Flamingo
© Marco Zarelli
Music

Legendäre Schweizer Clubs: Flamingo

Der Kultclub entführte die Zürcher in eine buntere Welt. Und Roger Giger zeigte, was ein richtiger DJ kann.
Autor: Bjørn Schaeffner
2 min readPublished on
Im Flamingo an der Limmatstrasse 65 stöckelten Anfang der 80er Jahre Transvestiten durch den Club. Manch ein junger Zürcher staunte ob der schönen Gestalten. Und machte dann die aufwühlende Erfahrung, dass Geschlechter auch im Fluss sein können, dass sie wandlungsfähig sind. Im Flamingo trafen sich die Vögel der Nacht: Models, eingefleischte Disco-Tänzer, Figuren aus der Halbwelt. Man war unter sich. Eine eingeschworene Clique.
Das Flamingo war ein In-Club. Man musste reinkommen und Member sein, ähnlich wie dann auch im Roxy. An der Türe stand der berüchtigte Ueli Falk - mit einem Schnauz, der Burt Reynolds vor Neid hätte erblassen lassen. Der exotische Schriftzug des Clubs kündete von einer bunteren, besseren Welt, vom Anderssein in der Zürcher Bünzli-Tristesse. Die Getränke brachte man als Gast selber mit. Und deponierte die Flaschen im eigenen Einstellschränkli.

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Wer die Geschichte von Dance-Music in der Schweiz verstehen will, der kommt nicht am Flamingo Club vorbei.Und die Geschichte des Flamingo ist auch die Geschichte von Roger Giger. Hier stand der Baselbieter von 1982 bis 1991 an den Plattentellern. Er spielte den Sound, der in den 80ern aus Disco – man nannte es damals «Club Music» - zu House mutierte.
Roger Giger

Roger Giger

© Arnold Meyer

Roger Giger war vermutlich der erste DJ in der Schweiz, der wie ein moderner Plattenleger agierte. Inspiriert von DJs in Mykonos und Larry Levan in der New Yorker Paradise Garage, verzahnte er die Tracks, dass sie nahtlos ineinander gingen. Tempi und Beats passten. Und Roger Giger wusste, wie man einen Teppich webt, wie man eine Geschichte über die ganze Nacht erzählt.
«Roger war wie ein Puppenspieler» sagt die Flamingo-Gängerin Suzy Heurich. «Wir tanzten alle nach seiner Pfeife. Seine Sets waren so grandios aufgebaut, wir konnten gar nicht anders.»
Roger mixte mit langen Übergängen. Wenn das nächste Stück immer stärker reinkam, lag Hysterie im Raum. Darum nannte man den Club auch «Chessel». Es war ein Hexenkessel.
Arnold Meyer, der spätere Techno-Papst, erinnert sich an Roger Giger
Der spätere Kaufleuten-Resident Dani König stand öfters neben Roger Giger und bediente die Lichtschalter. Auch für den Zürcher DJ Oli Stumm war Roger Giger ein wichtiges Vorbild. Und wenn Giger die Tänzer nach acht Stunden wieder sanft runtergeholt hatte, trank man noch einen Kafi, ass ein Gipfeli, setzte sich ins Tram oder aufs Töffli und fuhr nach Hause.