Über den Rand hinaus...
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Kajaking

Wie Dane Jackson der zweithöchste Wasserfall-Drop mit dem Kajak gelang...

Der amerikanische Kajakfahrer erzählt die Geschichte hinter seinem atemberaubenden, 41 Meter hohen Drop den Salto del Maule in Chile hinunter.
Autor: Matthew Ogborn
5 min readPublished on
Dane Jackson, der regierende ICF Freestyle-Weltmeister im Kanu, wuchs auf, während er mit seiner Familie in einem Camper durch ganz Amerika reiste, sich dort von seiner Mutter unterrichten ließ und gemeinsam mit seinem Vater Eric Jackson - ein ehemaliger Paddel-Athlet der Sommerspiele - an den unterschiedlichsten Wettbewerben im Kajak teilnahm.
Der 26-Jährige, der mittlerweile sechs Wasserfälle mit einer Minimalhöhe von 30 Metern bezwungen hat, verbrachte auch die letzten zehn Jahre damit, um den Planeten zu reisen, um immer wieder neue Orte zu finden und seiner Freestyle-Kajak-Leidenschaft nachzugehen. Nicht zu vergessen ist aber auch seine unglaubliche Dominanz im Wettbewerb, die anhält, seitdem er den Whitewater Grand Prix 2011 für sich entscheiden konnte.
Wie viel Recherchearbeit musstest du aufwenden, um diesen Wasserfall zu finden? Was macht ihn so besonders?
Immer, wenn es einen Moment gibt, in dem du einen Wasserfall siehst, der noch nie versucht wurde, stellst du dir Frage: Ist das irgendwie möglich? Mir wurden schon einige Wasserfälle gezeigt, aber als ich den Salto del Maule vor vier Jahren sah, war ich besessen davon. Ich sah mir permanent Fotos und Videos an, um mir einen Reim daraus zu machen. Er sieht so perfekt aus und die Location ist einfach atemberaubend, dennoch gab es einige Fragezeichen - vor allem, was dessen Tiefe angeht. Das hielt mich eine Weile davon ab, hinzureisen und ihn mir in natura anzusehen. Als ich im Jänner eine Nachricht mit einem Clip bekam, worauf er gut zu sehen war, wusste ich, dass es an der Zeit war, mir selbst ein Bild zu machen.

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Wie bereitest du dich mental auf so etwas Furchteinflößendes wie diesen Drop vor?
Zunächst besteht die Hauptarbeit darin, alle grundsätzlichen Fragen zu beantworten; jene, die sich darum drehen, was schief gehen kann und wie wir für Sicherheit sorgen können. Dann mündet das Ganze in einem inneren Selbstgespräch darüber, ob ich zu 100 Prozent davon überzeugt bin, mich über den Rand zu wagen. Wenn das geklärt ist, weiß ich, dass ich das aus den richtigen Gründen mache und ich kann es akzeptieren. Die Line beim Maule sah großartig aus, es gab solide Möglichkeiten für die Sicherheitsvorkehrungen und ich wollte den Drop unbedingt schaffen. Also wusste ich, dass ich nirgendwo lieber sein wollte.
Es gibt kein vergleichbares Gefühl, diesen blinden Horizont zu überschreiten und hinunterzublicken.
Kannst du beschreiben, wie es sich anfühlt, am Rand des Wasserfalls hinunterzublicken, kurz, bevor es losgeht?
Das ist schwer, da es so schnell passiert. Vor allem ist es der Moment, an dem sich für mich alles zusammenfügt. Es ist der Zeitpunkt, an dem die Frage beantwortet wird, ob das Kajak so reagiert, wie du das geplant hast und ob du entsprechend reagieren kannst, falls das nicht der Fall ist. Zugleich gibt es kein vergleichbares Gefühl, diesen blinden Horizont zu überschreiten und hinunterzublicken. Bei den meisten Wasserfällen spritzt dir das Wasser ins Gesicht und realistisch gesehen hast du erst klare Sicht, wenn du schon drüber bist. Dennoch ist das der Moment, den du in Erinnerung behältst und der Maule war das Großartigste, was ich je erleben durfte.
Lief alles nach Plan oder gab es Dinge, die schief liefen?
Am Ende lief von Anfang bis zum Auftreffen am Fuße des Wasserfalls alles perfekt - besser hätte ich es mir gar nicht wünschen können. Nachdem ich unten war, füllte sich mein Kajak dann aber mit Wasser. Obwohl ich im Boot blieb, während es wieder auftauchte, musste ich dennoch auf einen perfekten Drop verzichten, da ich nicht einfach so weiterpaddeln konnte. Aber auch wenn das nun so ist - bei einem Wasserfall mit dieser Power und dieser Höhe ist das für mich noch immer ein Sieg. Zwar hätten die Dinge besser laufen können, aber eben auch um einiges schlechter, also bin ich glücklich darüber, wie alles gekommen ist.
War das die aufregendste Kajak-Erfahrung, die du je gemacht hast?
Es war definitiv eines meiner größten Kajak-Erlebnisse. Ich würde nicht unbedingt sagen, dass der Adrenalin-Spiegel höher war, da ich mich noch immer auf das fokussieren musste, was ich schon zuvor gemacht hatte. Ich wusste auch nicht, wie hoch er ist, da ich ihn erst nach meinem Drop messen wollte. Als ich ihn einfach nur betrachtete, setzte ich ihn mit Wasserfällen gleich, die ich schon gefahren bin. Ich fühlte mich also sehr sicher dabei, die richtige Line zu finden, was mir dabei half, auch genau das Richtige zu tun. Hätte ich ihn vorher gemessen und mir wäre klar geworden, dass das der höchste Drop ist, den ich jemals gemacht habe, wäre ich wahrscheinlich nervöser und zögerlicher gewesen.
Wirst du dich jemals an Tyler Bradts Weltrekord über 58 Meter an den Palouse Falls versuchen?
Ich würde nicht sagen, dass ich aktiv danach trachte, diesen Rekord zu brechen, aber ich bin mir sicher, dass es da draußen die Möglichkeit für mich gibt - auch wenn es schwer wird, einen Drop zu finden, der so perfekt ist, wie an den Palouse. Wenn ich ihn finde und es ergibt sich die Möglichkeit, werde ich vielleicht einen Blick darauf werfen. Dennoch bin ich nicht auf der Jagd danach, da ich noch genug andere Dinge in petto habe.
Welche neuen Kajak-Orte willst du in diesem Jahr noch erkunden?
Gemeinsam mit ein paar Freunden reisen wir nach Indonesien, wo wir uns an ein paar neuen Wasserfällen und Sektionen versuchen wollen. Daneben bin ich aber nicht sehr gut darin, vorauszuplanen. Mein Ziel für dieses Jahr besteht darin, aus meiner üblichen Routine auszubrechen, neue Orte auszukundschaften und unversuchte Drops zu finden.
Wie stolz bist du darauf, dass du deine Probleme mit dem Hören überwunden hast, um deinen Sport ausüben zu können?
Ich würde nicht sagen, dass es da viel zu überwinden gab, da es in dem, was ich mache, nicht allzu wichtig ist. Zwar fällt es mir schwer, den Plan für den nächsten Tag aufzuschnappen, wenn wir am Lagerfeuer sitzen, doch habe ich ansonsten nicht sehr viele Nachteile. Ich sehe es sogar als Vorteil, da ich in der Lage bin, Lippen zu lesen, was bedeutet, dass ich mir einen Reim daraus machen kann, wenn mir jemand von der anderen Seite des Ufers Instruktionen gibt.