World of Warcraft: Midnight ist der zweite Teil der Worldsoul-Saga
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Wie mich World of Warcraft: Midnight zurück zu Retail gebracht hat

Nach langer Zeit in World of Warcraft Classic, habe ich mich mit der neuen Erweiterung Midnight wieder zurück in die Retail-Welt begeben. Hier teile ich mit euch meine Erfahrungen.
Autor: Matthias Regge (@PrinnyTonic)
6 min readPublished on
Ich bin ehrlich. Zuletzt richtig in die Retail-Version von World of Warcraft war ich mit Battle for Azeroth investiert. Auch wenn die Erweiterung nicht der Favorit vieler Spieler:innen war, habe ich das Setting, Quests und Gebiete dennoch sehr genossen.
Mittlerweile verbringe ich meine Zeit in Azeroth meistens auf Classic-Era- und Hardcore-Servern. Das entschleunigte Tempo, das Gewicht meiner Entscheidungen während der Combat-Encounter und der stellenweise sehr ausufernde Grind sind für mich aus irgendeinem Grund immer noch Balsam für die Seele. Mein Happy-Place in Videospielform.
Dennoch haben einige Änderungen der aktuellen World of Warcraft-Erweiterung, Midnight, mein Interesse geweckt und ich habe beschlossen, dem Titel eine Chance zu geben.

Die große Add-On-Entschlackung

Das letzte Mal, als ich versucht habe, nach längerer Zeit wieder in World of Warcraft einzusteigen, hat mich eine Sache am Anfang so genervt, dass ich fast direkt aufgehört habe zu spielen: Ich musste erst einmal zig Interface-Add-Ons aktualisieren und einstellen. Manche waren nicht mehr unterstützt, andere haben ihre Funktionen geändert und das Resultat war, dass mein gesamtes UI auseinandergefallen ist.
Aktuell spiele ich World of Warcraft: Midnight und nutze tatsächlich kein einziges Add-On. Die neuen UI-Funktionen und die Möglichkeit, fast jedes Element auf dem Bildschirm genau so anzupassen, wie ich es benötige, hat den Drang, externe Tools zu nutzen, vollkommen eliminiert. Natürlich muss das keine universelle Wahrheit für jede Art von Spieler:in sein. Aber ich als jemand, der in der Vergangenheit Semi-Ernsthaft Raid-Content als Heiler gespielt hat, findet hier - nach aktuellem Stand - alle Werkzeuge, die ich benötige. Angefangen von anpassbaren Party-Frames, frei platzierbaren Unit-Frames und Aktionsleisten, bis hin zu einer eingebauten Click-to-Cast-Funtkion.
Der Interface-Manager in World of Warcraft: Midnight ist mächtig

Der Interface-Manager in World of Warcraft: Midnight ist mächtig

© Activision Blizzard

Es ist sehr angenehm zu wissen, dass ein zukünftiger Patch mein Interface nicht brechen kann und ich nicht 10 unterschiedliche Menüs aufrufen muss, um das Spiel für mich möglichst bequem zu gestalten.
Widereinstieg leicht gemacht
Dieser Punkt mag die Community etwas spalten, aber ein weiterer Aspekt, der sich mir immer wieder als Hürde präsentiert hat, wenn ich zu Retail World of Warcraft zurückkehren wollte, war die Komplexität meines Charakters. Wenn man primär Classic spielt, ist natürlich der Sprung in Klassen-Komplexität (auch in Hinblick auf die massiven Talentbäume) immens. Zudem weiß man auch nicht, wie sich eine Klasse eventuell spielerisch verändert hat, seit man das letzte Mal das Spiel angefasst hat.
Die Aufholerfahrung gibt euch einen Einblick in neue Mechaniken

Die Aufholerfahrung gibt euch einen Einblick in neue Mechaniken

© Activision Blizzard

Technisch gesehen hat sich daran nichts geändert. World of Warcraft: Midnight gibt sich aber mit einigen Funktionen wirklich Mühe, zurückkehrende Spieler:innen sanft zurück ins Spiel zu führen. Zum einen gibt es die Möglichkeit ein kleines Aufhol-Szenario zu spielen, das dazu dient, euch mit neuen Funktionen und eurer Fähigkeitsrotation vertraut zu machen. Für letzteres nutzt das Spiel eine Funktion, bei der es den optimalen nächsten Zauber oder Skill in eurer Aktionsleiste hervorhebt.
Ihr könnt euch nun Vorschläge für Skill-Rotationen anzeigen lassen

Ihr könnt euch nun Vorschläge für Skill-Rotationen anzeigen lassen

© Activision Blizzard

Optional bietet das Spiel nun auch eine Taste, welche euch die gesamte Rotation mit einer einzigen Aktion ausführen lässt. Dieses Maß an Kontrollverlust ist natürlich nicht etwas für jede:n Spieler:in, aber diese Mechanik ist vollkommen optional und kann von erfahrenen Azeroth-Gängern einfach ignoriert werden. Tatsächlich habe ich mich selbst aber dabei ertappt, wie ich für einfachen Story-Content auf diese Funktion zurückgegriffen habe, da Inhalt dieser Art ohnehin nicht spielerische Meisterleistungen erfordert.

Weniger Grind, mehr Story

In meiner World of Warcraft-Laufbahn habe ich die unterschiedlichsten Weisen erlebt, in denen mir die Geschichte einer Kampagne erzählt wird. Vom klassischen Lesen von Questtexten über erste Zwischensequenzen in der Game-Engine bis hin zu dedizierten Quests, die als Teil der Story markiert sind.
Mittlerweile erinnert die Erzählstruktur des Spiels sehr an den Ansatz, den Square Enix mit Final Fantasy 14 verfolgt. Ihr werdet anhand einer klar definierten Storyline durch die neuen Gebiete des Add-Ons geführt und erlebt dabei die Geschichte durch kleine Videos und mit Sprachausgabe unterlegten Dialogen, die auch während des Gameplays abgespielt werden. Auf diese Weise könnt ihr euch den Kontext der Geschichte erschließen, ohne Questtexte lesen zu müssen.
Halandra erinnert von den Vibes her an die Outlands

Halandra erinnert von den Vibes her an die Outlands

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Was dabei etwas verloren geht, ist das “stumpfe” abfarmen von Quests innerhalb eines Hubs. Für mich persönlich schade, da ich diesen Teil des Gameplays immer sehr genossen habe. Durch das alte Quest-Hub-System war ich gezwungen, mehr Zeit innerhalb einzelner Regionen zu verbringen, wodurch diese dann auch etwas mehr glänzen konnten. Nun fühlt es sich eher so an, als würde man in einem Vergnügungspark durch eine Attraktion fahren. Das Spieltempo, der Fortschritt und das Pacing der Story ist wesentlich höher - was einige Spieler:innen natürlich als positiven Aspekt wahrnehmen werden - aber gleichzeitig hat man auch nie das Gefühl, irgendwo wirklich anzukommen und zu verweilen. Sehr schade, denn die neuen Gebiete, welche ihr in World of Warcraft: Midnight besucht, sind erneut wunderschön designt. Besonders die mit Pflanzen überwucherte Heimatwelt der Haranir ist ein echter Hingucker.
Ganz ist das alte System der Quest-Hubs aber nicht verschwunden. Abseits der Story-Kampagne findet ihr auch zahlreiche Nebenquests, die ihr angehen könnt. Da man diese aber nicht benötigt, um das neue Maximallevel von 90 zu erreichen oder das Ende der Geschichte zu erleben, haben diese einfach nicht dasselbe Gewicht wie innerhalb des - nun - antiken Gameplay-Konzepts.

Willkommen zuhause!

Endlich ein bezahlbares Eigenheim!

Endlich ein bezahlbares Eigenheim!

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Was euch die Nebenquests allerdings bescheren werden, sind neue Einrichtungsgegenstände für eines der größten Features, die World of Warcraft seit langem hinzugefügt hat: Abenteurer:innen dürfen sich nun endlich häuslich in Azeroth niederlassen. Eine Funktion, die sich World of Warcraft-Spieler:innen schon seit jeher wünschen und in Spielen der Konkurrenz mehrfach ein Teil des Gameplays war.
Mit dem Bauplan könnt ihr euer Haus erweitern

Mit dem Bauplan könnt ihr euer Haus erweitern

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Als geübter Final Fantasy 14-Innenarchitekt war ich natürlich gespannt, wie World of Warcraft die Mechaniken des Bauens und Einrichtens angeht. Und tatsächlich war ich hier sehr positiv überrascht. Tatsächlich war ich über die Menge an Freiheit, mit der man den Grundriss und die darin platzierten Möbel individualisieren kann, fast schon schockiert. Mit wenigen Klicks konnte ich meinem kleinen Haus weitere Zimmer, Stockwerke und Treppenhäuser hinzufügen. Wände, Deko und andere Elemente durfte ich frei positionieren. Natürlich ist es immer noch möglich, Objekte innerhalb eines Rasters zu platzieren, was es vor allem für Einsteiger leicht macht, aber wer sich komplett künstlerisch austoben mag, dem sind hier keine Grenzen gesetzt. Problemlos konnte ich Gegenstände vergrößern, verkleinern, drehen und auf jegliche erdenkliche Art ohne Kollision ineinander schieben, um völlig eigene Kreationen zu erstellen. Und das nicht nur innerhalb meiner vier Wände, sondern auch außerhalb. So konnte ich mein gesamtes Haus in die Luft heben, um es auf Bäumen zu platzieren.
Möbel können frei skaliert und platziert werden

Möbel können frei skaliert und platziert werden

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Manchmal verändert sich die alte Liebe - und das ist gut so

Es sind manchmal einfach die kleinen Dinge, die einen Unterschied machen. Ich bin mir sicher, eingefleischte Retail-Spieler:innen sind auch nicht über alle Änderungen innerhalb von World of Warcraft: Midnight glücklich. Aber die Entschlackung der Aktionsleisten, die starken Interface-Werkzeuge und das großartig umgesetzte Housing haben mir endlich den Ruck verpasst, wieder einmal abseits von World of Warcraft Classic meine Zeit in Azeroth zu verbringen. Gerade nach Wochen voller Nervenaufreibender Hardcore-Sessions war es eine schöne Abwechslung einmal wieder einen Ritt auf der Story-Rolltreppe zu erleben. Natürlich muss sich für mich nun zeigen, wie die Dungeons und Raids langfristig unterhalten können. Aber bereits jetzt hatte Midnight für mich genug interessante Änderungen, um mich zum ersten Mal seit Shadowlands wieder längere Zeit zu fesseln.
Und entschuldigt mich - meine Bude braucht nun ein paar neue Möbel!