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Das war die UCI Mountainbike-Weltmeisterschaft 2020 in Leogang

© Bartek Wolinski
Finde heraus, was am Wochenende beim großen MTB-Highlight passiert ist. Wir haben die Replays und den Report der Rennen.
Autor: Faye Brozek und Rajiv Desaiveröffentlicht am
Hol dir die Replays aller Rennen der MTB Weltmeisterschaft 2020:

Downhill Weltmeisterschaft

Mit heimtückischen Bedingungen hatten die Downhill-Rider zu kämpfen. Über Nacht kam der Regen, der den Track in Leogang zu einer steilen und unheimlich rutschigen Angelegenheit machten.
Damit war alles angerichtet für eine mehr als nur erinnerungswürdig Weltmeisterschaft, wo das Ziel vor allem in einem bestand: Heil unten anzukommen. Es war eine der wohl härtesten Weltmeisterschaften, bei der so viele Welt-Athleten zu Fall gebracht wurden.
Erlebe alle Siegerfahrten der UCI MTB DH-Weltmeisterschaft 2020:
MTB · 6 Min
DH Siegerfahrten – Leogang

Das Damenrennen

Vali Höll war die Schnellste in der Qualifikation, landete nach einem heftigen Jump im Morgentraining jedoch derartig hart, dass sie sich Verletzungen im Fußgelenk zuzog - sie musste in weiterer Folge passen.
Der massive Jump, der Vali Hölls Weltmeisterschaftsträume zunichte machte.
Der massive Jump, der Vali Hölls Weltmeisterschaftsträume zunichte machte.
Auf Social Media meint sie: "Hatte heute Morgen einen Crash und habe mir dabei zwei Bänder gerissen, sowie einen Bruch im Gelenk zugezogen. Das ist meine erste größere Verletzung, aber ich bin bereits heiß auf das nächste Jahr. Ich habe mich in den letzten beiden Wochen echt wohl gefühlt."
Schlammschlacht pur...
Schlammschlacht pur...
Der Waldabschnitt war jener Teil der Strecke, wo das Rennen gewonnen und verloren wurde. Tiefe Spuren saugten den Ridern jeden Speed unter den Reifen weg - und manchmal auch das ganze Bike.
Ein fast schon gewohnter Anblick...
Ein fast schon gewohnter Anblick...
Eleonora Farina beispielsweise bekam die gesamte Kraft des Schlammes zu spüren, während ihr Vorderrad dermaßen versank, dass es ihr nicht gelang, es zum Drehen zu bringen. Man konnte die frustrierte Italienerin regelrecht hören, als sie den Schlamm verfluchte, während sie ihr Bike zu befreien versuchte.
Titelverteidigerin Myriam Nicole gab von Anfang an Vollgas.
Titelverteidigerin Myriam Nicole gab von Anfang an Vollgas.
Die Titelverteidigerin Myriam Nicole hatte ihre ganz eigene Strategie parat: Von den Bedingungen unbeeindruckt gab sie einfach nur Vollgas. Sie zeigte sich vom Start weg aggressiv und konnte das Momentum im oberen Abschnitt mitnehmen, dann aber fiel auch sie den Spuren zum Opfer und segelte über die Lenkstange hinweg Richtung Boden. Sie fand aber wieder aufs Bike zurück und brachte ihren Run ins Ziel - und das auch noch mit der bis dato schnellsten Zeit.
Tahnée Seagrave war oben am schnellsten, crashte aber im Wald.
Tahnée Seagrave war oben am schnellsten, crashte aber im Wald.
Tahnée Seagrave sah ganz danach aus, als könnte sie der Zeit von Nicole gefährlich werden und war im oberen Abschnitt sogar bedeutend schneller. Die Wurzeln im Waldabschnitt sorgten aber auch bei ihr dafür, dass sie vom Bike fiel. Viel Zeit verlor sie dabei nicht: Sie saß schnell wieder im Sattel und ihr gelang es, sich gut über die rutschige Strecke zu navigieren - bis dann der nächste Crash kam und sie im steilen Abschnitt von ihrem Bike wegrutschte. Sie beendete das Rennen als 11., am Ende bleibt aber eine tolle Performance übrig, auf die die Britin, die in den letzten beiden Jahren mit zwei Verletzungen zu kämpfen hatte, aufbauen kann.
Camille Balanche blieb cool und war die einzige, die nicht crashte.
Camille Balanche blieb cool und war die einzige, die nicht crashte.
Im Vergleich zu den anderen Athletinnen gehört Camille Balanche aus der Schweiz eher zu den Newcomerinnen. Ihr sportlicher Hintergrund liegt vor allem im Hockey. Und dennoch: Nach nur drei Jahren im Downhill-Rennsport gelang es ihr, den ersten Weltmeistertitel der Damen für die Schweiz einzufahren!
Hannah war als Letzte an der Reihe, musste Balanche aber klein beigeben.
Hannah war als Letzte an der Reihe, musste Balanche aber klein beigeben.
Sie ging es komplett anders an als Nicole. Sie suchte permanent die Balance und setzte auf Vorsicht, womit sie die erste und einzige der Damen war, die ohne Crash durch den Waldabschnitt kam. Sie behielt die Fassung und das Momentum und überfuhr die Ziellinie mit ganzen drei Sekunden Vorsprung. Damit sicherte sie sich das Regenbogentrikot und die Goldmedaille, während Nicole mit Silber nach Hause fuhr.
Myriam Nicole, Camille Balanche und Monika Hrastnik in Feierlaune!
Myriam Nicole, Camille Balanche und Monika Hrastnik in Feierlaune!
"Das Hauptziel bestand darin, es ohne Crash ins Ziel zu schaffen. Ich habe mich dazu entschlossen, die Sicherheitsvariante zu nehmen und es nicht zu übertreiben und das hat sich ausgezahlt. Es wird etwas Zeit brauchen, bis ich realisiere, was gerade passiert ist", freute sich die neugekrönte Weltmeisterin.
Die slowenische Athletin Monika Hrastnik holte sich Bronze ab.
Die slowenische Athletin Monika Hrastnik holte sich Bronze ab.
Monika Hrastnik hatte ebenfalls Probleme im Waldabschnitt, hielt die Beine weit vom Bike weg, um die Balance zu halten, und musste an einem Punkt sogar laufen, um ihre Räder zum Laufen zu bringen, dennoch gelang es ihr, genug Pace herauszuholen, um sich die Bronzene zu sichern. Ein massiver Boost für die Slowenin, die sich auf Maribor am nächsten Wochenende ganz besonders freuen wird.
PositionAthletinZeit
GoldCamille Balanche (CH)5m 8,426s
SilberMyriam Nicole (FRA)+3,130s
BronzeMonika Hrastnik (SLO)+16,966s

Das Herrenrennen

Wie bei den Damen war auch bei den Herren der tückische Waldabschnitt ausschlaggebend. Der Deutsche Johannes Fischbach gehörte unter den frühen Startern zu den Besten und saß eine lange Zeit im Hot Seat, bevor seine Zeit vom Australier Jack Moir geschlagen wurde.
Jeder, der im Wald auf Attacke ging und dem es dabei gelang, auf dem Bike zu bleiben, wurde mit einer guten Zeit belohnt - der Brite Reece Wilson setzte diese Herangehensweise hervorragend um. Er war schnell und kam mit gutem Flow durch die heimtückische Passage. Er fand die schnellste Linie und die Füße blieben auf den Pedalen, womit er guten Speed in die untere Hälfte der Strecke mitnehmen konnte. Er kam mit einem Vorsprung von über sieben Sekunden vor Moir ins Ziel.
Reece Wilson machte alles richtig.
Reece Wilson machte alles richtig.
31 Fahrer standen nach Wilson aber noch im Starthaus, die aber auch einige Probleme hatten. Aaron Gwin etwa konnte mit den Bedingungen überhaupt nichts anfangen und beendete das Rennen als 26.
Rémi Thirion war der nächste Racer, der den Zwischenstand etwas aufmischen konnte. Auch seine Herangehensweise bestand darin, in der Waldsektion voll zu attackieren und Risiken einzugehen. Manchmal hatte es den Anschein, als würde man sich ein Rodeo zu Gemüte führen, aber Thirion blieb auf seinem Bike. Eine schwache Performance im oberen Teil aber sorgte dafür, dass er am Ende sechs Sekunden langsamer als Wilson war. Immerhin lag er mit dieser Zeit auf Platz zwei.
Eine wilde und schnelle Fahrt von Rémi Thirion.
Eine wilde und schnelle Fahrt von Rémi Thirion.
Nachdem der Österreicher David Trummer eine wahre Traumfahrt erwischte, verdrängte er Thirion auf Platz drei. Mit einer schnellen Zeit im oberen Abschnitt und jeder Menge Power im Wald platzierte er sich vorerst auf den zweiten Rang.
David Trummer hatte den Support der heimischen Fans, die anwesend waren.
David Trummer hatte den Support der heimischen Fans, die anwesend waren.
Die letzten 10 Rider waren gespickt mit Supertalenten: Loris Vergier, Greg Minnaar, Danny Hart, Troy Brosnan und Loïc Bruni - sie alle brachten die Skills mit, Wilsons Zeit zu schlagen.Vergier war jedoch der erste, der im Wald hängen blieb. Auch Minnaar crashte hart, Danny Hart fand keinen Speed und Brosnan erwischt nach einem schnellen Anfang einen Baum, als es in den Wald ging.
Damit blieb nur mehr einer übrig: Bruni. Wenn irgendjemand eine unmögliche Fahrt möglich machen kann, dann der dreimalige Weltmeister. Doch dieses Mal sollte es nicht sein: Auch er verlor jede Menge Zeit in der Waldpassage.
Immer der Showman: Bruni mit Style nach seiner verkorksten Performance.
Immer der Showman: Bruni mit Style nach seiner verkorksten Performance.
In diesem Moment realisierte Wilson, dass er der neue Weltmeister 2020 ist und da kamen die Emotionen: "Ich kann es nicht glauben. Ich habe wirklich hart gearbeitet und jetzt stehe ich hier!"
MedailleAthletZeit
GoldReece Wilson (GBR)3m 51,243s
SilberDavid Trummer (AUT)3m 54,440s
BronzeRémi Thirion (FRA)3m 57,196s
Die Weltmeisterschaft ist geschlagen, aber derUCI Downhill World Cupsteht gerade erst an seinem Anfang. Alles beginnt in Maribor (Slowenien) mit einem Doppelrennen am Freitag, den 16. Oktober und am Sonntag, den 18. Oktober. Danach geht es nach Portugal für die letzten beiden Rennen im Jahr 2020.

Cross-Country Weltmeisterschaft

Viele steile Climbs, wurzelige, technisch anspruchsvolle Abfahrten und unzählige Spuren im tiefen Schlamm - auch die Cross-Country(XCO)-Weltmeisterschaft war eine harte Angelegenheit. Der Track wurde für die Weltmeisterschaft neu aus dem Boden gestampft und die DH-Elemente waren nicht zu übersehen! Mit einem anspruchsvollen Kurs und noch anspruchsvolleren Bedingungen blieb die Action auch hier nicht aus.
Wirf einen Blick auf den Track mit Emily Batty:
MTB · 2 Min
Leogang XCO Streckenpreview mit Emily Batty

Das Damenrennen

Das Damenfeld machte schnell einige Lücken auf.
Das Damenfeld machte schnell einige Lücken auf.
Die Titelverteidigerin Pauline Ferrand-Prévot erkämpfte sich früh im Rennen die Position ganz vorne, womit sich bereits zu Beginn eine größere Lücke zum restlichen Feld auftat.
Titelverteidigerin Pauline Ferrand-Prévot
Titelverteidigerin Pauline Ferrand-Prévot
Auch die Britin Evie Richards legte einen guten Start hin und die Augen nach ihren beiden Short Track-Siegen in Nové Město waren definitiv auf sie gerichtet. Dennoch, der Track hier in Leogang ist in seiner Machart anders als jener in Tschechien, womit sie schnell zurückfiel.
Evie Richards startete stark, konnte am Ende aber nicht mithalten.
Evie Richards startete stark, konnte am Ende aber nicht mithalten.
Die Australierin Rebecca McConnell war am nähesten an Ferrand-Prévot dran, auch ihr gelang es aber nicht, die Pace mit der Führenden mitzugehen. Damit öffnete sich für die Führende bereits nach der ersten Runde ein Vorsprung von 56 Sekunden!
Die Australierin Rebecca McConnell war zum Großtel des Rennens auf Platz 2.
Die Australierin Rebecca McConnell war zum Großtel des Rennens auf Platz 2.
Die erfahrene Französin weiß natürlich, wie man eine Weltmeisterschaft angehen muss, hat sie doch schon einige hinter sich. Es war klar, dass sie all ihre Skills aufs Parkett bringen wird, um ihre Position bis zum Ende zu verteidigen.
Je länger das Rennen dauerte, desto größer wurde auch die Lücke von Ferrand-Prévot zum restlichen Feld und sie überfuhr die Ziellinie mit beinahe drei Minuten Vorsprung. Damit verteidigte sie ihren Titel und holte sich ihren dritten XCO Weltmeisterschaftssieg.
Ferrand-Prévot krönt sich erneut zur Weltmeisterin.
Ferrand-Prévot krönt sich erneut zur Weltmeisterin.
Auf der Strecke waren vor allem die starken Climber bevorzugt, während auch die Abfahrtsstärke von Yana Belomoina aus der Ukraine durchschien. Vor allem die Abfahrten verlangten nach einer Menge Vorsicht: Sie waren steil, mit vielen Wurzeln und einer Menge Schlamm, womit einige Crashes die Folge waren. Es ging darum, das Risiko gut abzuwägen, um den Bedingungen gerecht zu werden.
Durch einen Crash verlor Belomoina Zeit.
Durch einen Crash verlor Belomoina Zeit.
Belomoina gelang genau das nicht. Sie crashte auf einer der Abfahrten, womit auch ihre Sattelstütze kaputt ging. Sie musste in die Techzone, um für Ersatz zu sorgen. Für die Ukrainerin gestaltete sich diese Situation natürlich enttäuschend, da sie im frühen Teil des Rennens auf Bronzekurs war.
Lechner und Frei duellieren sich um Bronze.
Lechner und Frei duellieren sich um Bronze.
Damit verlegte sich der Kampf um Bronze auf Sina Frei aus der Schweiz und Eva Lechner aus Italien. Beide Athletinnen bringen verschiedene Stärken mit. Lechners Skills auf dem Anstieg und ihre Erfahrungen aus der Cyclocross-Disziplin passten wie die Faust aufs Auge zu den Bedingungen, während die Abfahrtsstärke von Frei ebenfalls für Spannung sorgte. Es entwickelte sich ein großartiger Kampf zwischen den beiden, der sich bis in die letzte Runde zog. Am Ende gelang es Lechner sich abzusetzen. An diesem Punkt hatte sie die Augen bereits auf die Zweitplatzierte McConnell gerichtet.
Rebecca McConnell bekam immer mehr Druck.
Rebecca McConnell bekam immer mehr Druck.
Nachdem sie die meiste Zeit alleine fuhr, hatte sie das natürlich nicht unbedingt auf der Rechnung und der Druck, den Lechner auf die Australierin ausübte, wurde immer größer. Die beiden kämpften um die Positionen, die sich in der finalen Runde immer wieder wechselten.
Silber im letzten Moment verpasst.
Silber im letzten Moment verpasst.
In der letzten Geraden setzte McConnell zum Sprint an, mit Lechner dicht an den Fersen. Erst in den letzten Sekunden legte Lechner noch einmal einen drauf und fuhr als Zweite ins Ziel - knapp, aber doch: Silber. Sie konnte es danach kaum glauben, während McConnell über den dritten Platz unter diesen Voraussetzungen natürlich nicht ganz so glücklich war.
Isla Short geht im Schlamm verloren.
Isla Short geht im Schlamm verloren.
Eine junge Athletin, die auf dem schlammigen Track brillierte, war Isla Short. Die Schottin kam gut durch den Matsch und fuhr als Fünfte ins Ziel - vor dem Schweizer Superstar Jolanda Neff, die nicht ganz fit in die letzten Rennen ging. Dennoch blieb es am Ende bei Platz sechs.
Ferrand-Prévot ist mit ihrem Erfolg die erste Dame, der es gelang, ihren Weltmeistertitel zu verteidigen. Für sie war es vor allem die richtige Strategie, der sie den Erfolg zu verdanken hat: "Ich wollte einen guten Start hinlegen und eine Lücke aufmachen, da ich wusste, dass die Climbs und die Abfahrten in der Gruppe chaotisch werden könnten...Aber ich habe nicht mit einem dermaßen großen Vorsprung gerechnet. Ich wollte bis zum Ende Ruhe bewahren und den Sieg sicher ins Ziel bringen, aber zugleich eine gute Pace hinzulegen."
PositionAthletinLandZeitMedaille
1.Pauline Ferrand-PrévotFrankreich1h 27m 33sGold
2.Eva LechnerItalien1h 30m 34sSilber
3.Rebecca McConnellAustralien1h 30m 34sBronze

Das Herrenrennen