Ein Mann, seine Ausrüstung und sein Flugzeug.© [unknown]
Air Race
So gewinnen Jet-Piloten im Kampf mit den G-Kräften
Ein normaler Mensch erträgt 3 bis 4 G. Wie Jet-Piloten das Dreifache ertragen, liest du hier.
Autor: Felix Kozubek
veröffentlicht am
Steht man bei der AIRPOWER am Boden und schaut den Fliegern am Himmel zu, vergisst man oftmals welchen G-Kräften die Piloten bei ihren Manövern ausgesetzt sind. Zum Vergleich: Die Silverstar Achterbahn im Europapark hat einen Maximalwert von rund 4 G – für Durchschnittsmenschen mehr als genug. Jetpiloten müssen oft sogar das Dreifache ertragen! Was das mit dem Körper macht und wie man damit umgeht, erklärt Major Dietrich Springer, Eurofighter-Pilot und Display-Director der AIRPOWER16 im Interview.
Im James Bond Film „Moonraker“ wird James Bond alias Roger Moore in eine Zentrifuge gesperrt, die auf 15 G beschleunigt. Eine tödliche Belastung. Kampfpiloten müssen in Tests kurzzeitig 9 G aushalten. Was macht das mit dem menschlichen Körper?
Wenn 9 G wirken, dann wiegt dein Körper plötzlich 9 Mal so viel wie normal. Inklusive Ausrüstung und allem können das schon mal 800 Kilo sein. Das Herz-Kreislauf-System wird dadurch extrem gefordert. Das Herz ist es gewohnt, dass es das Blut bis zum Hirn nur circa 50 Zentimeter nach oben pumpen muss. Durch die wirkenden Kräfte ist die Distanz plötzlich 9-mal so hoch. Da kann es passieren, dass der Blutdruck nicht mehr ausreicht, um das Gehirn zu versorgen
Welche körperlichen Symptome treten bei diesen Belastungen auf?
Ähnliche Symptome, die jeder von uns kennt, wenn man zu schnell aufsteht. Als erstes beginnen die Augen zu flimmern. Man sieht kurzzeitig schlechter. Wenn der Blutdruck im Kopf zu gering ist, weil das Herz einfach nicht mehr nachkommt, kommt zuerst eine Art Tunnelblick. Danach hört das Farbsehen auf. Im schlimmsten Fall sieht man gar nicht mehr oder wird ohnmächtig.
Was passiert, wenn ein Pilot ohnmächtig wird?
Das passiert höchstens beim Training in der Zentrifuge. Das ist auch genau dafür da. Die Piloten sollen den Umgang mit der Ausrüstung und mit der Belastung lernen und sich auch der physiologischen Gefahr bewusst werden. Im Flug darf das nicht passieren. Bei den Tests haben wir gesehen, dass es circa 15 bis 20 Sekunden dauert, bis der Pilot wieder handlungsfähig wird. Je nach Manöver und Flughöhe kann das katastrophal enden und darf deshalb nicht passieren.
Hier gilt es, den Überblick zu behalten.
Hier gilt es, den Überblick zu behalten.
Gibt es Techniken, mit denen man das vermeiden kann?
Wichtig ist, dass das Blut nicht zu weit absackt und das Hirn nicht mehr versorgt wird. Die Piloten können durch Muskelanspannung im Bauch-Bereich und in den Beinen gegen die drohende Bewusstlosigkeit ankämpfen. Zusätzlich gibt es mit dem Anti-G-Anzug eine spezielle Ausrüstung. In der Hose und Weste sind Luftsäcke eingearbeitet, die sich mit steigender Belastung aufblasen und so das Blut absperren. Das verhindert das Absacken des Blutes.
Welchen Belastungen sind Piloten bei der AIRPOWER ausgesetzt?
Bei einer Flugshow kommen die hohen Belastungen in sehr kurzer Zeit, sehr komprimiert hintereinander. Das geht von negativen bis zu hohen positiven Belastungen. Dazu kommt die ungewohnte geringe Flughöhe. Und auch mental ist es ein riesiger Unterschied, ob ich ein klassisches Manöver fliege oder ich es vor tausenden Menschen performe, die mir zuschauen.
Müssen Piloten einer solchen Klasse besondere körperliche und mentale Grundvoraussetzungen mitbringen oder könnte jeder Mensch auf dieses Level trainiert werden?
Das kann nicht jeder Mensch lernen. Aber es gibt eine natürliche G-Toleranz. Die liegt bei 3,5 bis 4 G. Wobei hier vor allem der Zeitfaktor entscheidend ist. Wenn im Prater eine Achterbahn bis zu 4 oder 5 G erreicht, dann nur für einen ganz kurzen Moment. Da reagiert das Kreislaufsystem oft noch gar nicht. Schwierig wird es, wenn die Belastung länger andauert. Wie bei einer heißen Herdplatte. Wer kurz draufgreift, wird nicht viel spüren. Wer die Hand länger oben lässt, wird sich schwer verbrennen.
Hast du einen Profi-Tipp für normale Fluggäste, die vor einem Flug nervös sind?
Entspannungstraining. Das machen auch die Profis. Wir wenden zum Beispiel die Technik der progressiven Muskelentspannung an. Das kann man auch kurz vor dem Abflug machen, während man noch am Boden ist und im Flieger sitzt. Muskeln anspannen und wieder entspannend. Dadurch kommt der Puls in wenigen Sekunden wieder runter.
Bei solchen Manövern werden enorme Kräfte frei.
Bei solchen Manövern werden enorme Kräfte frei.