Motoring

Dean Treml: “Man muss überall zu gleich sein”

© Dean Treml / Red Bull Content Pool
Der Fotograf Dean Treml hat für Red Bull schon drei Ausgaben des Red Bull Alpenbrevets fotografiert. Sein Lieblingsbild stammt aus dem Jahr 2018. Es ist schwarz-weiss und verbindet Welten.
Autor: aufgezeichnet von Susanne Loackerveröffentlicht am
Fotograf Dean Treml hat bereits mehrer Ausgaben des Red Bull Alpenbrevets begleitet. In "Behind the Shot" erzählt er die Geschichte hinter einem ganz besonderen Bild:
“Ich bin in Neuseeland aufgewachsen. Da gibt es keine so sichtbare Töffli-Kultur wie in der Schweiz – bei Sammlern vielleicht, aber nicht bei normalen Jungs. Ich selbst hatte verschiedene Motorräder. Das, was einem Töffli am nächsten kam, war ein Scooter, eine Suzuki 125.
In den Jahren 2013, 2018 und 2019 habe ich am Red Bull Alpenbrevet fotografiert. Wenn ich am Red Bull Alpenbrevet fotografiere, bin ich meistens selber auch auf einem Motorrad unterwegs, allerdings auf dem Rücksitz mit Blick nach hinten. Ideal ist es, einen Fahrer zu haben, der gut mit unvermittelten und unlogischen Anweisungen umgehen kann: “Rechts! Stop! Nein, weiter!”.
Ideal ist es, einen Fahrer zu haben, der gut mit unvermittelten und unlogischen Anweisungen umgehen kann.
Dean Treml
Ich fotografiere dann, ohne abzusteigen. Ich habe auch schon versucht, selber zu fahren. Das gibt mit zwar mehr Bewegungsfreiheit, aber dafür muss ich jedes Mal absteigen und das Töffli abstellen, wenn ich ein Bild machen möchte, und mich innert Sekunden vom Fahrer zum Fotografen wandeln. Das ist bei den 800 bis 1000 Bildern, die ich an so einem Tag mache, schier unmöglich.

"Das Haus, das Hödi, die Bärte..." - Tremls Lieblingsbild ist typisch schweizerisch

Mein Lieblingsbild vom Red Bull Alpenbrevet stammt aus dem Jahr 2018. Zwei ältere Herren sitzen irgendwo in der Gegend um Sarnen auf ihrer Veranda vor einem alten, hölzernen Bauernhaus. Daneben steht ihr eigenes Töffli. Ich war bergaufwärts unterwegs und habe sie erst im allerletzten Moment gesehen. Ich stellte das Mofa ab, ging hin und fragte, ob ich von ihrem Grundstück aus ein paar Bilder machen dürfe. Für mich ist das eine absolut typisch schweizerische Szene: das Haus, das Hödi, die Bärte… Fehlte bloss noch, dass sie gerade Käse gegessen hätten.
Dean Tremls Bild eines alten Manns und seins Töfflis beim Red Bull Alpenbrevet.
Der alte Mann und das Töffli.
Die grössten Herausforderungen beim Red Bull Alpenbrevet sind zum einen das Wetter und zum anderen die Tatsache, dass man eigentlich überall zugleich sein muss. Das Wetter kann in diesen Regionen recht rasch umschlagen. Das ist zwar ein bisschen anstrengend, macht die Bilder aber auch interessanter, weil dann nicht alle die selbe Stimmung haben.
Es kommt vor, dass mir eine Stelle vom Licht oder von der Atmosphäre her super gut gefällt, aber dann kommt und kommt kein Töffli.
Dean Treml
Ausserdem möchte ich den Start fotografieren, dasFinish, und unterwegs gibt es auch immer viele tolle Stellen, an denen ich Fotos machen möchte. Ich bewege mich also permanent hin und her und vor und zurück. Es kommt vor, dass mir eine Stelle vom Licht oder von der Atmosphäre her super gut gefällt, aber dann kommt und kommt kein Töffli. Wenn ich mich dann entscheide, die Location zu wechseln, kommt aber sicher grad in dem Moment ein Fahrer um die Kurve. Man ist also dauernd mit sich selber im Clinch.

Schau dir hier die schönsten Bilder vom Red Bull Alpenbrevet 2018 an:

Was mir am Alpenbrevet am besten gefällt, sind die Menschen. Das gilt für viele Anlässe, aber hier ist es ganz besonders. Es geht hier ja für einmal wirklich nicht darum, zu gewinnen, sondern um zusammen einen tollen Tag zu erleben. Ein bisschen Wettkampf-Feeling ist spürbar, aber in einem reduzierten, angenehmen Mann. Die Fahrerinnen und Fahrer geniessen das Feeling, teilen ihre gemeinsame Faszination für alte, kleine Töfflis, die sich langsam die Berge hinaufkämpfen. Dazu haben alle lustige Kostüme an. Und alle grinsen die ganze Zeit! In solchen Situationen sieht man praktisch nichts Negatives, das tut einem richtig gut. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, selber einmal mitzufahren. Die Kollegialität, aber auch die verschiedenen Herausforderungen – und das erste Bier nach der Ziellinie schmeckt sicher göttlich.”