Music
Dante Ross: Wie Run DMC mein Leben veränderten
So haben Run DMC, die Hip-Hopper mit dem besten Logo der Musikgeschichte, den Scout beeinflusst.
Dante Ross ist einer der berühmtesten Scouts der Musikwelt. Er hat bereits mit Acts wie De La Soul, Busta Rhymes, ODB und Souls of Mischief zusammengearbeitet. Die Band jedoch, die sein Leben verändert hat, ist Run DMC (erst kürzlich war die Band im RBMA-Feature zum besten Musiklogo ein Thema). Er verehrt das Trio noch heute.
"Als Teenager in New York war ich sehr viel Punk ausgesetzt. Ich war ein großer Fan der Bad Brains. Ihre Musik hat mich tief getroffen, eine kosmische Kraft, mehr als nur Inspiration. Mit 13 oder 14 dann, im Sommer 1980, habe ich mir die Haare abgeschnitten und alles, was auch nur annähernd mit Hippies zu tun hatte, für tot erklärt. Das CBGBs, das Danceteria und wie sie alle hießen, wurden zu meinem neuen Zuhause."
"Wenn man allerdings in den späten Siebzigern und den frühen Achtzigern in der Lower East Side aufwuchs, kam man am Rap nicht vorbei. In der sechsten Klasse habe ich 'Rapper's Delight' für einen Dollar erstanden. Rap interessierte mich – nicht als Lifestyle, sondern als Pop-Phänomen. Mit 15 fand ich dann – dank Acts wie den Beastie Boys und den Mädchen von Luscious Jackson – Hip-Hop spannender als Punk, der mir und meinen Freunden irgendwie zu brutal und dumm geworden war. Von da an war ich an den Wochenenden abwechselnd bei Bands wie Jazzy Jay und Africa Islam im Roxy oder im CBs bei Bands wie Black Flag."
"Die Platte, die mein Leben verändern sollte, hörte ich an einem Freitag. Ich hing vor dem Weggehen noch mit ein paar Freunden rum. Im Radio lief Kiss FM mit der Hip-Hop-Show 'Zulu Power Hour'. Dort habe ich 'Sucker MC's' zum ersten Mal gehört."
"Es war wie das erste Mal, als ich die Bad Brains gehört hatte – wild, minimalistisch, brutal. Der Rap war unglaublich – so synchron und komplex. Diese Drums, das präzise Scratching und die Reime, die einem nur so ins Gesicht geschleudert wurden. Ein paar Tage später habe ich mir die 12-inch dann gekauft. Auch die B-Seite 'It’s Like That' war der Hammer und die Band landete mit dieser doppelten A-Seite einen Hit. Die DJs spielten im Radio beides."
"Run war die erste Rap-Kombo, die sich wie ihre Zuhörer kleideten. Sie haben von Anfang an wie Hard-Rock-B-Boys ausgesehen. Ich erinnere mich an einen ihrer Auftritte im Danceteria. D trug einen Bell-Hut von Kangol und Run einen von Stetson. Der DJ trat mit Lederjacke, Goldkette und einem Stetson auf. Alle haben große Goldketten getragen. Sie sahen böse und cool aus und hatten Swag."
"Die Show war tight – jeder Freestyle auf den Punkt, jeder Reim wie ein linker Haken. Punk-Rock im B-Boy-Outfit. Jam Master Jay ließ es krachen und dieses kurze Set aus drei Songs offenbarte mir die Zukunft. In dieser Nacht bandelte Rap mit dem weißen Amerika an. Russell Simmons wusste, dass die amerikanische Mittelschichte folgen würde, wenn er Downtown in der Tasche hätte."
"Ich durfte Russel persönlich kennenlernen und war dabei, als er und Rick Rubin Def Jam aufgezogen haben. Jay und ich wurden Freunde. Wir haben zusammen Basketball gespielt und chinesisch gegessen. Nach einem Public-Enemy-Konzert, bei dem ich mit DMC Fenster einschlug, wurde mir die Hand genäht. Auf einer Tour mit Run und den Beastie Boys musste ich mir von Run ganz schön was gefallen lassen. Später habe ich auf 'Crown Ruler' einen Song produziert – nicht ihr bester, aber dennoch eine Ehre."
"Ich denke immer noch über Jay und die Power ihrer Musik nach. Run DMC haben Amerika verändert: Wegen ihnen spielt MTV Rap, finden Hip-Hop-Veranstaltungen in Stadien statt und tragen tausende von Kids Shell-Toes von Adidas – und außerdem haben sie mein Leben verändert."