Die Gebirgswand des Nameless Tower im Sonnenuntergang
© Corey Rich/Mammut Archiv/Red Bull Content Pool
Klettern

David Lama Interview: Trango Towe und Chogolisa

Wir trafen uns mit David, um mehr über seine letzte Expedition über den Wolken zu erfahren.
Autor: Simon Schreyer
5 min readPublished on
David Lama kletterte am 30. Juli 2012 auf den Nameless Tower in Pakistan.

Der Nameless Tower

© Dedicam/Mammut Archiv/Red Bull Content Pool

Der 22 jährige David Lama und sein Kletterpartner Peter Ortner sind gerade von ihrer Besteigung des Trango Tower (6251 Meter) über die Eternal Flame-Route und der geheimnisvollen, wetterlaunigen Chogolisa (7668 Meter) im Karakorum, dem pakistanischen Teil des Himalaja, zurück. Wir trafen uns mit David, um ihn zu seiner letzten Expedition über den Wolken zu befragen.
Letztes Jahr warst du mit den Kletterkameraden Stef Siegrist und Denis Burdet im indischen Himalaya. Wie war der Trip zum Baltoro-Gletscher in Pakistan im Vergleich zu deiner früheren Expedition in diese Region?
David Lama: Bei der Besteigung des Cerro Kishtwar in Indien, mussten wir drei Tage lang durch ein verlassenes Tal marschieren. Aufgrund von Grenzstreitigkeiten zwischen Pakistan und Indien war dieses Gebiet 20 Jahre lang gesperrt und ist erst kürzlich wieder geöffnet worden. Zudem führte uns der Trip zum Baltoro-Gletscher in unbewohntes Gebiet. Das letzte Dorf, durch das wir auf unserer Expedition durch Pakistan kamen, war das 3000 Meter hoch gelegene Askole. Von dort aus waren es noch drei Stunden bis zum Gletscher.
Dein erstes Ziel im Karakorum waren die Trangos. Warst du da alleine an den steilen Wänden dieser berühmten Felszähne?
Die Trangos sind nicht sonderlich zugänglich, weshalb keine Trekkinggruppen da waren, als wir dort ankamen. Es waren jedoch jede Menge andere Bergsteigergruppen aus der ganzen Welt anwesend.
Wer waren deine Kletterpartner auf dieser Expedition?
Ich war den gesamten Trip mit Peter Ortner unterwegs - wir hatten dieses Jahr bereits zusammen den Cerro Torre bestiegen. Aber auch die dreiköpfige Filmcrew muss erwähnt werden, die uns auf die Trangos folgte: Kameramann Corey Rich, Andrew Peacock und Remo Masina.
Wie kam die Gruppe mit der Akklimatisierung in dieser extremen Höhe zurecht?
Grundsätzlich: Wirklich gut. Bei Peters und meinem ersten Aufstieg auf den Trango Monk mussten wir nur wenige Hundert Meter unter dem Gipfel umkehren, da wir noch nicht vollständig akklimatisiert waren. Für Peter war das besonders hart, da es sein erster Aufstieg auf einen wirklich hohen Berg war. Einige Tage später ging es auf den Great Trango, und auch da mussten wir kurz vorm Gipfel umkehren. Diesmal lag es an der Lawinengefahr und nicht an der Höhenkrankheit. Der viele Schnee und das Eis des letzten strengen Winters in den Spalten der Wand, hätte dank eines plötzlichen Warmwettereinbruchs zur potenziellen Gefahrenquelle für uns werden können.
Die Hände zum Himmel - David Lama und Kletterpartner Peter Ortner auf dem Gipfel des Nameless Tower in Pakistan.

Erfolgreich auf dem Trango - David und Peter

© Corey Rich/Mammut Archiv/Red Bull Content Pool

Dann habt ihr eure Aufmerksamkeit der „Eternal Flame“ Route gewidmet, um den Trango Tower (6251 Meter) zu besteigen?
Es dauerte einen Tag, um die 400 Metern bei Schwierigkeitsgrad 8 bis zur 'Sonnenterasse' zurückzulegen. Dort schlugen wir unser Lager auf und machten am nächsten Tag, dem 30. Juni, weiter. Wir benötigten weitere 10 Stunden, um die letzten 600 Meter zum Gipfel zu bewältigen. Trotz all der anderen Teams in der Wand, war das Klettern auf der Eternal Flame-Route eines der besten Dinge, die ich je gemacht habe.
Nach dem Nameless Tower war deine nächste Mission die Chogolisa (7668 Meter). Hast du dabei an die Tiroler Bergsteigerlegende Hermann Buhl denken müssen, der 1957 sein Leben beim Absturz vom Gipfelgrat verlor?
Hermann Buhl ist ein Name, den ich kenne und respektiere, aber ich versuche die Dinge immer auf meine Weise zu machen und nicht in die Fußstapfen anderer zu treten. Wir sind nicht auf die Chogolisa gestiegen, um damit anzugeben, dass wir die 7000-Meter-Marke genommen haben, sondern wollten erfahren wie sich unsere Körper in dieser Höhe fühlen, und wie sie funktionieren würden. Peter und ich sind nicht hinter irgendwelchen Rekorden her oder wollen es unbedingt auf den Everest schaffen. Wir brauchen einfach Höhenerfahrung für unsere künftigen Kletterprojekte.
Die Gebirgswand des Nameless Tower im Sonnenuntergang

Der Trango Tower im Sonnenuntergang

© Corey Rich/Mammut Archiv/Red Bull Content Pool

Was kannst du uns über die Expedition zum Gipfel der Chogolisa erzählen?
Die Chogolisa war hart. Wir stiegen über den Vigne-Gletscher auf den höheren der beiden Gipfel, bekannt als Chogolisa I. In einigen Abschnitten mussten wir durch hüfthohen Schnee, was das Vorankommen sehr erschwerte. Wenn man dann über 7000 Meter kommt, wird jeder Schritt unglaublich anstrengend. Man macht 20 Schritte und muss zwei Minuten Pause einlegen.
Von den Einheimischen erhielten wir den Tipp, uns einen Steinbock zu jagen, da dessen Fleisch gegen die Höhenkrankheit helfen soll. Ich weiß nicht so recht was ich von dieser Theorie halten soll, und wir hatten auch keine Chance sie zu testen, denn mit unseren bloßen Händen haben wir keinen erwischt! Außerdem muss man mit wirklich schrecklichen Wetterbedingungen klarkommen: 14 der 18 Tage im Basislager regnete oder schneite es. Die Chogolisa mag technisch gesehen nicht der schwierigste Aufstieg sein, aber wir waren wirklich stolz, als wir endlich am Gipfel ankamen. Wir waren die Ersten seit 1986.
Wirst du in die „Thronhalle der Berggötter“, wie man das Karakorum auch nennt, zurückkehren?
Peter und ich haben dort bereits ein paar andere Gipfel ins Auge gefasst, für die wir zurückkehren wollen. Der Himalaya ist ein einziger großer Spielplatz für Kletterer. Ich liebe es nach Lust und Laune Routen auswählen zu können, da es einfach so viele Möglichkeiten gibt. Ich gebe nicht so viel auf die historische Bedeutung eines Gipfels. Ein Berg ist nicht von allein herrlich oder gefährlich, er ist es, weil wir Menschen ihm diese Bedeutung beimessen. Alles ist mit uns verbunden.