Music
Amadeus Award-Abräumer Rian im Porträt
Rian hat den witzigsten heimischen Hit der letzten Monate geschrieben. Der große Abräumer beim diesjährigen Amadeus Award punktet mit Offenherzigkeit – und einer großen Mission.
Während man sich Freundinnen und Freunde selbst aussucht, gilt für die Verwandtschaft: Man muss sich mit ihr arrangieren. Das kann mühsam sein, denn man will ja niemanden beleidigen. Der Kärntner Sänger Rian lässt seinen Erzähler im Lied „Verwandtschaftstreffen“ ein ebensolches erleben und erleiden. „Ah, cool, das würd ich gern verpassen“, singt er und markiert damit den Einstieg in den witzigsten heimischen Hit der letzten Monate – und in eine familiäre Zusammenkunft, die in einem Debakel endet.
„Verwandtschaftstreffen“ katapultierte den bürgerlich Florian Gruber gerufenen Musiker aus der kleinen Kärntner Gemeinde Althofen in die Charts; mittlerweile füllt er das Wiener Konzerthaus oder den Linzer Posthof – die zu den großen Sälen des Landes zählen. Beim diesjährigen Amadeus Award heimste er dann gleich Preise in drei Kategorien ein.
Der ganz normale Wahnsinn
Rians Lieder sind Ohrwürmer mit Witz. Sie erinnern an kecke französische Chansons ebenso wie an die Musik eines Weltstars wie Manu Chao. In den drei Minuten, die „Verwandtschaftstreffen“ dauert, passiert und eskaliert einiges: Der betrunkene Onkel schimpft über seine Ex, dem Opa entgleitet seine politische Meinung, aus der Tante brechen Verschwörungstheorien hervor. Ein normaler Sonntag im Kreise seiner Liebsten.
Rians Verwandtschaft nimmt das Lied durchaus locker: „Noch werde ich überall eingeladen – offenbar fühlt sich niemand angesprochen“, sagt der Endzwanziger. Mit Humor könne man schließlich über alles reden, und der sei ihm wesenseigen. „Humor ist das Wichtigste, ohne den geht gar nichts.“ Als Rampe an die Öffentlichkeit diente ihm TikTok. Zwar ist er privat in den sozialen Medien eher zurückhaltend, doch seine TikToks sichern ihm Reichweite und machten ihn schon vor „Verwandtschaftstreffen“ zu einem immer wieder viral gehenden Artist – etwa mit dem Lied „Schwarzes Schaf (Ziegen-Song)“. Rund 650.000 Menschen folgen ihm auf der App. Dabei hat er ganz analog begonnen.
Meine Anfänge als Musiker? Trommeln auf Kochtöpfen.
Als Teenager bekam er seine ersten CDs geschenkt. Rian erinnert sich an Silberscheiben von Billy Talent, den Pop-Punks Sum 41 oder eine Falco-Best-of. „Diese CDs waren super wichtig, wobei ich nie Poster von den Bands an der Wand hängen hatte. Ich hatte nie so richtige Idole. An der Wand hing bloß ein Wimpel von Real Madrid.“ Privat hört er auch heute noch ganz andere Musik als die, die er selber spielt. Hauptsächlich Englischsprachiges – und das quer durch den Gemüsegarten. Es verhindert, dass er bewusst oder unbewusst irgendjemand kopiere. Dennoch entstand unter dem Einfluss des Pop-Punk das Bedürfnis, selbst zu musizieren.
Zuerst hat er auf Kochtöpfen getrommelt – daraus wurde später ein richtiges Schlagzeug –, und schließlich entdeckte er im Keller eine alte Gitarre seiner Mutter. „Auf der habe ich begonnen, meine ersten Songs zu schreiben.“ Da war er vierzehn Jahre alt, und der Drang, sich musikalisch mitzuteilen, hat nie wieder nachgelassen. Seit einem Jahr kann er von seiner Musik leben. Davor hat er Lehramt studiert und Medienwissenschaften. So, wie Rian das erzählt, klingt es, als wäre er ohne übertriebene Liebe bei der Sache gewesen. Ein fertiges Studium hätte womöglich zu einem Beruf geführt – das ja, aber seine Berufung ist die Musik.
Ein Selfie für die Cousine
Rian sagt, er verspüre tatsächlich so etwas wie eine Mission. „Die Musik ist nur ein Teil davon, aber ich weiß eines: Ich will Menschen unterhalten. Das ist meine Aufgabe in der Welt.“ Dabei will er authentisch sein. Wenn er bei Musik das Gefühl hat, sie sei nicht authentisch, interessiert sie ihn nicht. „Ich mag es nicht, wenn ich das Gefühl habe, da wird mir was verkauft, was nicht echt ist.“
Rian hingegen nimmt man seine Songs ab. Er tut auch einiges dafür. Selbst wenn er nur eine Miniatur wie „Ich könnt zumindest deine Zimmerpflanze sein“ veröffentlicht, merkt man an der aufwendigen Verkleidung, dass er selbst für kleine Dinge große Sorgfalt aufbietet. Diese Mischung aus Offenherzigkeit und Charme überzeugt – und das Publikum ist dafür merklich empfänglich.
Auf seiner jüngsten Tour musste er Zusatzshows spielen, um möglichst vielen Fans die Möglichkeit zu geben, ihn zu erleben. Das ist für ihn selbstverständlich. Kein Wunder, dass er bei so viel Engagement auf der Straße mittlerweile erkannt wird. „Das war anfangs ungewohnt, aber nie unangenehm. Ich lass halt Selfies mit mir machen oder ein Video für eine Cousine dritten Grades.“ Er ist im Leben genauso zugänglich wie als Bühnenfigur. „Da gibt es keine Unterschiede.“
Kann er „Verwandtschaftstreffen“ selber noch hören? „Ja“, sagt Rian und muss lachen. „Schon möglich, dass es mir einmal auf die Nerven geht. Aber dann denke ich daran, dass es Leute gibt, die das Lied zum ersten Mal hören. Und für die will ich es genauso euphorisch spielen wie für die, die es mitsingen können.“
Instagram: @rian.music; Termine zu Rians Verwandtschaftstreffen-Tour 2025 findest du hier: rianmusic.at