Als The Vaccines 2012 ihr chartstürmendes Album Come Of Age nannten, waren sie ein bisschen voreilig. Sowohl jenes Album als auch ihre Debüt-Platte – mit dem frechen Titel What Did You Expect From The Vaccines? – sprudelten vor teenagerhaftem, tagträumerischem Indie-Rock, der zu den Vergleichen mit den Ramones und der Bezeichnung als Power-Pop passte. Ihr neuestes (und drittes) Album passt eigentlich besser zur Geschichte über das Erwachsenwerden.
Mit English Graffiti – das zusammen mit Psych-Pop-Zauberer Dave Fridmann und dem aktuellen Produzenten von Beck’s, Cole M Greif-Neill, aufgenommen wurde – kommen die Jungs aus London mit Selbstsicherheit und Schwung statt jugendlichem Theater daher, und auch mit hartverdienter Melancholie. Mit den Hymnen Dream Lover und Give Me A Sign und den nachdenklichen Songs Denial und Want U So Bad ruht sich die Band nicht auf ihren Lorbeeren aus.
Wir haben uns noch vor der Veröffentlichung von English Graffiti am 25. Mai mit Hauptmann Justin Young getroffen. Er hat uns auch einen exklusiven Mix von der Musik gemacht, von der The Vaccines während der Aufnahmen schon nicht genug kriegen konnte.
Als Band, deren Musik vor jugendlicher Begeisterung geradezu sprudelt, hasst ihr da nicht die Vorstellung vom Erwachsensein?
Das ist eine ziemlich krasse Sache. Jede Band und jeder Künstler kann wachsen und reifen, wenn sie oder er will – aus der künstlerischen Perspektive, meine ich. Aber niemand kann die frechste, jugendlichste, gefährlichste oder spannendste Band bleiben. Du musst dich entwickeln und würdevoll wachsen. Jemand wie Nick Lowe ist ein gutes Beispiel für mich. Er singt immer noch das, was ihm auf der Seele liegt, weil er versteht, dass seine Seele keine 21 ist. Aber seine Musik ist immer noch genauso schön und kompliziert. Wenn ich immer noch Rock aus drei Akkorden spiele, wenn ich 50 bin, werde ich mir Sorgen machen.
Habt ihr euch bewusst bemüht, von dem cartoonhaften Indie-Rock der früheren Alben wegzubewegen?
Zum ersten Mal konnten wir die Zeit und Reflexion nutzen und wir hatten die Möglichkeit, Fehler zu machen und herauszufinden, was uns die Band bedeutet und was sie anderen bedeuten soll. Wir waren versucht, etwas Esoterischeres zu erschaffen, um allen zu beweisen, dass wir Tiefe und Kultur haben, aber auf dem Weg wurde uns klar, dass wir einfach eine tolle Pop-Band sind und es uns egal ist, was andere denken. In dieser Mentalität steckt eine Klarheit, zu der es nicht passt, wenn man etwas nur um der Sache wegen macht.
Eure Cover-Versionen, euer Mix, eure eigenen Songs – ihr liebt immer noch die Musik, mit der man Leute umwerben kann, oder?
Ja. Musik zu schreiben hat eine befreiende Wirkung, aber es ist auch eine Stimme – eine Stimme, die ich mich oft in Gesprächen nicht zu verwenden traue, wie dir viele Leute sagen können. Ich bin ziemlich schüchtern und in der Musik kann ich all das sagen, was ich gerne gesagt hätte, als ich den Mund gehalten habe.
Du hast gesagt, dass das Album so typisch für die jetzige Zeit sein soll, dass sie sich in zehn Jahren schrecklich anhört. Welches Album ist deiner Meinung nach auch so?
Nevermind ist eines meiner absoluten Lieblingsalben, aber es hört sich schrecklich an. Aber wenn du mich fragst, ist es genau das, was seine Bedeutung ausmacht – man weiß sofort, dass es aus dieser Zeit stammt. Aber was ich meinte, außer dass ich mir auf die Zunge gebissen habe, ist, dass man oft versuchen muss, eher nach einer bestimmten Zeit zu klingen, als zeitlose Musik zu machen. Jede Platte aus dieser Zeit hört sich für mich fürchterlich an. Heute Morgen hörte ich Smashing Pumpkins im Radio. Eine tolle Band, aber dieser Klang…
Was ist English Graffiti?
Wir leben in einer Welt, in der an jeder Wand in jeder Stadt englisches Graffiti ist, egal ob dort Englisch gesprochen wird oder nicht. In jeder Bar gibt es das gleiche Bier und überall sind Leute mit den gleichen T-Shirts und Schuhen, die sich die gleichen Lieder anhören. Aber es ist auch eine Welt, in der es eine konstruierte und unerreichbare Realität gibt, die es schwieriger als je zuvor macht, Liebe, Freundschaft und eine Verbindung zu finden, was ironisch ist.
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