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Rap aus Bern: 11 Künstler, die du kennen musst

© Cobee
Von Polit-Rap über lebensfrohe Pop-Experimente bis hin zu futuristischem R’n’B: Keine Schweizer Stadt hat eine derart grosse Rap-Vielfalt zu bieten wie Bern.
Autor: Luca Thomaveröffentlicht am
Bern ist nicht nur die politische, sondern auch die musikalische Hauptstadt der Schweiz. Nirgendwo wird mit soviel Herzblut Musik gemacht wie hier. Eine jahrzehntelange Chanson-Tradition und das dynamische kulturelle Umfeld rund um das autonome Zentrum Reitschule beeinflussen auch die Rap-Szene, die eine beeindruckende Vielfalt zu bieten hat. Egal ob witzige Geschichten aus dem Alltag, politische Standpauken, Pop-Experimente oder futuristische Soundentwürfe – in der 130’000-Seelen-Stadt findet man alles, was das Herz begehrt.
Zusammen mit ihren Gästen produzierten Hainan neue Songs
Voller Fokus auf Kreativität: Hainan, Dawill und Cobee

Eldorado FM

Eldorado FM: Das bedeutet eine unvergleichliche Mischung aus Mixtape-Kultur, steilen Witzen und politischer Kante. Für viele Rap-Fans in der Schweiz verkörpern Manillio, CBN, Tommy Vercetti und Dezmond Dez das Ideal einer Rap-Kombo: Vier eigenständige Charaktere, die sich gegenseitig zu Höchstleistungen pushen. Tommy Vercetti gilt für viele Fans als der beste Rapper und das politische Gewissen des Landes, Dezmond Dez besticht durch Stilsicherheit und Wortwitz, CBN begeistert durch verschachtelte Poesie und Manillio ist vom Hitparaden-Potential gesehen zwar der grösste Rapper der Crew, spart sich seine verkopften und nerdigen Bars aber immer für die Eldorado-Platten auf. Zusammen sorgen die vier Rap-Legenden immer wieder für Furore. Ihre Weihnachtskonzerte im Berner Bierhübeli sind mittlerweile eine moderne Pilgerstätte für Rap-Fans aus der ganzen Schweiz geworden.

Chlyklass

Die Chlyklass ist nichts weniger als eines der prägendsten Kollektive der Schweizer Rapgeschichte. Während einzelne Künstler aus den Reihen des Berner Movements wie Greis und Baze auch als Solo-Acts Geschichte schrieben und Sub-Kollektive wie Wurzel 5 und PVP ebenfalls die Szene aufmischten, blieb die Chlyklass immer so etwas wie das Mutterschiff und der Dachverband dieses wild gemischten Haufens an Vollblutrappern, die in den 2000er-Jahren die «goldene Ära» des CH-Raps prägten. Auch wenn es die etwas in die Jahre gekommenen Mittvierziger mittlerweile etwas langsamer angehen lassen, sind die regelmässig erscheinenden Alben weiterhin kreative Höhepunkte im Schweizer Rap.

Nativ

Nativ aka Thierry Gnahoré ist die Ikone einer ganzen Generation. Gemeinsam mit seinem Homeboy Dawill rief er Ende 2015 mit S.O.S. (Saviours of Soul) eine Rap-Bewegung ins Leben, die ganz Bern elektrisierte. Die beiden MCs und ihr Umfeld stehen nicht nur für grossartige Musik, sondern auch für gute Mode und eine antikommerzielle Lebenseinstellung. Seit einigen Jahren gehen sie getrennte Wege, doch Nativ bleibt als Solo-Künstler einer der stilprägenden Köpfe im Schweizer Game. Sein Charisma, seine Wandelbarkeit und die Energie, die er in seine Musik steckt, bleiben unerreicht.

Dawill

Seit der Distanzierung von Nativ ist Dawill etwas lockerer unterwegs, lässt aber weiterhin auch immer wieder politische und sozialkritische Inhalte durchscheinen. Seine Diskographie ist wunderbar abwechslungsreich und in einem Punkt sind sich alle einig: Der Typ hat einfach Swagger wie kein zweiter.

COBEE

Der Schützling von Nativ und Dawill brachte die Cyberpunk- und Kurt-Cobain-Attitüde ins Schweizer Rapgame. Nachdem er mit dem Szene-Hit «Trink mit mir» den Durchbruch schaffte, legte er mit «Chaos» ein Album vor, das bereits nach zwei Jahren als Klassiker der neusten Rapgeschichte gilt. Was Cobee ausmacht, sind die fehlenden Scheuklappen und der Mut zum Seelenstriptease.

Steff La Cheffe

Sie ist eine der wichtigsten Pionierinnen für Female Rap in der Schweiz. Während andere weibliche Rapperinnen auf Conscious Rap setzten und das patriarchale System attackierten, trumpfte Steff La Cheffe lieber durch Lebensfreude und eingängige Melodien auf. Der Erfolg gibt ihr Recht. Songs wie «Ha ke Ahnig» geniessen bereits heute Kultstatus.

Lo & Leduc

Vom Lehrerzimmer in die Charts: Die Story von Lo & Leduc ist eine Erfolgsgeschichte, die in der Schweizer Urban-Szene ihresgleichen sucht. Nach jahrelangem Mixtape-Hustle mischen Freestyle-Schweizermeister Lo und der quirlige Leduc mit ihrem Mix aus raffinierten Texten und catchy Melodien die Schweizer Hitparaden auf. Ihr Song «079», der im Rahmen eines Mixtapes auf den Markt kam, entwickelte sich zum Sommerhit des Jahres und ist charttechnisch betrachtet der erfolgreichste Song der Schweizer Musikgeschichte. Dass im Kielwasser des Erfolgs die üblichen Selloutvorwürfe laut wurden – geschenkt. Lo und Leduc bleiben Hip-Hop to the fullest und flexen auch heute noch jeden Dummschwätzer vom Parkett.

Chaostruppe

Gnadenlos politisch, witzig und kompromisslos, hat sich das linksalternative Kollektiv seinen festen Platz in der Berner Szene erobert. Der Sound der Chaostruppe ist im wahrsten Sinne des Wortes für die Strasse gemacht.

Josha Hewitt

Josha Hewitt hat sich das Prädikat «most underrated» in Bern – wenn nicht in der ganzen Schweiz – redlich verdient. Vor über fünf Jahren steppte er als lebensfroher Grime-Boy unter dem Pseudonym Ab Arel in die Szene und flexte alles weg, was nicht niet- und nagelfest war. Gefühlte hundert Wiedergeburten und zwanzig Mixtapes später macht er den mitunter spannendsten Future-R’n’B der Schweiz und tanzt weiterhin musikalisch auf allen nur denkbaren Hochzeiten. Seine Sprunghaftigkeit verhinderte bis anhin den grossen Durchbruch. Doch Kenner sind sich alle einig: Josha ist ein absolutes Ausnahmetalent.

Hainan

Levin Dennler, seines Zeichens der Hausproduzent von CBN, und Juri Mischler, der mit seinem gehypeten Rap-Kollektiv Iwan Petrowitsch in den frühen 2010er-Jahren für Furore sorgte, fanden 2017 auf der südchinesischen Insel Hainan zusammen, um ein gross angelegtes Mundartpop-Experiment mit HipHop-Flavour zu wagen. Seit dem Album-Release 2018 ist klar: Hainan steht für eigenständigen Sound am Puls der Zeit mit emotionalen und bildstarken Texten.
Ob es noch ein zweites Album von den beiden Tüftlern geben wird, steht derzeit in den Sternen. Ihre breitgefächerte Fanbase würde es sicher freuen.

Ben Whale

Dass Ben Whale derzeit mit Josha Hewitt an neuem Sound tüftelt, passt wie Faust auf Auge. Wie sein Bruder im Geiste ist auch der gutgebaute Berner Frauenschwarm ein Ausnahmekünstler, der nicht nur wunderschön singen kann, sondern auch Texte schreibt, die die grossen Themen des Lebens anschneiden und völlig kitschfrei direkt ins Herz gehen.