Wer kennt das Gefühl nicht? Einfach alles liegenlassen und sich ins Ungewisse stürzen wollen. Aufwachen wo man will, die Sonne im Gesicht spüren und jeden Tag etwas Neues erleben. Kein Wunder, dass umgebaute Wohnmobile gerade voll im Trend liegen und diese Art des Reisens zur einer der beliebtesten wurde.
Aber wie wird der gebrauchte Lieferwagen zum ultimativen Abenteuerheim auf vier Rädern? Wie steht es mit Komfort und Funktionalität? Kurz gesagt: Wie wird dein Auto zum Zuhause für unterwegs?
Auch wenn sie fantastisch aussehen, sind VWs nicht immer die beste Wahl
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Diese Fragen haben wir Naomi Fiddes-Baron von Quirky Campers, Katie Bessert von Vanlife Customs, Camper-Urgestein Georgina Jackson von 2travlrs.com und Dale Barlow von DB Campers gestellt. Alle sind sie absolute Experten für den Umbau von Campervans und sie haben die nötigen Tipps und Tricks parat. Hier ein kleiner Vorgeschmack darauf, was alles möglich ist...
1. Je quadratischer, desto besser
Auch wenn dein Herz vielleicht für einen richtigen oldschool VW-Bus schlägt, sind sie im Vergleich mit einem moderneren Van tatsächlich recht klein. „In einem Camper müssen die unterschiedlichsten Dinge Platz haben," sagt Naomi. Wenn es also darum geht, so viel Stauraum wie möglich zu schaffen, dann gilt folgendes: Je quadratischer das Auto, desto besser.
Statt einem alten VW-Camper könntest du dir den neueren VW Transporter einmal näher anschauen. Aber Naomi hat noch mehr Asse im Ärmel: „Ein Peugeot Boxer ist ein gute Option mit mittlerem Radstand, ein Renault Trafic mit Hochdach eine exzellente Wahl, wenn es etwas kleiner sein darf und nicht fehlen darf natürlich der allseits beliebte Klassiker - der große Mercedes Sprinter. Der 4x4 Sprinter ist das Abenteuer-Auto der Träume, mit dicken Reifen und hervorragenden Fahreigenschaften lässt er dich so gut wie nie im Stich. Egal, auf welchem Terrain.
2. Mindestbudget 6000 €
„Wie hoch auch immer dein Budget sein mag, checke vorher immer Kilometerstand, die Geschichte des Autos, Rostflecken, Unterboden und Paneele!" „Je niederiger der Kilometerstand, desto besser - ich würde mich wahrscheinlich immer (abhängig vom Modell) für ein älteres Auto mit weniger Kilometern drauf entscheiden. Für zirka 6.000 € bekommst du sicher schon etwas Anständiges. Für einen drei bis fünf Jahre alten, mittelgroßen Van mit niedrigem Kilometerstand solltest du aber eher mit 12.000 € rechnen."
3. Nur nichts überhasten
„Vorausplanung ist alles," sagt Katie. „Das letzte was du beim Umbau haben willst, ist, dass du alles wieder rückgängig machen musst, weil du einen Arbeitsschritt vergessen hast. Leg dir also unbedingt einen guten Plan zurecht. Das spart Zeit und auf lange Sicht auch Geld."
Für einen professionellen Umbau solltest du um die sieben Wochen einplanen, um alles zu installieren - von Lüftungsventilatoren, Beleuchtung, Bettrahmen, bis hin zur Küchenzeile. „Verwende qualititv hochwertige Materialien. Du wirst es sonst später bereuen," fügt Katie hinzu. „Um einen gewissen Standard zu erreichen, sollte man keine Kompromisse eingehen."
4. Euro-Container als Schubladen
Bei manchen Dingen kannst du allerdings sehr wohl auf billige Materialien zählen. „Eines der besten Dinge, die wir bei unserem Umbau verwendeten, waren robuste Euro-Container, die wir zu Schubladen umfunktionierten. Sie sind günstig und man bekommt sie überall, das heißt man kann sie jederzeit ersetzen und austauschen. Die Tatsache, dass die Container aus Plastik bestehen, bedeutet, das sie super einfach zu reinigen sind. Und du wirst froh sein darüber, wenn du einmal mit dreckigen Sachen zum Camper kommst und danach nicht gleich den ganzen Holzboden abschleifen, sondern nur die Kunststoff-Container putzen musst. Außerdem sind sie extrem vielseitig. Du kannst sie ganz easy herausnehmen und deinen Wetsuit darin auswaschen - oder du nimmst sie als Duschwanne."
5. Fundgruben für brauchbare Dinge
Wenn dir Plastikcontainer zu schwer oder zu groß sind, schlägt Dale ein paar Alternativen vor, wie Seitentaschen unter Waschbecken und Bett. Oder du verwendest eine Spülschüssel, die du jederzeit für andere Dinge nutzen kannst. „Spülschüsseln und Gefäße jeder Art sind wahre Allrounder," sagt Dale. „Keksdosen, die mit der Arbeitsplatte verschraubt sind, verleihen der Küche Charakter und Farbe und eignen sich perfekt zur Aufbewahrung von Utensilien."
Einer seiner Lieblings-Hacks ist die Umgestaltung des Gewürzregals zu einem multifunktionalen Board, auf dem alles von Handy bis hin zu USB-Anschlüssen Platz findet. Unverzichtbar für den modernen Campervan!
Du kannst sogar handelsübliche Dachrinnen aus dem örtlichen Baumarkt verwenden, um in deinem Abenteuermobil zusätzlichen Stauraum zu schaffen, meint Georgina, die bereits auf unzähligen Roadtrips war. „Wie haben auf einer Länge von einem Meter eine schwarze Dachrinne mit ein paar Clips an der Wand über dem Bett befestigt. Es hat die perfekte Größe zur Aufbewahrung von Dingen wie Gaskanister, kleinen Öfen, Toilettenpapier oder Küchenrolle. Ein paar coole Aufkleber drauf und schon hast du ein praktisches Feature, das sogar lässig aussieht. Und das beste daran: Es ist billig und ganz einfach anzubringen!"
6. Praktische Kupferrohre
Die Verwendung alternativer Materialien, bedeutet noch lange nicht, dass du bei der Optik Kompromisse eingehen musst, erklärt Naomi. „Man sieht heutzutage kaum noch einen umgebauten Camper ohne Kupferteile. Abgesehen von der speziellen Ästhetik sind Kupferrohre überall verfügbar, billig und unglaublich vielseitig einsetzbar. Von einem maßgeschneiderten Wasserhahn fürs Waschbecken bis hin zu stilvollen Vorhangstangen kannst du so ziemlich alles mit den Kupferrohren kreieren. Wir haben sogar schon iPad-Ständer für Filmabende aus Kupfer gesehen."
7. Sei kreativ
Mit gebrauchten Paletten lässt sich ganz einfach ein schönes Regal bauen. Es gibt aber noch viel komplexere Einrichtungsgegenstände, die du durch Upcycling von ungenutzten Dingen oder Materialien oft easy herstellen kannst. „Alltagsgegenstände können recycelt und zum Beispiel in ein Waschbecken verwandelt werden," erklärt Dale. „Kupfer- und Messingbecher, Keramikschalen, verzinkte Eimer oder sogar antike Gefäße sind perfekt für einen ganz individuellen Style und Look. Solange die Rohre darunter solide verbaut wird, spricht nichts dagegen. Auf eBay finden sich oft wahre Schätze zur Umgestaltung des Interieurs im Camper."
8. Nutze alles
Für originelle und platzsparende Aufbewahrungsmöglichkeiten empfiehlt Naomi die Verwendung alter Klettergurte und Chalkbags - sie eignen sich perfekt, um alles von Ladegeräten bis zu Reisedokumenten darin zu verstauen. Kletterbolzen kannst du zu Vorhanghalter umfunktionieren. Diese Art von Zubehör ist nicht nur kostenlos sondern verleiht deinem Camper auch noch jede Menge Charakter.
9. Mach es zu deinem Zuhause
Georgina weiß genau wie wichtig es ist, dass es im Camper so gemütlich und heimelig wie möglich ist. Nach langen Fahrten oder spannenden und anstrengenden Outdoor-Abenteuern, wirst du froh sein über ein gewisses Maß an Komfort, das dich die Stunden im Auto richtig genießen lässt. Das Dekorieren der Wände kann auch den Unterschied machen, meint Georgina.
„Mit Resten von Mikrofasertüchern mit Landkarten-Druck darauf haben wir die Innenverkleidung verschönert. Überschüssige und alte Stoffe eignen sich perfekt zur Dekoration des Interieurs deines Campers - und des trägt dazu bei, dass es sich wie zu Hause anfühlt! Tafelfarbe ist eine weitere günstige Methode, dem Van eine ganz persönliche Note zu verpassen."
Die Beleuchtung ist ein wesentlicher Bestandteil, wenn es um Design geht. Für ein optimales Ergebnis empfiehlt Dale einen Mix aus unterschiedlichen Lichtquellen. „Dimmer, Lichterketten, Stehlampen, Kerzen, Nachttisch- oder Leselampen - es geht einfach alles." Halte beim nächsten Flohmarkt Ausschau nach einem Schnäppchen, um deinem Campervan einen einzigartigen Touch zu geben.
10. Das gilt auch für dein Bett
Auch wenn du vielleicht den Camper deiner Träume hast, kann das Leben unterwegs ganz schön hart sein. Ohne erholsamen Schlaf in der Nacht wird der Start ins Abenteuerleben holprig beginnen. Dale empfiehlt deshalb eine Schaumstoffmatratze - aber Achtung: Achte darauf, dass sie feuerfest ist! „Beim Bett solltest du auf keinen Fall Kompromisse eingehen oder bei den Kosten sparen. Ein guter Schlaf ist die halbe Miete."
11. Alles sichern und festmachen
Jetzt wo du deinen Camper nach deinen Wünschen gestaltet und aussgestattet hast, solltest du checken, ob auch alles festgemacht und gesichert ist. Denn wenn du wie Dale vielleicht eine kleine Keksdose oder eine Keramikschale als Waschbecken hast, rät Dale: „Alles im Camper muss für die Bewegungen im Straßenverkehr festgemacht werden. Spiegel müssen angebracht werden und alles abgesichert sein." Sein Expertentipp? Nimm immer ein paar Gummi-Expander mit Haken an den Enden mit. Sie sind wahre Lebensretter, wenn es darum geht, Dinge im Auto schnell festbinden zu können. Denn du wirst früh merken, dass sich deine Möbel im Camper viel mehr bewegen als die zu Hause.