01
Nico Williams
Der Lokalpatriot: Wieso der Spanier am liebsten auch heute noch mit den Kumpels aus seinem Viertel kickt.
Nico Williams: Vom Straßenkicker in Pamplona zum begehrten Fußballstar.
© Gianfranco Tripondo/Red Bull Content Pool
Von 2008 bis 2012 dominierte Spanien mit zwei EM- und einem WM-Titel die Fußballwelt, und das dank brillanter Akademiespieler und ihres Kurzpassspiels Tiqui-Taca. Es folgten zehn Jahre der Ernüchterung, ehe eine neue Generation der einstigen Erfolgsformel ein Upgrade verpasste.
Kollektiver Ballbesitz-Fußball wurde mit individuellen Dribblings und Sturmläufen ergänzt. Das Ergebnis: Spektakel, Tore und der Triumph bei der EURO 2024. Dieses „neue Spanien“ wird von zwei Spielern ganz besonders geprägt: Lamine Yamal, 18, und Nico Williams, 23. „Wir sind Kinder der Straße, Kinder unserer Viertel“, sagt Williams, „wir bringen den Straßenfußball in die Nationalmannschaft.“
Nico Williams wuchs als Kind ghanaischer Einwanderer in Pamplona auf, ehe er seinem Bruder Iñaki in die Fußballakademie von Athletic Bilbao folgte. Sein Heimatviertel Buztintxuri hat der Flügelspieler gedanklich aber nie verlassen: „Jedes Mal, wenn ich auf den Platz gehe, habe ich mein Viertel im Kopf. Ich bin immer noch der Junge, der auf dem Platz hinter der Kirche gekickt hat.“
Dort sei er „durch ständige Tritte abgehärtet“ worden und habe seinen Stil entwickelt. Noch heute zieht es Nico oft nach Buztintxuri zurück, wo ihn neben seinen alten Freunden auch viele Migrantenkinder an die eigene Jugend erinnern. Die Postleitzahl des Viertels trägt er als Tattoo am Oberarm. „Ich weiß, dass viele Kinder in mir ein Vorbild sehen. Ich spiele auch für sie.“
02
Richard Ríos
Der Anpassungsfähige: Wie Futsal für den Kolumbianer vom Ausweg zum Karrieresprung wurde.
Die Gen Z trägt seine Frisur, er das Teamtrikot Kolumbiens: Richard Ríos.
© André Alves/Red Bull Content Pool
Zu klein, zu fragil, zu schwach: So urteilten Trainer über den jungen Richard Ríos. Heute hat er mit 1,85 Meter nicht nur Gardemaße erreicht, sondern auch Weltniveau. Dabei ging Ríos bis 2018 noch in einer anderen Disziplin ans Werk.
Nachdem ihm der klassische Weg Richtung Profifußballer verstellt wurde, landete Ríos beim Futsal, der in Südamerika populären Hallenfußballvariante. Auf dem wortwörtlich harten Boden der Realität („Von professionell waren wir weit entfernt“) angekommen, lernte er sich durchzusetzen: gegen körperlich überlegene Gegner, kritische Stimmen und die Beengtheit des Sports – ein Futsal-Feld misst weniger als ein Drittel eines regulären Rasenplatzes.
Das Ergebnis: ein Fußballer mit purer Willenskraft. „Ich bin ein Kämpfer, gebe keinen Ball verloren und muss gewinnen, egal worum es geht“, beschreibt sich Ríos selbst. Die geschärften Fähigkeiten blieben nicht lange unbemerkt. Als Teil der nationalen Futsal-Auswahl nahm Ríos 2018 an der südamerikanischen U20-Meisterschaft teil und bekam danach ein Angebot – von Topklub Flamengo, für die Fußball-Division, wohlgemerkt.
Was den Scouts aufgefallen ist, sind jene Attribute, von denen Ríos noch heute zehrt und die er seinem Karriere-Umweg verdankt: „Wenn es kaum Platz gibt und kaum Zeit, Entscheidungen zu treffen, kommt der Futsal-Spieler in mir heraus“, erklärt Ríos. „Kurze Pässe, Dribblings, auf den Ball steigen.“ Aber führt die langjährige Absenz auf großen Feldern nicht zu Schwächen? „Ich musste einiges lernen: weite Pässe, diagonale Räume, Abseits. Aber ich bringe das auf den Platz, was ich beim Futsal gelernt habe. Und das ist auch der Wille, mich täglich weiter zu verbessern.“
03
Neymar Jr.
Der Medienzar: Warum Brasiliens Superstar die Kritik an ihm als Treibstoff nutzt.
Neymar Jr. checkt im Teambus sein Handy, davor warten Tausende Fans.
© Diego Sanches/Red Bull Content Pool
Über zwanzig Jahre steht Neymar Jr. schon im Fokus der Fußballwelt: Teenager-Sensation bei Santos, Champions-League-Sieger beim FC Barcelona, teuerster Transfer aller Zeiten bei Paris Saint-Germain, Rekordtorschütze für Brasilien.
Es gibt nur wenige Fußballer, über die in den vergangenen Jahren so viel gesprochen wurde wie über Neymar Jr. Für viele ist er einer der Größten dieser Zeit, für andere ein Showman, dem am Platz die Effizienz fehlt. Eine Party-Diva ohne Arbeitsethos. Ein Söldner, der mit dem Fußball längst abgeschlossen hat. Wer Neymar Jr. wirklich ist, beantwortet er nun selbst. In der Reality-Serie „Neymar Jr. Full Access“ übernimmt er das Sprechen, gibt tiefe Einblicke in sein Leben und zeigt, dass sein Weg noch lange nicht zu Ende ist.
„Wer Profifußballer wird, hat einen hohen Preis zu zahlen“, sagt er da etwa während der Physiotherapie in die Kamera. Und damit sind nicht die 46 Verletzungen gemeint, die zu einem großen Teil auf gegnerische Attacken zurückzuführen sind. So wurde er allein zwischen 2016 und 2022 ganze 1040-mal gefoult – über 200-mal öfter als der Zweitplatzierte in diesem Ranking, Lionel Messi. Neymar Jr. meint damit Hater, kritische Medien und den ständigen Druck der Öffentlichkeit. „Die Leute hauen nach jedem Fehler sofort auf dich drauf. Sie verstehen nicht, dass ich auch nur ein Mensch bin.“
Neymars Worte sollte man nicht als Jammern verstehen, sondern als nüchterne Analyse: Schließlich nutzt der Offensivspieler alles, was über ihn gesagt wird – ob gut oder schlecht –, „als Treibstoff“. Und auch nach 25 offiziellen Titeln und unzähligen Auszeichnungen will Neymar Jr. eigentlich nur eines: Fußball spielen. Für seinen Herzensklub Santos und die Seleçao. „Ich weiß um meine Qualitäten“, sagt er, „und kann dem Team helfen.“ Dafür ist er zurück nach Brasilien gewechselt, dafür pendelt er täglich stundenlang zwischen Kraftkammer, Massagebank und Fußballplatz. Spielt er einmal nicht, dominiert er dennoch die Schlagzeilen. „Vor Brasiliens Kadernominierung im März fiel mein Name etwa eine Trillion Mal“, sagt Neymar Jr. und lacht. Kein Problem für ihn: Er ist die Aufmerksamkeit gewohnt.
Die Neymar Jr. YouTube-Serie läuft auf Red Bull TV und auch auf Neymar Jr.s YouTube-Kanal:
04
Alphonso Davies
Der Strahlemann: Warum den Kanadier in guten wie in schlechten Zeiten ein breites Lächeln begleitet.
Bayern-Star Alphonso Davies ist nach seinem Kreuzbandriss 2025 wieder fit.
© Charlie Lindsay/Red Bull Content Pool
Vom Flüchtlingscamp in Afrika zum Hoffnungsträger. Vom Krankenbett zurück auf die Champions-League-Bühne. Alphonso Davies hat mit 25 Jahren schon viel durchgemacht. Eines ist ihm aber stets geblieben: sein Lächeln.
„Er hatte eine Energie, die durch die Decke ging, und dabei immer dieses Lächeln auf dem Gesicht“, erzählt Craig Dalrymple, Akademieleiter der Vancouver Whitecaps, über den jungen Davies. Mit 14 Jahren sticht dieser deutlich hervor: schnell, körperlich stark und erstaunlich reif. „Ich musste auf meine zwei kleinen Geschwister aufpassen, da meine Eltern jeweils zwei Jobs hatten“, sagt Davies und ergänzt: „Ich war immer der in der Familie, der alle aufgemuntert hat.“
So schnell Davies auf dem Feld ist (sein Sprintrekord liegt bei 36,51 km/h), so schnell nahm auch seine Karriere Fahrt auf: Profivertrag in Vancouver mit 15, Durchbruch in der amerikanischen Liga, Wechsel zum FC Bayern mit nur 17 Jahren und dann, 2020, nur zwei Jahre später, der Champions-League-Sieg – als Stammspieler und erster Kanadier überhaupt. „Diese Trophäe mit 19 in die Luft zu stemmen, war irre“, sagt Davies. „Ich habe vor lauter Freude zwei Tage lang nicht geschlafen.“
Mit dem für viele weltweit besten Linksverteidiger in den eigenen Reihen stiegen auch die Erwartungen an das kanadische Team. 2022 konnte man sich erstmals seit 36 Jahren wieder für eine WM-Endrunde qualifizieren und dort erstmals ein Tor erzielen. Der Schütze: Alphonso Davies. Vier Jahre später wartet mit der Heim-WM eine noch größere Herausforderung, auch für Davies. Ein Kreuzbandriss im März 2025 führte dazu, dass „all meine Energie wie weggeflogen war. Aber dann habe ich gesagt: Ich kann entweder hier sitzen und trauern – oder ein Lächeln aufsetzen und mich durchkämpfen.“ 13 Monate später stand Davies im Champions-League-Halbfinale in der Startelf.
05
Memphis Depay
Der Pilger: Wie der holländische Top-Torjäger von brasilianischen Vibes inspiriert wird.
Wurzeln in Ghana, Pass aus Holland und brasilianische Vibes: Memphis Depay.
© Rutger Pauw/Red Bull Content Pool
Als der vereinslose 30-jährige Memphis Depay 2024 nach Brasilien wechselte, sahen viele nur einen weiteren Fußballer, der seine Karriere ausklingen lässt. Zwei Jahre und drei Titel später wirkt der Stürmer wie neugeboren. Mal wieder.
Um Memphis Depays Karriere zu beschreiben, greift man am besten auf das Bild einer Achterbahnfahrt zurück: Nach dem Durchbruch bei PSV Eindhoven kam „der Albtraum“ (© Memphis) Manchester United, dem Wiedererstarken bei Olympique Lyonnais folgten eineinhalb durchwachsene Jahre beim FC Barcelona. Und nach einer verletzungsgeplagten Saison bei Atlético Madrid stürmte Memphis mit Oranje bei der EURO 2024 bis ins Halbfinale.
Von diesem Erfolg gestärkt – die Nationalmannschaft ist für ihn „wie ein warmes Bad“ –, nahm Memphis ein Angebot von Corinthians aus São Paulo an und schockte damit Fans und Experten. „Ich wollte zu den Wurzeln des echten Fußballs. Kinder, auch in Europa, bewundern die Brasilianer dafür, wie sie spielen“, sagte Memphis bei seiner Präsentation. „Es ist das Mekka des Fußballs.“
Memphis und Mekka, das passt. Der Angreifer tritt selbstbewusst auf, trifft, assistiert und spielt dabei laut Beobachtern „brasilianischer als die Brasilianer“. Auch abseits des Platzes lässt sich Memphis auf die neue Kultur ein: Essen, Lifestyle – und natürlich die Musik. Die Favelas besuchte er nicht nur, der Musikbesessene widmete ihnen sogar einen Rap-Song. Denn trotz der sportlichen Erfolge – Cup, Supercup und São-Paulo-Meisterschaft – war für Memphis von Beginn an klar: „Der Grund, warum ich hier bin, ist größer als Fußball.“
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