Fixed Gear

«Am Simplon prallen Welten aufeinander»

© Phil Gale / Red Bull Content Pool
Für sein neuestes Projekt machte sich Patrick Seabase auf, fünf Schweizer Pässe zu erobern - mit nur einem Gang, ohne Bremse. Am Simplonpass entstand ein ikonisches Bild durch Fotograf Phil Gale.
Autor: Red Bull Schweizveröffentlicht am
Patrick Seabase hat 2015 seine «Seabase 1910 Challenge» bestritten: Mit einem Fixed Gear Bike, einem einzigen Gang und ohne Bremsen, fuhr der Berner über fünf Pyrenäen-Passe. 309 Kilometer, 7611 Höhenmeter, 12 Stunde und 54 Minuten.
Schon damals war der Fotograf Phil Gale dabei. Nun hat der Fotograf den Athleten noch einmal begleitet. Bei einem Projekt, das wenn möglich noch krasser war als das von 2015: Fünf Schweizer Pässe dieses Mal, Grimsel, Simplon, Gotthard, Furka und noch einmal Grimsel. Das Total: 8500 Höhenmeter auf 325 Kilometern.
Fixed Gear · 24 Min
UnBRAKEable
«Ich habe Patrick im Jahr 2014 kennen in Sizilien gelernt. Er kam mir als extrem energiegeladen rüber. Wir sassen im Taxi, am Radio lief «Closer» von Nine Inch Nails, und wir rasten durch die Strassen von Palermo. Ich sehe das heute noch vor mir, höre das Autoradio.
Mit der Zeit habe ich Patrick dann auch persönlich näher kennen gelernt, vor allem während seiner ‘1910 Fixed Gear Challenge’, bei der ich ihn über fünf Pyräneen-Pässe begleitete. In dieser Zeit ist aus einer normalen Sportler-Fotograf-Beziehung eine Freundschaft geworden. Nun haben wir uns für sein jüngstes Projekt mit Red Bull wieder getroffen. Diesmal ging die Reise über fünf Schweizer Pässe.
Der Simplon, den man auf dem Bild sieht, war schon die zweite grosse Steigung des Tages. Wir waren morgens um drei Uhr in Meiringen aufgebrochen, bei einer Temperatur von drei Grad. Der Grimsel lag noch im Dunkeln, als Patrick drüberfuhr. Das macht sich auf Fotos leider nicht so gut….
Die Sonne ging auf, als wir in Brig waren. Auf dem Weg zum Simplon hinauf tanzte Patrick buchstäblich aus den Wolken und wieder hinein. Es war ein dauerndes Wechselspiel. Auch an einem wolkenlosen Tag ist die Ganterbrücke extrem eindrücklich – man fragt sich dauernd, wie die Menschen es fertiggebracht haben, dort eine Brücke zu bauen. Aber an dem Tag, als wir dort waren, war es wegen der Wolken noch viel spektakulärer. Ausserdem hatten wir enormes Glück, weil für einmal keine Lastwagen unterwegs waren. Für mich ist diese Brücke der Inbegriff des Clashs von menschgemachter Architektur und der schieren Grösse dieser Berge. Man kommt sich plötzlich unendlich klein vor.
Hier prallen buchstäblich Welten aufeinander. Und Länder: Der Simplon ist ja die Grenze zwischen der Schweiz und Italien. Wenn man mit dem Zug oder dem Auto über oder durch die Alpen fährt, ist einem das gar nicht so bewusst. Aber während der Challenge mit Patrick sah ich deutlich, wie der Deutschweizer Einfluss von Tal zu Tal schwächer wird, der französische stärker, um dann auf der anderen Seite des Simplon vom italienischen Einfluss abgelöst zu werden. Die Ganterbrücke ist für mich das Symbol dieses Kulturwandels.
Als wir auf der italienischen Seite waren, betrug die Temperatur 27 Grad, 24 mehr als beim Start in Meiringen am gleichen Morgen. Es war ein epischer Tag.»
Patrick Seabase: “Die Strasse hinauf von Brig auf die Simplon-Passhöhe hat eine grosse persönliche Bedeutung für mich. Mehr als zwanzig Mal habe ich diese Bergstrasse von der dieser Seite befahren - die Ganterbrücke versetzt mich bei jedem Aufstieg in Staunen. Es war ein atemberaubender Moment, welchen ich an diesem Tag geniessen durfte. Die ideale Symbiose zwischen monumentaler Architektur und ätherischer Wetterstimmung. Genau das sind die Impression, für die ich auf dem Rad sitze.”