Cool im Cockpit – Verstappens neues Motto: In der Ruhe liegt die Kraft.
© Getty Images
Red Bull Motorsports

Ooooooooooom!

Er fährt die Formel-1-Saison seines Lebens in einem epischen Duell gegen Lewis Hamilton und erfand sich dafür neu: Max Verstappen, 23, kämpft von nun an mit der Gelassenheit eines Zen-Meisters.
Autor: Gerald Enzinger, Justin Hynes
veröffentlicht am
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Max Verstappen

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Die Kraft liegt in der Ruhe. Klingt verwegen bei einem, der in den Anfängen seiner Formel-1-Karriere fehlende Kraft im Aggregat seines Wagens oft durch Aggressivität im Cockpit ausgleichen musste – und vor allem: konnte. Aber jetzt, mit der Routine von 23 Lebensjahren, sechs davon in der Königsklasse des Rennsports, ist Max Verstappen schneller und wettbewerbsfähiger denn je. Auch bei der für einen Hochleistungssportler schwierigsten Übung: seine eigene Mitte zu finden, den absoluten Ruhepunkt, um mit dieser Gelassenheit Geschwindigkeit zu erreichen.
Und so kann sich der fliegende Holländer, den sie schon als Bub einen „künftigen Weltmeister“ nannten, nun dem ersten echten WM-Kampf seines jungen Lebens widmen. 2021 sind Red Bull Racing und Mercedes erstmals wieder auf Augenhöhe, und dank dieser Waffengleichheit kann sich Max mit dem erfolgreichsten Fahrer in der Geschichte der Formel 1 duellieren: mit Lewis Hamilton, dem siebenfachen Weltmeister, eben zum Sir geadelt.
Bis jetzt gingen wir über unsere Grenzen hinaus, um ein besseres Ergebnis zu erzielen, als uns zustand.
Max Verstappen über seine Taktik in der Vergangenheit
Zwölf Jahre Vorsprung hat der Brite, doch nun bietet sich für Verstappen die historische Chance, ihn noch im direkten Duell zu besiegen. Was für die Legendenbildung von beiden, die des besten Fahrers des vergangenen Jahrzehnts und die des vermutlich besten Piloten der beginnenden Dekade, von entscheidender Bedeutung ist. Und so wird die Formel 1 2021 zu einem epischen Kampf, dem besten und höchstklassigen seit dem Match Alain Prost gegen Ayrton Senna.
Verstappen fährt gerade die Formel-1-Saison seines Lebens.
Verstappen fährt gerade die Formel-1-Saison seines Lebens.

Max – Name und Ansage

Verstappen war noch ein Teenager, da wurde er von Experten wie selbstverständlich in einer Reihe mit den Giganten des Sports genannt. Er war sechzehn, als ihm Helmut Marko eine Formel-1-Chance gab, siebzehn, als er seinen ersten Grand Prix fuhr, und achtzehn, als er zum ersten Mal gewann – gleich in seinem allerersten Rennen für Red Bull Racing.
Sein Name ist eine Ansage: Max. Max wie maximal talentiert, maximal geladen, maximal aggressiv. Einer, der durch die Wand geht, wenn es sein muss. Das ist gut, wenn du als junger Pilot die Welt eroberst. Aber schlecht, wenn du die Welt regieren willst – als Weltmeister. Denn dafür brauchst du Konstanz, Demut, Geduld – und Nervenstärke, wenn alles auf einen Showdown gegen den erfahrenen Lewis Hamilton hinausläuft.
Früher hätte dieses Kopf-an-Kopf-Rennen zu einem Aufflammen der feurigeren Seite von Verstappens Wesen geführt, aber dieses Jahr umgibt Max Verstappen eine Aura der Zen-artigen Ruhe, die er rund um seine Philosophie der „Suche nach Glanzmomenten“ aufgebaut hat. „Wenn man keinen guten Tag hat, muss man akzeptieren, dass man keinen guten Tag hat, und sich mit dem Ergebnis zufriedengeben“, erklärt er.
Max Verstappen an seinem mobilen Arbeitsplatz, hier in Imola.
Max Verstappen an seinem mobilen Arbeitsplatz, hier in Imola.
„Wir haben jetzt ein Auto, das besser in der Lage ist, gegen Mercedes anzukommen. Das ist mehr als nur ein Strohfeuer. In den Jahren davor wussten wir, dass wir nicht wirklich um die Weltmeisterschaft mitfahren können, da stürzt man sich auf jede Gelegenheit, zu siegen. Man gibt alles und geht über seine Grenzen, um ein besseres Ergebnis zu erzielen, als einem eigentlich zusteht. Jetzt achten wir darauf, dass auch an einem nicht ganz perfekten Wochenende genügend Punkte zusammenkommen – das ist ein ganz anderer Ansatz.“
Jetzt nutzen wir auch halb perfekte Wochen enden zum Punktesammeln.
Max Verstappen über den neuen Ansatz in seinem Team
Einer, bei dem ihm Helmut Marko hilft. Der Grazer spart an weniger guten Tagen, an denen Verstappen um einen Tick weniger abgebrüht agiert als Rivale Hamilton, nicht mit Kritik. Aber die beiden reden viel miteinander, wenn auch nicht nach dem Rennen. Marko: „In diesem Moment ist ein Rennfahrer weniger empfänglich für Ratschläge.“
Aber: Jener Verstappen, der seinen Rivalen Esteban Ocon attackierte, nachdem ihm der Franzose beim Grand Prix von Brasilien 2018 ins Auto gefahren war, scheint ebenso Geschichte wie jener, der 2019 beim Grand Prix von Österreich alles riskierte, um knapp an Ferrari-Fahrer Charles Leclerc vorbeizustreifen und sich damit den Sieg zu sichern.

Showdown am Red Bull Ring

Der Red Bull Ring am Spielberg hat in Max Verstappens Leben eine ganz besondere Bedeutung – er ist für ihn so etwas wie ein Heimrennen. In normaleren Zeiten färben hier zehntausende niederländische Fans das Grün der Steiermark orange ein. Motorrad-Legende Gustl Auinger, der als erfahrener Rennsport-Mentor einst schon beim Formel-Debüt von Sebastian Vettel in Spielberg dabei war, erinnert sich an die ersten Runden von Verstappen in einem World-Series-Auto – einem Rennwagen, der doppelt so stark war wie alles, was Max bis dahin bewegt hatte: „Er war auf Anhieb schnell und hatte das Selbstbewusstsein, um neue, teure Bremsen zu bitten. Man sah sofort: Da ist einer, der weiß, was er kann – und weiß, was er will.“
Das Team bejubelt den Sieg beim Grand Prix im Autodromo Enzo e Dino Ferrari
Das Team bejubelt den Sieg beim Grand Prix im Autodromo Enzo e Dino Ferrari
Entsprechend schnell kam der Erfolg in der Formel 1 – und am Red Bull Ring: 2018 und 2019 hat er hier gewonnen. Auch in dieser Saison werden der Große Preis der Steier­mark und jener von Österreich für Max ent­scheidend sein. Wenn die Formel 1 am 27. Juni und 4. Juli in der Steiermark zu Gast ist, dann nimmt die Meisterschaft Fahrt auf, das Rennen ist in dem psychologischen Duell sehr wichtig. Denn diese WM, die zu den besten in 72 Jahren Formel 1 gehören könnte, wird in kleinen Details entschieden werden und in den Köpfen. Wer ins Hintertreffen und damit unter Druck gerät, hat ein Problem.
Wir haben ein Auto, das besser gegen Mercedes ankommt.
Max Verstappen über die neue Konkurrenzsituation 2021
Max sagt: „Das Selbstvertrauen hat zu­genommen. Voriges Jahr war das Heck stets ein bisschen unruhig. Wenn man an die Grenze geht, ist auch das Auto immer an der Grenze der eigenen Balance. Inzwischen haben wir herausgefunden, wie wir es her­richten müssen, damit es besser vorhersehbar ist. Selbst bei einem Sieg kann man immer noch viel aus einem Rennen lernen, denn es ist nie alles perfekt, und wir schauen uns jeden Aspekt dieses Kampfes ganz genau an.“Und es ist ein Kampf der Giganten.

Denn sie wissen, was sie tun

Das englisch­-deutsche Team von Mercedes hat siebenmal hintereinander die Konstruk­teurs-­WM gewonnen, davor hatte Red Bull Racing viermal in Serie den Titel erobert. „Leicht ist es nicht. Mercedes ist immer noch schneller, besonders im Rennen, das heißt, wir müssen auf jeden Fall ein bisschen zu­legen“, sagt Max. „Red Bull Racing war schon einmal in dieser Position. Das ist zwar eine Zeit her, aber alle kennen ihre Rolle. Auch ich weiß, was ich tue.“
Verstappen vereinigt wie niemand anderer Erfahrung und Jugend. Erst im Dezember 2020 wurde er so alt, wie Lewis Hamilton es bei seinem Debüt war. Nur hatte er da schon 118 Rennen bestritten. Er kann wohl noch zwei Jahrzehnte in der Formel 1 bleiben und viele Titel gewinnen. Aber der heuer, der wäre besonders viel wert. Errungen im direkten Duell zweier Jahrhundert­-Talente.
Mit Max Verstappen im Cockpit: verstappen.com

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Die zwei Heim-Grands-Prix in Spielberg am 27. Juni und 4. Juli werden bei ServusTV zu Vollgas-Wochenenden.
Sobald ab Freitag, dem 25. Juni, die Motoren dröhnen, sind die Formel-1-Fans bei ServusTV live dabei. Moderatorin Andrea Schlager, die als gebürtige Knittelfelderin Heimvorteil in der Steiermark genießt, und Christian Klien melden sich jeweils von Freitag bis Sonntag mit Interviews live aus der Boxengasse des Red Bull Rings. Neben der packenden Action auf dem knapp viereinhalb Kilometer langen Rundkurs gibt’s jede Menge zusätzliches Futter, sprich Features für Formel-1-Fans. Zum Beispiel ein Exklusiv-Interview mit Bernie Ecclestone. Der langjährige „Mister Formel 1“ spricht bei ServusTV über seinen Aufstieg vom Gebrauchtwagenhändler zum obersten Boss und „Money Maker“ der Königsklasse des Motorsports. servustv.com
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