Nightlife

Agi Isaku: aus Liebe zu Basel

Agi Isaku ist seit 2010 Besitzer des Basler Clubs Nordstern. Mit Leib und Seele gibt er 24/7 alles für den Erfolg des Clubs.
Autor: Thierry Kuhnveröffentlicht am
Agi Isaku
Agi Isaku
Seit der Jahrtausendwende betreibt der Basler Agron Isaku professionell Nightlife. 2006 noch als externer Veranstalter im Nordstern, übernahm «Agi» 2010 den Club, der mittlerweile zu einer internationalen Elektro-Hochburg avancierte. Einiges hat sich seither getan – in- und ausserhalb des Nordsterns. Man habe mit allerlei Veränderungen zu kämpfen, vor allem auch gesellschaftlichen. «2010 konnte man noch beschwerdefrei feiern, aber heute ist alles auf Instagram und Facebook fokussiert.
Als detailverliebter Perfektionist zähle für den 37-Jährigen nach wie vor das ganze Package, von der Qualität der Musik bis zum Flyer – selbst wenn das Interesse der Gäste mehr und mehr schwinde. Agi steht dieser Entwicklung denn auch kritisch entgegen: «Die Leute gehen am Freitag an eine Bravo-Hits-Party und kommen am Samstag ins Nordstern. Aber nicht wegen Chris Liebing, sondern wegen des Hypes um Chris Liebing. Die Musik gerät in den Hintergrund – das ist verheerend für unsere Kultur.»
Einen Neuanfang in der Heimatstadt
Isaku wurde in Pristina geboren und kam als Vierjähriger in die Schweiz. Bereits mit 16 Jahren konnte sich der gelernte Disponent einem DJ-Duo anschliessen – notabene nicht als DJ – und im Nightlife Fuss fassen. Isaku hat seine Zwanziger in Zürich verbracht und seine Sporen zehn Jahre im Zürcher Nightlife verdient. Trotzdem ist er ans Rheinknie zurückgekehrt – aus Liebe. «Basel ist einfach einer der coolsten Orte Europas. Ich bin hier aufgewachsen – und will von hier auch nicht wieder weg.»
Dieses Vorhaben festigte sich nach sechs Jahren am Voltaplatz schliesslich endgültig im letzten Oktober: Agron Isaku ist mit seinem Nordstern auf das Basler Schiff beim Hafen Kleinhüningen umgezogen, weil die alte Location am Voltaplatz aufgegeben werden musste. Der Eigentümer hatte für die Räumlichkeiten Eigenbedarf angemeldet, laut Isaku seien diese aber nach wie vor leerstehend.
Die Challenge am Basler Hafen
Wegen des Umzugs habe man jetzt neue Herausforderungen zu bewältigen, denn der Basler Hafen sei als Clubbetreiber ein schwieriges Pflaster. «Im Vergleich zu anderen Häfen im Ausland ist unserer praktisch tot. Im Winter ist es vernebelt und recht düster – und das mit der Erreichbarkeit ist ohnehin schwierig.» Öffentliche Verkehrsmittel sind während der Öffnungszeiten des Clubs kaum in Betrieb. Zudem würden Taxipreise je nach Zielort schnell mal 50 Franken übersteigen, was das Ganze noch erschweren würde. Der Hafenplatz hätte aber auch seine Vorteile: «Man darf nicht vergessen, dass wir als Schiff mobil sind. Wir können nach Berlin, London oder New York – und theoretisch alle Wasserstrassen der Welt bereisen.»
Wenn es nach Agi geht, hätte er denn auch in jeder anderen Stadt viel mehr Erfolg gehabt – aber eine Herzensangelegenheit bleibt eine Herzensangelegenheit. «Ich möchte, dass Basel weiterkommt, weil das Potenzial nach wie vor riesig ist.»
Ein umtriebiger Macher
Er für seinen Teil probiere diverse Projekte unabhängig von seinem Club zu lancieren, so Isaku. Sei es mit der Fondation Beyeler oder Art Basel, der Mdrnty Cruise in Ibiza, dem Openair Frauenfeld oder dem Polaris Festival in Verbier – bei ihm kommen stets neue Facetten hinzu. Er sieht seine Lebensaufgabe nun darin, das Hafengebiet zu beleben und aufzuwerten. Und immer wieder fasst er seine Ambitionen in einem Wort zusammen: Kämpfen. Überhaupt sieht er sein Kämpferherz und seine Ausdauer als sein Erfolgsrezept.
Angemerkt sei: In der Stadt Basel wird Vieles richtig gemacht. Mit nur rund 200'000 Einwohnern kann Basel im Clubbing-Bereich – auch dank des Nordsterns – locker mit Metropolen wie Berlin oder Paris mithalten. Im Jahr 2014 hat Basel im Skyscanner-Ranking gar als drittbeste Clubbing-Stadt abgeschnitten – was wiederum dem Nordstern zu verdanken war.
Agi Isaku vor dem leerstehenden Nordstern.
Agi Isaku vor dem leerstehenden Nordstern.
Der Clubbetreiber hat auf dem Schiff aus dem Vollen geschöpft und der Soundanlage und den akustischen Massnahmen ein weiteres Upgrade verpasst – millimetergenau. «Es ist mittlerweile eines der besten Soundräume der Welt. Viele grosse DJs, die hier gespielt haben, bestätigen das immer wieder. Da steckt schon viel Knowhow und Leidenschaft dahinter, das darf man so sagen.»
Erst letzten Monat postete Techno-Papst Sven Väth ein Bild auf seinem Instagram-Profil und huldigte dem Basler Club und dessen Innovativität – was der neutrale DJ bei Institutionen grundsätzlich nur selten macht. Agi meint dazu nur lachend: «Schade, dass viele Einheimische es nicht ähnlich sehen. Ich sollte eigentlich von Basel Tourismus Lohn erhalten. Nicht selten habe ich schliesslich als Reiseführer grosse DJs durch die Altstadt und Museen geführt.»