Productivity

Die Bewegungsmelder

Um die Sicherheit von Grossereignissen zu erhöhen, haben zwei ETH-Informatiker eine Software zur Analyse von Menschenmassen entwickelt. Am Kickstart Accelerator Programm feilen sie am Businessmodell.
Autor: Joel Bedetti
3 min readPublished on
(v.l.n.r.) Feese und Blanke in ihrem Büro

(v.l.n.r.) Feese und Blanke in ihrem Büro

© Flavio Leone/Red Bull

«Bisher haben wir vor allem an der Idee getüftelt», sagt Ulf Blanke, «und die kommt hier super an!» Sebastian Feese grinst. «Jetzt kommt das Geschäftsmodell an die Reihe. Da müssen wir noch testen und anpassen.» Aber immerhin, fügt er an, stünden die anderen vor denselben Herausforderungen.

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Seit fünf Wochen sind die ETH-Informatiker Sebastian Feese und Ulf Blanke mit ihrem Startup Antavi im elfwöchigen Kickstart Accelerator Programm des Wirtschaftsverbands digitalswitzerland und Impact Hub Zürich. Mit 28 anderen Startups bevölkern sie das ehemalige ewz-Unterwerk Selnau in der Zürcher Stadtmitte, das mittels gestapelter Schiffcontainer mit Glastüren, Teppichen und Sesselgruppen zum Startup-Hub "Kraftwerk" umfunktioniert wurde.
Für ein kreatives Arbeitsumfeld wurde gesorgt

Für ein kreatives Arbeitsumfeld wurde gesorgt

© Fabio Leone/Red Bull

Die Co-Gründer treffen hier professionelle Investoren, besuchen Workshops und freunden sich mit anderen Startuppern an, die an ihren Ideen für die Zukunft brüten.
Feeses und Blankes Startup kann Menschenleben retten. Sie haben eine Software entwickelt, dank der man in Echtzeit sieht, wie sich Menschenmassen an Grossevents bewegen. Getroffen haben sich die beiden Informatiker am „Wearable Computing Lab“ der ETH. Blanke leitete damals gerade ein Forschungsprojekt, welches eine App für das Zürifäscht 2013 entwickelte. Dank Gadgets wie einem Friendfinder luden rund 70’000 Festbesucher die App herunter. Damit gaben sie Blanke und seinem Team Zugriff auf ihre Bewegungen. Nach dem Zürifäscht konnten die ETH-Forscher dem OK-Präsidenten die Bewegungsströme der Besucher aufzeigen:
Quotation
Er sass ganz baff vor dem Bildschirm. So habe er das Fest noch nie gesehen.
Ulf Blanke
Wenig später beschlossen Blanke und Feese, der bei der Datenauswertung in das Projekt eingestiegen war, ein Startup zu gründen. Ihre Idee: Die Software weiterentwickeln und die Analyse weiteren Grossevents anbieten.
Davon haben sie viele: Brainstorming-Sessions

Davon haben sie viele: Brainstorming-Sessions

© Flavio Leone/Red Bull

Dank einem Pioneer Fellowship der ETH von CHF 150'000.00 konnten sie ihre Methode weiterentwickeln. Beim Zürifäscht von 2016 war die App dann im Stande, die Bewegungen der Besucher in Echtzeit zu übermitteln. Die App war zudem Teil des Sicherheitskonzeptes. Neu konnten die App-Nutzer nun selbst sehen, wo man Freiraum oder Gedränge erwarten konnte.
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So gibt man auch Verantwortung an die Nutzer zurück.
Sebastian Feese
In diesem Jahr konnten sie bereits einen grossen Kunden von der Idee überzeugen: Für die offizielle Oktoberfest-App entwickeln sie eine Software, mit der man die Belegung der Bierzelte messen kann. Künftig könnte man damit nicht nur Bewegungen bei Grossveranstaltungen, sondern auch alltägliche Menschenbewegungen im öffentlichen Verkehr messen. «Wir machen Quantified Self für die Stadt», sagt Blanke.
Im Gespräch mit potenziellen Kunden

Im Gespräch mit potenziellen Kunden

© Flavio Leone/Red Bull

Doch dazu brauchen sie zusätzliche Programmierer und Marketingleute. Deshalb überlegen sie sich, in einigen Monaten einen Investore an Bord zu holen. Üben können sie schon mal Mitte Oktober, wenn sie am „Demo Day“, dem Finale des Kickstart Accelerator, ihr Geschäftsmodell einer Jury aus professionellen Investoren pitchen werden. Dem Gewinner-Startup winken 25’000 Franken. «Aber wir sehen uns nicht als Konkurrenten», sagt Sebastian Feese im Kraftwerk Selnau. «Wir sehen das hier als einmalige Erfahrung.»

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