Radsport
Tour de France: Auf Flirt-Kurs in Spanien - und Doppel-Date mit dem Mythos
21 Etappen aus Barcelona nach Paris. Mit der Tour de France Route 2026 fordern die Streckendesigner mehr denn je die Top-Kletterer heraus. Doch für eine Hommage bleibt Zeit in Woche 3:
Teamcamps und Warm Up-Rennen sind abgehakt, die Rennrad-Trikots präsentiert – jetzt zählt nur noch das Highlight des Radsportkalenders: die Tour de France! Auflage Nummer 113 jagt das Peloton 54.450 Höhenmeter hinauf, zweimal durch die zermürbenden Serpentinen von Alpe d'Huez, aber spart auf dem Weg zur ikonischen Champs-Élysées eher mit Zeitfahr-Kilometern. In a nutshell: Kein Ausruhen und kaum Ausreden für die Bergziegen!
Red Bull – BORA – hansgrohe geht zum dritten Mal seit dem Re-Branding (2024) an den Start, in der Team-Historie ist es die nunmehr 13. Tour für den Rennstall von Ralph Denk. Bekanntlich fehlt nach dem Giro-Triumph von Jai Hindley 2022 sowie der Vuelta 2024 (Primoz Roglic) nur noch das gelbe Puzzleteil zum kompletten Grand Tour-Set.
Dafür fahren Ralph Denk und Co. eine Doppelspitze auf. In Form von Remco Evenepoel und dem Vorjahres-Dritten Florian Lipowitz, die sich wiederum in einem GC-Feld der Marke "très magnifique" wiederfinden: Mit einem Tadej Pogačar, der seinen rekord-einstellenden fünften Toursieg jagt, sowie dem Giro-Champion Jonas Vingegaard als auch dem Vuelta-Dritten Tom Pidcock. Und hatten wir dem als Rising Star gehandelten Tour-Debütanten Paul Seixas schon erwähnt?
Hier analysieren wir, was Lipowitz und Co. auf der diesjährigen Tour de France-Route erwartet und gehen auch auf historische Spots in Nord- sowie Südfrankreich ein.
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Etappe 1 bis Etappe 3: Plot Twist inmitten des Barcelona-Dreierpacks
Ein Mannschaftszeitfahren eröffnet die Tour für Red Bull - BORA - hansgrohe
© Maximilian Fries / Red Bull Content Pool
Nach einer L’Hexagone-Ausgabe ohne Trips außerhalb des französischen Sechsechs geht die Tour de France 2026 wieder auf Reisen: Spanien hostet zum dritten Mal einen Grand Départ – und Katalonien feiert dabei seine Premiere als Startregion.
Wieso startet die Tour de France 2026 mit einem Mannschaftszeitfahren? Weil die ASO-Streckenplaner einen Auftakt aus historischem Charakter und Format-Revolution wollten: Zum ersten Mal seit 1971 beginnt die Tour mit einem Mannschaftszeitfahren - damals gewann Eddy Merckx' Molteni-Team über 11 Kilometer in Mulhouse. 55 Jahre später gibt es die Neuauflage in Barcelona, allerdings mit Plot-Twist.
Statt der klassischen Teamzeit zählt 2026 die Einzelzeit jedes Fahrers im Ziel – ein Format, das die ASO seit 2023 bei Paris–Nizza getestet hat. Viele Augen beim Mannschaftszeitfahren richten sich auf die 800 Meter langen Côte du Stade Olympique, wo die Entscheidung über den ersten Fahrer im Maillot Jaune fallen dürfte
Etappe 2 startet die Küste runter in Tarragona und führt zurück in die katalanische Hauptstadt – inklusive hügeligem Stadtrundkurs mit drei Überfahrten der Côte du Château de Montjuïc (Kategorie 3) und erneutem Zielstrich am Olympiastadion. "Adios" sagt das Peloton auf der 3. Etappe und überquert - noch auf spanischem Grenzgebiet - den Col de Toses (Kategorie 1) und die Pyrenäen in Richtung Frankreich, ehe in Les Angles die erste Bergankunft wartet.
- Etappe 1: Samstag, 4. Juli, Barcelona nach Barcelona - 19,6 km - Mannschaftszeitfahren
- Etappe 2: Sonntag, 5. Juli, Tarragona nach Barcelona - 168,5 km - hügelig
- Etappe 3: Montag, 6. Juli, Granollers nach Les Angles - 195,9 km - Berge
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Etappe 4 bis Etappe 9: Pyrenäen-Härte weicht Sprinter-Festival
Pyrenäen und Alpen zieren bei der Frankreich-Rundfahrt jedes Jahr das Menü. Dank des spanischen Starts wird 2026 zuerst im Südwesten geklettert. Die einzige reinrassige Pyrenäen-Bergetappe steigt auf Etappe 6, davor gibt es einen Tag für Rouleure wie Jan Tratnik und auf Etappe 5 nach Pau den ersten echten Massensprint.
Was sind die Highlights der ersten Tour de France-Woche 2026? Die letzten 80 Kilometer der sechsten Etappe stapeln den Col d'Aspin (12 km bei 6,5 %) und den legendären Col du Tourmalet (17,1 km bei 7,3 %) aufeinander. Eine lange, aber angesichts der Route noch moderate Bergankunft nach Gavarnie-Gèdre (18,7 km bei 3,7 %) liefert den ersten GC-Fingerzeig. Wer hier schon wackelt, hat in den folgenden beiden Wochen ein Problem.
Danach dürfen sich die Beine erholen: Auf Flachetappen nach Bordeaux und Bergerac gibt Punkte-Futter für die Sprinter, bevor eine wellige Fahrt von Malemort nach Ussel den ersten Rennblock abschließt.
- Etappe 4: Dienstag, 7. Juli, Carcassonne nach Foix - 181,9 km - hügelig
- Etappe 5: Mittwoch, 8. Juli, Lannemezan nach Pau - 158,3 km - flach
- Etappe 6: Donnerstag, 9. Juli, Pau nach Gavarnie-Gèdre - 186,2 km - Berge
- Etappe 7: Freitag, 10. Juli, Hagetmau nach Bordeaux - 175,1 km - flach
- Etappe 8: Samstag, 11. Juli, Périgueux nach Bergerac - 180,4 km - flach
- Etappe 9: Sonntag, 12. Juli, Malemort nach Ussel - 185,5 km - hügelig
- Ruhetag: Montag, 13. Juli
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Etappe 10 bis Etappe 15: Zentralmassiv, Vogesen und Jura zeigen ihre Zähne
Wo bleiben die beinharten Climbs und Challenges, die Zuschaunde in Scharren vom TV an den Streckenrand locken? Ein 10/10-Timing lässt sich der ASO attestieren, eine solche Etappe auf den französischen Nationalfeiertag am 14. Juli zu legen. Gleichzeitig beweist das zehnte Teilstück durch sieben der härtesten Anstiege, die Zentralmassiv zu bieten hat, dass die Streckenplaner nicht auf zwei Gebirgszüge im französischen Süden limitiert sind.
Zwei flache Tage schenken den Sprintern noch einmal Spotlight. Aber: Je näher diese Tour den Grenzen zur Schweiz und zu Deutschland kommt, desto steiler wird sie. Etappe 13 von Dole nach Belfort ist mit 205,8 Kilometern der längste Tag der Grand Tour – aber aus Bigger Picture-Sicht nur ein anspruchsvolles Warm Up auf das Berg-Doppelpack am dritten Rennwochenende.
Das 14. Teilstück ist die kürzere der beiden Etappe, presst aber 3.800 Höhenmeter in 155,3 Kilometer. Vier Anstiege der Kategorie 1, darunter der Col du Haag (11,2 km bei 7,3 %) als fiesestem Climb des Tages, lassen den Kletter-Spezialisten keine Verschnaufpausen. Etappe 15 bringt das Peloton anschließend in die Haute-Savoie und endet mit der HC-Bergankunft. Sollte die Abstände in den Top 10 bis hierhin eng sein, hat das Plateau de Solaison (11,3 km bei 9 %) die Kraft, die ersten GC-Träume zu zerschellen.
- Etappe 11: Mittwoch, 15. Juli, Vichy nach Nevers - 161,3 km - flach
- Etappe 12: Donnerstag, 16. Juli, Circuit Nevers Magny-Cours nach Chalon-sur-Saône - 179,1 km - flach
- Etappe 13: Freitag, 17. Juli, Dole nach Belfort - 205,8 km - hügelig
- Etappe 14: Samstag, 18. Juli, Mulhouse nach Le Markstein Fellering - 155,3 km - Berge
- Etappe 15: Sonntag, 19. Juli, Champagnole nach Plateau de Solaison - 183,9 km - Berge
- Ruhetag: Montag, 20. Juli
04
Etappe 16 bis Etappe 21: Tour-Mythos entscheidet alles – mit doppelter Dosis Alpe d’Huez
Das Mannschaftszeitfahren vom Grands Départ fühlt sich an, als sei es Ewigkeiten her, wenn die Fahrer auf Etappe 16 zum zweiten Kampf gegen die Uhr antreten. Am Ufer des Genfersees wartet ein 26,1 Kilometer langer Kurs, der mit der Côte de Larringes (9,7 km bei 4,3 %, Kategorie 2) startet – kein Berg nach Tour-Benchmark, aber knifflig genug, um die Kletterer gegenüber reinen Zeitfahr-Spezialisten zu bevorzugen.
Das 17. Teilstück durch die Weinbauregion Savoie legt sich als Sprinter-Finale vor Paris dazwischen, wobei die ersten 60 punchigen Kilometer auch eine Ausreißergruppe ins Ziel tragen könnten. Im Anschluss beginnt der dreitägige Showdown. Etappe 18 kratzt an höhentechnisch an der 4000er-Marke und endet mit der Bergankunft in Orcières-Merlette (7,1 km bei 6,7 %).
Wie lange brauchen Radprofis für den Anstieg auf die Alpe d'Huez? Die Top-Kletterer stürmen den wohl legendärsten Etappe hinaus zum Wintersportort Alpe d'Huez in rund 39 bis 41 Minuten. Beim bisher letzten Tour-Besuch 2022 stoppten der spätere Gesamtsieger Jonas Vingegaard sowie Tadej Pogačar und Geraint Thomas die Uhr gemeinsam bei 39:08 Minuten – vorneweg fuhr damals Red Bull-Athlet Tom Pidcock zu einem denkwürdigen Etappensieg!
Vier Jahre nach dem Pidcock-Triumph kehrt Alpe d'Huez zurück. Und als wären die Zuschauermassen entlang der 21 Kehren, darunter die Dutch Corner (bei Kehre 7), nicht schon groß genug, bauen die Streckenplaner noch ein Upgrade ein: Erstmals in der Tour-Geschichte wird Alpe d'Huez an zwei Tagen in Folge erklommen. Etappe 19 nimmt den Klassiker-Betonklotz komplett (13,8 km bei 8,1 %), garniert mit drei kategorisierten Anstiegen im Vorfeld.
Etappe 20 ist dann die Königsetappe nach der Königsetappe light und wird das Gesamtklassement endgültig sortieren: Col de la Croix de Fer (24 km bei 5,2 %), Col du Télégraphe (11,9 km bei 7,1 %), dazwischen das Dach der Tour 2026 (Col du Galibier auf 2.642 Metern) sowie der Col de Sarenne (12,8 km bei 7,3 %). Das Finale führt Lipowitz und Co. erneut nach Alpe d'Huez, diesmal steigen die Fahrer "erst" fünf Kehren vor dem Gipfel ein, statt alle 21 erneut zu absolvieren.
Von einer "Tour d'Honneur", einer lockeren Ehrenrunde durch die Stadt der Liebe, kann im Tour de France-Finale 2026 längst keine Rede mehr sein. Inspiriert von den Sommerspielen wird auf dem erweiterten Stadtkurs gefahren, wo eine Schleife über Kopfsteinpflaster nach Montmartre führt. Nicht zuletzt die Rampen (u.a. Côte de la Butte Montmartre, Kategorie 4) verleihen der 21. Etappe den Charakter einer Kletterprüfung, wie sie Fahrer wie Remco Evenepoel oder Wout van Aert lieben. Letzter holte sich im Vorjahr seinen 10. Etappensieg bei der französischen Grand Tour.
- Etappe 16: Dienstag, 21. Juli, Évian-les-Bains nach Thonon-les-Bains - 26,1 km - Einzelzeitfahren
- Etappe 17: Mittwoch, 22. Juli, Chambéry nach Voiron - 174 km - flach
- Etappe 18: Donnerstag, 23. Juli, Voiron nach Orcières-Merlette - 185,2 km - Berge
- Etappe 19: Freitag, 24. Juli, Gap nach Alpe d'Huez - 127,9 km - Berge
- Etappe 20: Samstag, 25. Juli, Le Bourg d'Oisans nach Alpe d'Huez - 170,9 km - Berge
- Etappe 21: Sonntag, 26. Juli, Thoiry nach Champs-Élysées, Paris - 133 km - flach
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