstellen und der Hautgegebenheiten zu erkennen. Sehr wichtig ist auch, dass man gut mit Menschen umgehen kann, sie gut berät und Einfühlungsvermögen hat, denn die meisten Kunden, außer sie sind ‚Stammgäste‘, sind sehr nervös, bevor das Tattoo gestochen wird. Für mich gehört auch dazu, dass man seine Tattoos und Vorlagen selbst entwerfen kann. Ich male schon seitdem ich denken kann, so kann ich mein Talent fürs Zeichnen mit Tätowieren verknüpfen. Und eine ruhige Hand sollte natürlich zum Grundrepertoire eines guten Tätowierers gehören.
Wo findest du immer wieder Inspirationen für neue Motive?
Christina Hotzy: In der Natur – in der realen Welt! Ich bin ziemlich viel draußen und hole mir dort meine Inspirationen für meine oft floralen Motive. Blumen, Blätter ... wenn ich mit meinem Hund durch den Wald gehe und Blätter sehe mit einer einzigartigen Maserungen, dann packe ich ein paar Blätter ein oder fotografieren sie und entwickle dann im Studio daraus Motive für meine Tattoos. Das ist mein Ding.
Dein Ding ... was ist deine ganz persönliche Tattoo-Handschrift?
Christina Hotzy: Auf jeden Fall meine Fineline-Tätowierungen. Dünne Linien, feine Motive, gerade Linien – und das ausschließlich in Schwarz. Auch kleine Tierportraits liebe ich sehr. Ich habe mich auf die feinen Tattoos spezialisiert, wo es extrem um Feingefühl, ein ruhiges Händchen und dem Gespür für die Haut und die notwendige Stich-Tiefe geht.
Die Meisterin ihres Faches.
Die Meisterin ihres Faches.
Was würdest du jemandem raten, der sich noch nicht ganz sicher ist, was sein Talent ist?
Christina Hotzy: Darum kämpfen es herauszufinden, aber sich auch selbst die Zeit geben, verschiedene Dinge auszuprobieren, bis du merkst, dass du ‚angekommen‘ bist und genau das machst, wo du dein Talent ausleben kannst. Vergiss niemals dein Talent und verliere nie dein Ziel aus den Augen. Ich habe mir als Jugendliche auch gedacht: Irgendwie muss das klappen mit dem Tätowieren. Es war eine Herausforderung, ich habe Zeit und Geld investiert, habe guten Tätowierern über die Schultern geschaut und versucht, so viel und so schnell wie möglich zu lernen. Und das kann ich euch mit auf den Talent-Weg geben: Wenn man es wirklich will, dann schafft man es auch!
Christina, danke dir für das sehr persönliche Interview! Wir sind schon gespannt auf deine nächsten Motive, die du stechen darfst. Und ihr da draußen, vergesst nie: #talentcomesnaturally