Elle Fanning, vom Kinderstar zur gefeierten Schauspielerin.
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Film

Elle Fanning: Vom Kinderstar zur starken Charakterdarstellerin

Elle Fanning hat sich vom Kinderstar zur Schauspielgröße entwickelt. Ihr Rezept: Sie umgibt sich mit den richtigen Menschen, folgt ihren Leidenschaften – und nimmt täglich ein Bad.
Autor: Rüdiger Sturm
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Steckbrief Elle Fanning

Geboren

1998 in Conyers, Georgia

Spielte

als Kind mehrfach die jüngere Version ihrer Schwester Dakota.

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Elle Fannings Jahre als Teenager waren nicht die einfachsten: „Ich bin schnell ­gewachsen. Deshalb hatte ich niedrigen Blutdruck und fiel dauernd in Ohnmacht. Ich dachte mir: Wenn man sich eines ­Tages an mich erinnert, dann wird man nur daran denken“, meint die 28-Jährige mit einem Lachen.
Man kann die Sache natürlich auch anders sehen und sich an Elle Fanning wegen ihrer Rolle als Katharina die Große in der Historienserie „The Great“ oder als Schauspielerin Rachel im (in diesem Jahr mit einem Oscar ausgezeichneten) Film „Sentimental Value“ erinnern. Oder aber für ihren Part in der neuen Apple-TV-­Serie „Only Margo“, in der sie sich als Schwangere mit skurrilen Jobs durchschlägt. Vielleicht wird man sich aber auch deshalb an sie erinnern, weil Fanning sowohl als Mensch wie auch als ­Charakterdarstellerin einen weiten Weg gegangen ist.

Eintauchen in die Fantasie

Dabei waren die Umstände alles andere als einfach. Denn die in Georgia geborene Fanning wurde im Scheinwerferlicht der Kameras groß. Schon als Dreijährige war sie neben Sean Penn im Drama „Ich bin Sam“ zu sehen. Es folgte eine ganze Reihe großer Filme, von „Babel“ bis „Der seltsame Fall des Benjamin Button“, bis sie – zwölfjährig – 2010 mit Sofia Coppolas „Somewhere“ endgültig ihren Durchbruch feierte.
Diese frühe Karriere hatte viel mit ­ihrer vier Jahre älteren Schwester Dakota zu tun, die als Kinderdarstellerin in Filmen wie „Mann unter Feuer“ für Furore sorgte. „Ich dachte mir: Das möchte ich auch ausprobieren. Und wenn du dann in einer Welt bist, wo du dich verkleiden und spielen kannst, merkst du, dass es nichts Schöneres gibt. Du lebst in deiner Fantasie und kannst etwas erschaffen.“
Doch während andere Kinderstars bald wieder in der Versenkung verschwinden, konnte sich Elle Fanning ­ihren Traum erfüllen. Ein entscheidender Faktor dabei: ihre Mutter Hannah Joy ­Arrington: „Sie hat die Träume von meiner Schwester und mir gefördert, indem sie ihre eigenen zurückgestellt hat.“ Aber sie machte den Töchtern keine falschen Illusionen: „Sie hat mir erklärt, dass das Leben voller Enttäuschungen ist. Aber die Frage ist: Wie gehst du damit um? Lässt du’s zu, dass dich das kaputt macht, oder kommst du wieder auf die Beine?“ – Und wie kommt man auf die Beine?
Quotation
Enttäuschungen gehören zum Leben. Am besten einfach weiter­machen, egal wie.
Elle Fanning
Fannings Antwort: „Du musst deiner Leidenschaft folgen und einfach weitermachen, egal wie.“ Genau das war auch ein wichtiger Faktor in ihrem Entwicklungsprozess. Aber es gab noch eine weitere wichtige Erkenntnis. Die vermittelte ihr Nicole Kidman, mit der sie vor zehn Jahren für „Die Verführten“ zum ersten Mal vor der Kamera stand und die auch in „Only Margo“ ihre Partnerin war: „Sie meinte zu mir: ‚Du musst dir deine Crowd suchen.‘“ Das heißt: „Du musst dich mit Menschen umgeben, die dich ehrlich ­unterstützen. Speziell in dieser Branche gibt es Leute, die dich aus den falschen Gründen lieben oder aus den falschen Gründen mit dir zusammen sein wollen. Schütze dich und lerne dich selbst kennen, dann findest du die richtigen.“
Das hat in Elles Leben für Stabilität ­gesorgt: „Ich entwickle mich ständig ­weiter, denn ich habe einen festen Kern von Menschen, der mich umgibt – das sind meine Familie, das sind Freunde, die ich seit Ewigkeiten kenne, und natürlich auch meine Schwester, die für mich ein Vorbild ist. Sie haben mir geholfen, meine Stärke in mir selbst zu finden. ­Dieses Gefühl bekomme ich auch, wenn ich mit anderen Kreativen zusammen bin. Das feuert die Leidenschaft an. Und wenn du dann mal Phasen von Schwächen und Zweifel hast, kommst du leichter darüber hinweg, wenn du ­deiner Passion treu bleibst.“

Adieu der perfekten Welt

Mit ihrer Haltung lässt sich Elle Fanning nicht von oberflächlichen Vorstellungen beirren: „Heutzutage haben die Menschen so viele Vorurteile, was besonders durch die sozialen Medien verschärft wird. Denn die drängen dir die ganzen Vergleiche mit anderen Leuten auf. Du schaust dir diese Bilder an, auf denen ­jeder perfekt rüberkommen will. Aber wir leben nicht in einer perfekten Welt. Keiner kann perfekt sein.“ Elle Fanning bleibt sich lieber selbst treu: „Ich will nicht in eine Schublade gepackt werden, sondern als Schauspielerin alles aus­probieren.“ Mit ihrer Leidenschaft kann sie, wie sie zugibt, schon mal frustriert sein. Aber sie behält trotzdem die Kon­trolle: „Ich habe keine Wutausbrüche, schon gar nicht bei der Arbeit.“
Um ihre Batterien aufzuladen, nimmt sie am liebsten ein Bad – und zwar jeden Abend: „Ich mache das, seit ich klein bin. Das beruhigt mich enorm, und gleich­zeitig ist das ein Freiraum, wo ich nachdenken kann.“ Und wenn Fanning an die Zukunft denkt, wie wird und will sie sich weiterentwickeln? „Ich möchte nicht von dem abweichen, woran ich glaube. Ich will meinen persönlichen Blickwinkel auf die Welt haben. Und für den möchte ich mich nicht entschuldigen müssen.“