Laia Sanz, KTM-Werkspilotin

Diese Frau schlägt 9 von 10 Männern bei der Rallye Dakar

© Photosdakar.com

Weil sie ihre Träume lebt, obwohl ihr alle davon abgeraten haben. Die Spanierin LAIA SANZ und ihr 15-Punkte-Programm für ein erfolgreiches Leben an der Spitze.

1. Liebe das, was du tust. 

Ja, ich bin eine Frau, doch mich musste nie jemand zum Motorradfahren überreden. Es war mir immer ein Bedürfnis.

2. Glaube an deinen Traum. 

Schon als kleines Mädchen habe ich jede Minute der Rallye Dakar vor dem Fern­seher regelrecht gefressen. Klar war es anfangs bestenfalls eine verrückte Idee, dereinst selbst hier starten zu wollen, noch dazu als Teenie. Aber schau mich heute an: Jetzt war ich schon achtmal am Start und noch jedes Mal im Ziel!

3. Setz dir kleine Ziele und verfolge sie – Schritt für Schritt.

Ich denke maximal von Jahr zu Jahr. So schaffst du dir regelmäßig Erfolgserlebnisse.

4. Vergiss andere Meinungen.

Keine davon ist so relevant wie deine eigene. Was theoretisch möglich gewesen wäre, was du wirklich kannst, das weiß niemand so gut wie du selbst. Dasselbe gilt für deine Fehler. Fremde Einschätzungen bringen dich nicht weiter.

5. Definiere deine eigenen Regeln.

Ich bin immer gegen Buben, später Männer angetreten – und habe sie ge­schlagen. Damenwertungen haben mich nie interessiert.

6. Dein Gegner bist du selbst.

Schau nicht, was die anderen machen, sondern versuche, dein persönliches Maximum zu erfassen – und es auch um­ zusetzen. Aktuell beste Frau bei der Rallye Dakar? Was soll ich mir davon kaufen? Irrelevant. Kann ich morgen schneller fahren als heute? Das ist interessant!

7. Konzentriere dich auf deine Stärken. 

Es hat keinen Sinn, sich den Kopf über Dinge zu zerbrechen, die du nicht ändern kannst. Männer sind körperlich überlegen und risikofreudiger. Dafür bin ich vielleicht schlauer und ma­che weniger Fehler.

100 Prozent Zielankünfte beim härtesten Motorsport-Event der Welt
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8. Setz dir neue Ziele. 

Wenn du weiterkommen willst, musst du etwas riskieren. Ich war Trial­-Pro und konnte gut davon leben. Trotzdem habe ich alles hingeworfen, um mir den Traum von der Dakar zu erfüllen. Heute bin ich Dakar­ Pro und kann noch besser davon leben. Blicke ich zurück? Niemals.

9. Fürchte dich nicht davor, deine Träume in die Realität umzusetzen. 

Der Moment, als ich am Start meiner ersten Dakar Rallye stand, wird für immer bei mir bleiben. Bloß hier zu stehen, mit dem Bike zwischen meinen zitternden Beinen, war ein Sieg. Sie dann auch noch zu beenden war der nächste Sieg. Die letzten zehn Kilometer habe ich geflennt wie ein ... ja, wie ein Mädchen.

10. Wenn du von hinten kommst, musst du mehr arbeiten.

Gerade als Frau in einer frauenuntypischen Sportart musst du Sponsoren und Partner davon überzeugen, dass du vieles genau­ so gut kannst wie ein Mann – und einiges um vieles besser.

11. Habe Geduld. 

Lang­fristig lohnt es sich – und stärkt dich. Ich habe ungefähr 14 Weltmeistertitel und bin seit dem Jahr 2000 Pro . Aber erst seit 2018 bekomme ich im KTM­-Werksteam das exakt gleiche Material wie meine männlichen Kollegen. Und vielen anderen habe ich den Vorteil voraus, zu wissen, dass ich auch mit unterlegenem Zeugs mein Können bereits bewiesen habe.

12. Liefere Resultate. 

Ab einem gewissen Niveau zählt nur noch das, was auf dem Papier steht. Selbst wenn Insider wissen, wie gut du bist: Irgendwann musst du es auch für die anderen sichtbar machen. Mein neunter Platz bei der Rallye Dakar 2017 hat mir viele Türen geöffnet.

13. Schaffe dir ein Netzwerk.

Ich umgebe mich mit verlässlichen Menschen, die mir erlauben, mich auf meine Stärken zu konzentrieren. In einer von Seilschaften getragenen Welt brauchst du deine eigenen, um mitzu­halten. Du musst die Regeln kennen und für dich nutzen. Ob Daddy, Mechaniker, bester Freund: Was dir hilft, ist legitim.

14. Bleib realistisch. 

Egal wie sehr ich mich noch verbessere: Ich werde die Dakar auf dem Motorrad höchstwahrscheinlich niemals gewinnen können. Für eine Frau ist ein niedriges Top-­10-­Resultat das Maximum. Diesem Maximum will ich mich annähern.

15. Träum weiter. 

Ein Dakar­-Sieg wäre schön. Das geht aber wohl nur im Auto. In einem guten Team. Dazu braucht man ein perfektes Netzwerk. Mein Job heute ist, parallel zur erfolg­ reichen Motorrad­-Karriere die ersten Puzzlesteine dafür vorzubereiten.