Die Chicken Whisperers bei ihrem Rekordflug.
© Justin Kosman/Red Bull Content Pool
Red Bull Flugtag

Wie man das perfekte Flugzeug für den Red Bull Flugtag baut

Carbonfaser, Holz, Aluminium? Leichtes Gewicht, solider Bau, Abflug: Bob Parks, Rekordhalter beim Red Bull Flugtag, gibt euch die besten Tipps wie man ein gutes Flugzeug baut.
Autor: Paul Gallo
veröffentlicht am
2013 bricht das Team Chicken Whisperers mit Laura Shane, Nate Herse, Bob Parks, Zach Hazen und Michael Sherback den Weltrekord am Red Bull Flugtag.
Innerhalb von zwei Monaten bauten die Küken ein Flugobjekt, das weiter geflogen ist als jedes andere in der Geschichte dieses absolut irrsinnigen Wettkampfs. Zur Erinnerung: Das Ziel ist es ein nicht motorisiertes Flugobjekt zu entwerfen, bauen und fliegen, das so lange wie möglich der Schwerkraft trotzt.
Natürlich ohne dabei auf Unterhaltungswert und eine ordentliche Portion Irrsinn zu verzichten – denn nur so zieht man die Aufmerksamkeit der Jury und Zuschauer auf sich. Eine Sache, die keine Frage des Geschmacks ist, ist die Flugdistanz. Das Flugzeug der Küken schaffte es, ganze 79m über das Wasser zu fliegen.
Wir sind alle ausgebildete Ingenieure, einige von uns sogar Piloten. Zach und ich sind in der Entwicklung von Flugzeugen spezialisiert.
Bob Parks, Mitglied der Chicken Whisperers
Wir haben also Bob Parks, eines der Mitglieder der Chicken Whisperers gefragt, wie man ihre Leistung erreichen, wenn nicht sogar toppen kann.
An alle Freunde des Fliegens und Hobbybastler, die ihr Können am Red Bull Flugtag unter Beweis stellen wollen, diese Anleitung ist für euch.

Ein klares Bild von seinem Flugzeug haben

Aerodynamik, Bau, Stabilität und Steuerung: Alles ist wichtig.
Fangen wir von vorne an: Eure Maschine darf keinen Motor haben, nicht breiter als 5m (Flügelspitze zu Flügelspitze) und nicht länger als 6m sein. Das Flugzeug mit dem Piloten darf nicht schwerer als 180kg sein. Das vollständige Regelwerk findet ihr hier.
Wenn das alles klar ist, geht’s ans Design der Maschine. Eine riesige Popcorn-Schüssel, eine überdimensionale Seife, Red Bull Dose, T-Rex? Überrascht die Jury mit einem Konzept, das zu euch passt.
Um Show mit Flugdistanz zu vereinen, denkt an eine aerodynamische Form mit möglichst grossem Auftrieb. Je mehr Luft nach unten getrieben wird, desto höher gehen die Flügel. Unter dem Strich eine ziemlich logische Rechnung.
“Weil am Red Bull Flugtag die Spannweite eurer Flügel relativ klein ist, müsst ihr umso schneller sein, um fliegen zu können,“ erklärt Bob Parks, Flugzeugentwickler bei Boeing und Mitglied der Chicken Whisperers.
Kleiner Tipp: Bevor ihr euer Flugobjekt baut, macht ein Modell mit Funksteuerung. So versteht ihr die Grundprinzipien des Fliegens besser, was euch deutlich bei der Konstruktion helfen wird.

Sein Flugzeug bauen

Leicht und stabil, das sind die grundlegenden Attribute. Da ihr euer Flugobjekt von Anfang bis Ende selber baut, (kommt schon gar nicht auf die Idee, ein bestehendes Flugzeug oder einen Hanggleiter umzubauen) müsst ihr schlau sein.
Beginnt mit einer Holzstruktur – als Inspirationsquelle können euch da die Flugzeuge aus Holz aus den 1920er Jahren dienen (wie die von Savoia-Marchetti, zum Beispiel) oder mit Aluminiumrohre. Diese Materialien sind einfach zu finden und zu bearbeiten. Zudem sind sie nicht allzu teuer.
Carbonfaser oder Glasfaser haben zwar eine höhere Qualität, sie sind aber auch anspruchsvoller. Ein zu grosser Aufwand für ein Flugobjekt, das im Wasser endet. Um leichte und glatte Flügel zu erhalten, ist eine Abdeckung mit Mylar-Schrumpffolie nach wie vor die beste Option. Aber es braucht eine gewisse Erfahrung, das Mylar richtig zu schrumpfen.
Beim Red Bull Flugtag springt ein Teilnehmer mit einem Flugobjekt in Form eines Pferdes ins Wasser.
Beim Red Bull Flugtag können die Pferde schon einmal durchgehen
“Die Struktur von unserem Flugzeug war sehr einfach. Wir haben es relativ schnell mit Aluminiumrohren gebaut. Die Tragfläche bestand aus einer Mylar-Beschichtung,“ erzählt Bob Parks.

Sein Flugzeug zum Fliegen bringen

Der Take-off ist entscheidend. Wichtig ist es, so viel Geschwindigkeit wie möglich aufzubauen. Aber bleiben wir realistisch: Wenn Menschen die Stosskraft ausmachen, dann wird man 7m/Sekunde, bzw. 25km/h nicht überschreiten. Das ist der Moment, wo der Startwagen Sinn macht. Er verleiht der Startplattform (6m Höhe) zusätzliche Höhe, wodurch mehr Geschwindigkeit aufgebaut werden kann. Aber Achtung: Die Höhe eurer Struktur darf 1.5m nicht überschreiten. Sicherheit verpflichtet.
Wenn ihr weit fliegen wollt, kann es sich auszahlen, die Räder vom Flugobjekt zu trennen. Macht, wenn möglich, vor dem Event einen Testflug. Dann könnt ihr die Einstellungen verfeinern und den richtigen Schwerpunkt ausmachen. Das ist der Gleichgewichtspunkt des Flugzeugs – ein wesentlicher Faktor für den bereits oben erwähnten Auftrieb.
Wenn alle diese Faktoren berücksichtigt sind, müsst ihr nur noch den Luftwiderstand des Piloten optimieren. In der Hocke muss er darauf achten, dass er so wenig Widerstand wie möglich ausmacht.
“Das Wetter ist ebenfalls wichtig. Wir hatten einen Gegenwind der Stärke 6km/h, was die Wasserlandung erleichterte, aber die Flugdistanz um rund 20% reduzierte. Zum Glück, denn sonst wäre Laura [die Pilotin, ndlr] auf einem Segelmast gelandet,” erklärt Bob Parks.