Mein Ball! – Jakob Pöltl ist der erste NBA-Star aus Österreich.
© Philipp Horak
Basketball

NBA-Star Jakob Pöltl: Der weise Riese

Slam Dunks mit Bodenhaftung: NBA-Star Jakob Pöltl ist mit 2,13 m einer der größten Sportler Österreichs, mit 9,39 Mio Dollar Jahresgage einer der bestbezahlten – und trotzdem einer der normalsten.
Autor: Werner Jessner; Mitarbeit: Julian Vater
14 min readPublished on
TRADE – UPDATE

So schnell geht es in der NBA manchmal. Beim Foto-Shooting noch im grau-schwarzen Spurs-Leiberl, spielt Jakob Pöltl seit Anfang Februar wieder bei den Toronto Raptors. Dem Team, das ihn 2016 im NBA-Draft an neunter Stelle ausgewählt hat. Nach fünf Spielzeiten in San Antonio geht es für Jakob jetzt also wieder zurück an die alte Wirkungsstätte.

Es gibt weitaus glamourösere Orte für ein Interview. Wien Floridsdorf, eine Betonfläche mit Basketballkörben und Fußballtoren unter einer Autobahnbrücke. Der Verkehr tost, ein paar Kids schlagen den Nachmittag mit Bällen tot. Was wir hier machen? Fotos. „Von wem?“ will Ahmed, zehn Jahre wissen. Von Jakob, dem Langen da drüben. „Wo spielt der?“ Bei den Spurs, wie auf seinem T-Shirt steht. „Spielen die Spurs in Niederösterreich?“ Knapp daneben, lieber Ahmed, die spielen in Texas, Amerika. NBA, höchste Profi-Liga der Welt.
Jakob Pöltl ist dort ein Star, einer der besten Spieler der Liga auf der Center-Position. Die NBA-Saison 2022-23 startet im Oktober – sie könnte eine richtungsweisende für den Wiener sein. Die Weltsportart Basketball hat noch einen weiten Weg vor sich, zumindest in Österreich, scheint es.
Spontane Autogramm-Session: Jedes der Kids bekam seine Unterschrift.

Spontane Autogramm-Session: Jedes der Kids bekam seine Unterschrift.

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THE RED BULLETIN: Wenn man in Amerika Jakob Pöltl heißt und als erster Österreicher überhaupt in der NBA spielt: Wie nennen einen die Kollegen in der Kabine?
JAKOB PÖLTL: Ach, der Zwielaut! Und gleich danach die für die amerikanische Zunge ungewohnte Konsonantenkombination aus L, T und L. Das sind gleich zwei Hürden hintereinander. Der häufigste Spitzname ist „Jak“, manchmal in Kombination mit Big: „Big Jak.“ Früher hieß ich bei den Fans auch „Austrian Hammer“, aber das hat sich nicht so richtig durchgesetzt.
Warum spielst du mit der Nummer 25?
Ich habe sie mir zwar ausgesucht, aber da steckt keine größere Geschichte dahinter. Von meinem Verein bekam ich eine Liste freier Rückennummern, die habe ich mit meinen Freunden im Gruppenchat diskutiert. Inzwischen gefällt sie mir so gut, dass ich mir vorstellen könnte, bei einem Team-Wechsel dabei zu bleiben. Die Nummer 42 im College in Utah wurde mir damals noch zugeteilt.
Der Hintergrund dieser Frage: Viele Sportler machen ihre Initialen in Kombination mit ihrer Rücken- oder Startnummer zur Marke, quer durch alle möglichen Sportarten. Warum verzichtest du darauf?
Mir ist das Eigen-Branding nicht so wichtig. Klar könnte man aus JP25 etwas machen und eine Fan-Linie kreieren, aber ich bin nicht darauf aus, das Maximum rauszuholen. Mein Fokus liegt am Basketball und Freizeit soll Freizeit bleiben. Das Finanzielle ist mir nicht so wichtig.
Wiener im Herzen: Pöltl beim Shooting unter einer Brücke in Floridsdorf

Wiener im Herzen: Pöltl beim Shooting unter einer Brücke in Floridsdorf

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Mit 8 Millionen Dollar pro Jahr bist du in deinem Job, mit deiner Qualifikation, im Vergleich zu vergleichbaren Berufskollegen, sogar unterbezahlt. Dein Marktwert ist doppelt so hoch wie das tatsächliche Salär. Wie kommt's?
Das kommt daher, dass ich in den letzten Jahren seit Vertragsunterzeichnung sportlich einen großen Schritt nach vorne gemacht habe. Bei den nächsten Vertragsverhandlungen nach dieser Situation sollte ich da in einer besseren Position sein. Aber auch dabei wird nicht das Geld im Vordergrund stehen, sondern das, wo ich mich menschlich und sportlich wohl fühle. Das Gehalt soll halt im Kontext angemessen sein.
Dein aktueller Vertrag läuft bis Saisonende, aber wo du ihn erfüllen wirst, weißt du nicht. Die Teams können dich verschieben wie sie wollen. Gestern Toronto, heute San Antonio, morgen vielleicht noch ein Zwischenstopp bei einem anderen Team, bevor du dir kommenden Sommer zum ersten Mal in deiner Profi-Karriere aussuchen kannst, für wen du aufläufst: Das US-System der Trades ist schon ein wenig wie einst am Sklavenmarkt, oder?
Du weißt vorher, worauf du dich einlässt. Es ist ja auch geil, in der NBA zu spielen und es macht viel Spaß. Wir bekommen eh viel zu viel bezahlt…
Hast du echt gerade gesagt: „viel zu viel“?
Sagen wir: „Sehr viel.“ Aber für das, war wir leisten, verdienen wir wahrscheinlich tatsächlich zu viel Geld. Basketball ist zu einem riesigen Business geworden. Dafür, was rundum mit diesem Sport an Geld gemacht wird – da verdienen wir Spieler vermutlich einen fairen Anteil daran. Es ist ein Milliardenbusiness, und in den letzten Jahren sind aliquot auch die Spielergehälter nach oben geschossen.
2022 spielte Pöltl – quasi in seiner Freizeit – auch für das Nationalteam.

2022 spielte Pöltl – quasi in seiner Freizeit – auch für das Nationalteam.

© Philipp Horak

Schlechtes Gewissen deswegen?
Nein. Mir ist schon klar, dass andere Jobs gesellschaftlich und damit finanziell einen anderen Stellenwert haben sollten. Im Vergleich zu anderen verdienen wir in der NBA sicher übertrieben viel. Dafür nehmen wir Dinge wie fehlende Sicherheit in Kauf: Wir können beispielsweise jederzeit zu einem anderen Team verschoben werden. Es ist auch nicht gesagt, dass du über den aktuellen Vertrag hinaus einen Job haben wirst. Du musst deine Leistung bringen, sonst fliegst du ganz rasch vom Karussell. Damit musst du als Profi umgehen lernen.
Wenn dieses Interview erscheint…
…könnte ich vielleicht schon für ein anderes Team spielen und meine Wohnung in San Antonio nie mehr sehen, genau. Ich habe von den Spurs immer gehört, dass sie weiter mit mir planen möchten, aber wenn das richtige Angebot auf dem Tisch liegt, ist gut möglich, dass ich gegen einen oder mehrere andere Spieler zu einem anderen Team getradet werde. Das ist mir bewusst. Ich rechne nicht damit, aber ich stelle mich darauf ein.
Nach Ablauf des aktuellen Vertrags zu Saisonende darfst du erstmals selbständig mit allen Teams der Liga verhandeln. Im Dreieck von Laufzeit, Gehalt und Chance auf Titel: Wie setzt du die Prioritäten?
Priorität eins hat die sportliche Perspektive in Kombination mit Lebensqualität. Die kann in US-Städten doch sehr unterschiedlich sein. Dann die Laufzeit: Wenn ich das Gefühl habe, dass ich mich bei einem bestimmten Verein wohlfühlen könnte, möchte ich gern ein paar Jahre im Voraus planen. Auf Platz 3 kommt dann die schiere Vertragssumme.
Wie machst du dir ein Bild über andere Clubs?
Ich rede mit anderen Spielern, und meine Agentur führt Gespräche mit den Verantwortlichen.
Goldene Hände: Pöltls Statistiken lügen nicht. Er spielt auf Top-Niveau.

Goldene Hände: Pöltls Statistiken lügen nicht. Er spielt auf Top-Niveau.

© Philipp Horak

Wie lebst du in San Antonio?
Ich bin seit vier Jahren in der Stadt, daher habe ich auch schon ein recht gutes soziales Umfeld mit Freunden auch außerhalb des Basketball. Etwas, das mir viel wert ist und ich nicht aufgeben will. Wenn ich mich wo wohl fühle, möchte ich dort auch bleiben.
Nach acht Jahren in Übersee: Wie amerikanisch bist du mittlerweile? Also: Sind dir europäische Essensportionen beispielsweise zu klein?
Die waren mir immer schon zu klein (lacht). Ich beobachte, wie ich Verhaltensweisen übernehme und mich in gewissen Dingen an mein Umfeld anpasse: Welches Gewand ich anziehe und so. Ich versuche, die positiven Seiten von Amerika und Europa zu kombinieren.
Was konkret?
Mein Lieblingsbeispiel für die USA ist die unglaubliche Sportbegeisterung der Leute. Das ist mit nichts zu vergleichen, was ich in Österreich je gesehen habe. Wie alle hinter ihren Teams stehen, sieht man an den Siegesparaden, wenn jemand eine Meisterschaft gewinnt: Da ist die gesamte Stadt auf den Beinen. Das würde hier nie vorkommen. Bei uns gewinnst die Bundesliga, es gibt eine kleine Feier, aber sonst interessiert das niemanden. In den USA steht nicht nur die Stadt sondern gleich der gesamte Staat hinter den Teams. Für uns Sportler ist das emotional ein riesiger Unterschied.
Jakob Pöltls Saison 20/21 in Zahlen

Punkte pro Spiel:

13.5

Rebounds pro Spiel:

9.3

1/5
Und das Positive von Europa?
Wien ist schon eine sehr geile Stadt! In meiner Zeit in Amerika habe ich viele coole Plätze gesehen, aber Wien ist noch immer meine Lieblingsstadt. Schön, sauber, grün, viel los. Auch multikulturell, das mag ich sehr. Grün an der Donau, coole Locations in der Innenstadt. Clubs, Chill-Spots wie das Museumsquartier. Etwas Vergleichbares habe ich in den USA noch nicht gefunden.
Bitte spiel den Reiseführer.
Für wen? Mein Touristenprogramm wäre erster Bezirk, Prater, Schloss Schönbrunn. Meinen jüngeren US-Kumpels würde ich Alte Donau, Donauinsel oder Museumsquartier zeigen. Diese gemütlichen Spots, wo man abends auch gemeinsam was trinken kann. In San Antonio habe ich ein wenig gebraucht, um meine Ecken zu finden. Es ist eine relativ alte Stadt. Cool ist der St. Mary’s Strip mit seinen vielen Bars. Dann gibt es „The Pearl“, eine grüne Fußgängerzone mit tollen Restaurants. Ein bisschen teurer, aber sehr nett.
Du sagst, eines deiner Hobbys sei schlafen. Träumst du auf englisch oder deutsch?
Ich träume nicht viel, und wenn, dann ist das oft ganz weirdes Zeug, in dem sich alles vermischt. Ich vermute, dass ich mehr auf englisch träume wenn ich drüben bin und mehr deutsch, wenn ich den Sommer in Österreich verbringe. Oder reden: Selbst wenn ich noch keinen amerikanischen Akzent habe passiert es, dass ich auf Deutsch grammatikalisch einen Blödsinn mache, weil ich auf Englisch denke. Interessanter Weise passiert es hauptsächlich, wenn ich auf hochdeutsch spreche, nicht im Dialekt. Ungut!
Dauerläufer: Pöltl steht mittlerweile 29 Minuten pro Spiel auf dem Feld.

Dauerläufer: Pöltl steht mittlerweile 29 Minuten pro Spiel auf dem Feld.

© Philipp Horak

Warst du ein guter Schüler?
Ja.
Das war zu ahnen.
Darum bin ich in den USA auch aufs College gegangen. Aber dann ging es mit der NBA so schnell, dass ich jetzt mit einem halb begonnenen Business-Studium aus Utah dasitze. Mein Opa war Lehrer. Aber das weiß eigentlich niemand (lacht).
Deine Eltern waren Profi-Volleyballer. Was war an Basketball besser?
Es stand früher zur Verfügung. Ich habe mit sechs, sieben Jahren begonnen, der Verein war ums Eck, ich bin sofort reingekippt. Es war eigentlich nie groß Thema zu wechseln.
Warst du immer schon groß?
Ja. Und ich bin relativ lang gewachsen.
Wie groß bist du?
2,13 Meter, selbst wenn Wikipedia etwas anderes behauptet. 115 Kilo, während Fortdauer der Saison etwas weniger. Schuhgröße 50, also zwei Mal meine Rückennummer.
Die NBA spielt in der Regular Season 82 Spiele, dazu kommen obendrauf die Playoffs. Die Hälfte aller Spiele bestreitet ihr auswärts. Das bedeutet, dass du dich mit deiner Größe im Schnitt ein Mal pro Woche in einen fliegenden Hühnerkäfig aka Flugzeug pferchen musst. Wie übersteht man das?
Die Fliegerei ist tatsächlich eines der anstrengenderen Dinge in der NBA, selbst wenn es uns durch Privatflüge einfacher gemacht wird. Da ist entsprechend mehr Platz zwischen den Sitzen. Aber trotzdem spürt man die Fliegerei im Körper. Gerade nach Spielen ist das nicht die ideale Art der Regeneration, wenn man sich noch am Abend wieder in einen Flugzeug krampfen muss, um in die nächste Stadt zu reisen.
Abseits vom Basketball: Hat deine Größe Vorteile?
Man hat immer den Überblick, zum Beispiel bei Konzerten. Und ich brauche kaum Leitern. Selbst wenn es beim Gewand kaufen oder Reisen manchmal mühsam ist bin ich happy über meine Größe.
Flippen die Mädels in San Antonio aus, wenn sie dich sehen?
Nein, leider nicht (lacht). Ich führe kein Rockstar-Leben.
Welches Leben führst du dann?
Ich habe gern Spaß, aber Basketball ist klar der Fokus. Während der Saison dreht sich alles um den Sport. In der Freizeit versuche ich, sehr bewusst davon weg zu kommen. Das brauche ich, um mental frisch zu bleiben. Ich spiele für mein Leben gern. Videospiele, Kartenspiele, Gesellschaftsspiele. Meine Freunde sind mir wichtig. Mit denen gehe ich im Sommer auch gern auf einen Drink. Viel mehr ist da nicht dahinter.
Weichenstellung: Pöltl kann sich 2023 erstmals seinen Verein aussuchen.

Weichenstellung: Pöltl kann sich 2023 erstmals seinen Verein aussuchen.

© Philipp Horak

Du wirkst richtig zufrieden.
Bin ich auch.
Auch sportlich? San Antonio ist aktuell kein Kandidat für den Titel.
Mit dieser jungen Mannschaft unwahrscheinlich.
Mit ein Grund, warum du dich in der Kabine mehr einbringst als früher?
Früher war ich der Jüngste im Kader, durch den Umbruch bin ich unter der Handvoll Ältester. Da ist es logisch, Leader zu sein. Ich schlüpfe gern in Rollen, in denen ich gebraucht werde. Mir wird nachgesagt, vielseitig zu sein. Ich kann mich hinten anstellen, aber ich stelle mich auch in die erste Reihe und sage, wie wir es angehen werden, wenn es Not tut. Auch abseits des Basketball.
Leading by example?
Ganz genau. Ich bin selten der Laute, mehr der, der andere still zur Seite nimmt und fragt, was er sich dabei gedacht hat. Oder: Überlege, es einmal so zu machen, so wie wir. So wie ich. Versuche, dich ins Gesamte einzugliedern. So auf diese Art.
San Antonios Headcoach Gregg Popovich gilt mit seinen 72 Jahren als absolute Legende im Sport. Inwieweit lässt sich der von euch Spielern überhaupt drein reden?
Dieses Recht muss man sich erarbeiten (kichert). Anfangs habe ich mich zurückgehalten, aber inzwischen suche ich das Gespräch mit ihm, wenn mir etwas auffällt.
Was hast du eigentlich mit deiner ersten Dollar-Million gemacht?
Die ist auf der Bank gelandet. Das einzige, wofür ich schon damals in Toronto mehr Geld ausgegeben habe, ist Wohnen. In den letzten paar Jahren habe ich ein bisschen mehr investiert und mir zum Beispiel in Wien eine Wohnung gekauft. Sonst habe ich wenig mit dem Geld aufgeführt.
Weil es dir nicht wichtig ist?
Ich wüsste nicht, wofür ich es ausgeben sollte. Viele Teamkollegen kaufen Schmuck, Kleidung oder Autos. Darauf habe ich noch nie Wert gelegt. Ich renne lieber in meinen Nike-Klamotten herum. Wobei: Ich kaufe mir jetzt tatsächlich mein erstes Auto.
Lass uns an diesem Prozess teilhaben: Ein NBA-Star kauft nach sechs Jahren in der Liga sein erstes Auto. Bentley? Lamborghini?
Wenn ich Geld ausgebe, plane ich das genau. Da informiere ich mich und schaue den Markt an: Wo kriege ich den besten Deal? Gemeinsam mit Freuden habe ich Händler abgeklappert: Mercedes, Audi, BMW. Nach Beratung und Probefahrt habe ich mich für einen Audi entschieden.
Aha. Welches Modell?
A7.
Eine Limousine also, die im Straßenbild von Texas beinahe als Kleinwagen durchgeht. Warum kein SUV?
Mit meinen langen Beinen habe ich in flachen, langen Autos gefühlt mehr Platz als in hohen, breiten. Ist mir einfach sympathischer.
Du spielst seit sechs Jahren in der NBA und hast offenbar dein Konto kaum angerührt. Nach normalen Maßstäben hast du mit deinen 27 Jahren finanziell ausgesorgt. Wie lange sollte man professionelles Basketball deiner Meinung nach betreiben, bevor man erstmals ans Aufhören denkt?
Interessantes Thema, das mich tatsächlich bereits beschäftigt hat. Die erste Frage ist: Wie gut kann ich spielerisch noch mithalten? Aber noch wichtiger, und ich nehme mir wirklich vor, dieses Thema ernst zu nehmen: Ich möchte auf meinen Körper hören. Er soll mir sagen, wann Schluss ist. Ich möchte nach meiner NBA-Karriere noch Sport treiben können. Es gibt genügend Beispiele von Athleten, die sich mit ihren Leistungen 15, 20 Jahre in der Liga halten konnten – aber danach waren sie körperlich am Ende. Hoffentlich schaffe ich es, rechtzeitig auszusteigen. Und genau das stelle ich mir schwierig vor.
Warum stellst du es dir schwierig vor? Oder andersrum: Was treibt dich an? Was würde dir fehlen? Das Spiel an sich?
Ja, das Spiel. Das Gewinnenwollen. Und der unbedingte Wunsch, alles aus mir herauszuholen. Zu wissen das mehr ginge, aber ich pfeif drauf: Find ich ganz uncool. Wenn ich auf meinem aktuellen Level Basketball spielen kann, fühle ich mich verpflichtet, in der NBA zu spielen – mit allem, was damit einher geht.
Wem gegenüber fühlst du dich verpflichtet?
Mir selbst gegenüber. Nein, es macht eh unendlichen Spaß, bloß von meiner Mentalität her: Selbst wenn es nicht so viel Spaß machen würde, fühlte ich mich verpflichtet, mein Potenzial abzurufen.
Ohne Spaß wärst du wahrscheinlich nicht so gut.
Das kann sehr gut sein. Am Court wie abseits davon habe ich immer genau so viel gemacht, wie Spaß gemacht hat. Das sage ich auch Kids, die in die NBA wollen: Mach es, aber mach es mit Spaß. Von einem Burnout hat keiner was. Ich hatte in meiner Jugend Kollegen, die mehr trainiert haben als ich und es kurzfristig auch auf mein Niveau geschafft haben oder darüber – und dann sind sie abgestürzt, weil sie in einer permanenten Überforderung gelebt haben. Nur wenige sind verrückt genug, um Tag und Nacht Basketball zu leben. Wir, der Großteil, braucht auch etwas abseits davon.

Beschützer des Rings

Pöltl ist für die Amerikaner ähnlich schwer auszusprechen wie Oachkatzlschwoaf. Deshalb auch der Spitzname „Big Jak“. Sportlich gibt es längst keine Schwierigkeiten mehr – Jakob ist hochverdient Stammspieler in der besten Basketball-Liga der Welt. Was ihn am Parkett auszeichnet? Hier sind seine stärksten fünf Eigenschaften:
  1. Agilität: Eine Grundregel im Basketball: Große Spieler schlägt man mit Schnelligkeit. Nicht aber Jakob. Er kann trotz seiner 2,13 Meter mit jedem noch so flinken Angreifer mithalten.
  2. Blocking: Timing ist das A und O im Basketball – vor allem beim Block. Den Korbleger-Versuch des Gegners zu stoppen gehört zu Pöltls Spezialdisziplinen. Im Durchschnitt schaffte er das 1,7 Mal pro Spiel. Ein Top-Wert, nur sechs Spieler waren letztes Jahr besser.
  3. Rebounds: Bei einem Fehlwurf den Ball zu ergattern, kann spielentscheidend sein. Pöltls Größe zahlt sich hier definitiv aus, es braucht aber auch die richtige Technik. Der Österreicher zählt zu den Top-Reboundern der Liga.
  4. Pick & Roll: Jetzt geht es richtig los mit der Fachsimpelei: Beim Pick & Roll versucht ein Mitspieler, dem ballführenden Spieler den Weg frei zu blocken um dann mit ihm gemeinsam zum Korb „abzurollen“. Dann kann einer der beiden abschließen. Gut ausgeführt ist das kaum zu verteidigen. Pöltl erzielt so einen großen Teil seiner Punkte.
  5. Mentalität: Pöltl war noch nie ein lauter Spieler, wird er auch nicht mehr werden. Trotzdem hat er sich letztes Jahr als Führungsspieler im jungen Team der San Antonio Spurs etabliert. Die Spieler sehen Jakob als Anführer und schauen zu ihm auf – im wahrsten Sinne des Wortes.