Gaming
In unserer Zocker-Karriere haben wir im Rennspiel-Genre absolut alles gesehen. Dachten wir zumindest, denn so etwas wie das Downhill-Mountainbiking-Spiel Descenders haben wir noch nie erlebt. Hier trifft Tony Hawk’s auf Steep und würzt die illustre Mischung mit Roguelike-Elementen.
Descenders: Runter kommt man immer – irgendwie
Zugegeben: Downhill-Spiele an sich sind keine Innovation. In SSX, Steep und wie sie nicht alle heißen. Ihr seht schon: bergab geht’s in Games meistens auf dem Snowboard. Doch Descenders ist anders, nicht nur in seinem sommerlichen Setting. Erinnert sich noch jemand an den PSX-Klassiker No Fear Downhill Mountain Biking?
Doch worum geht’s überhaupt? Im Indie-Game Descenders schwingt ihr euch in den Sattel eures Downhill-Mountainbikes, um… nun ja… das Ziel am Fuße des Berges zu erreichen. Klingt erst mal wenig spannend, bietet allerdings ein paar frische Ideen.
Zum einen werden alle Strecken zufällig generiert. Kurven, Sprünge und Hindernisse befinden sich also bei jedem Start an einem anderen Ort, während der Schwierigkeitsgrad stetig wechselt. Außerdem ist Descender als Roguelike-Spiel konzipiert. Gehen euch die Leben aus, müsst ihr auf der Übersichtskarte wieder ganz von vorne beginnen. Roguelike als Rennspiel? Funktioniert erstaunlich gut und Laune macht das Ganze auch noch.
Tricks, High-Speed oder Offroad?
Insgesamt vier Umgebungen stehen in der Kampagne von Descenders zur Wahl. Das Hügelgebiet zu Beginn ist noch relativ simpel gehalten (zumindest, wenn der Roguelike-Gott es gut mit euch meint) doch im späteren Verlauf wird das Game ziemlich knackig.
In Descenders führen viele Wege zum Sieg. Ihr könntet nun einfach dem abgesteckten Pfad folgen und auf den 30- bis 60-sekündigen Kursen ins Ziel rasen. Oder ihr weicht von der Piste ab und sucht euch einfach euren eigenen Weg. Auch, ob ihr an den Rampen, Schanzen oder Hindernissen in bester Tony Hawk’s Pro Skater-Manier Tricks aneinanderreiht oder sie komplett auslasst, überlässt das Spiel euch.
Mit einer Ausnahme, denn am Ende einer jeden Umgebung wartet ein Endgegner-Level samt waghalsigem Sprung darauf, gemeistert zu werden. Zwar geht eure Reise auch weiter, wenn ihr vor dem Monsterjump den Schwanz einzieht, aber dann bleibt euch die Abkürzung verwehrt.
Um beim nächsten Anlauf direkt in die neue Umgebung zu starten, müsst ihr den jeweiligen Endgegner-Sprung dreimal gemeistert haben, sonst geht es jedes Mal wieder ganz von vorne los.
Auf dem Weg zum Endboss wollen immer wieder Spezial-Stages absolviert werden. Die liefern euch mehr Reputation, stocken euren Lebensvorrat wieder auf oder schalten Crew-Mitglieder frei, die besondere Boni mit sich bringen. Dazu zählen breitere Kurse, mehr Tricks oder mehr Speed beim Offroadfahren. Ziemlich praktisch, denn ihr könnt zwischen vier Optionen frei wählen.
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Mein Weg, mein Spiel
Die stetig wechselnden Bedingungen, Teammitglieder und Kurse sorgen in Descenders für ein einzigartiges Spielgefühl. Auf dem Schotter macht der Downhill-Racer ebenfalls eine gute Figur. Klar, technisch kann es der kleine Indie-Titel nicht mit dem Who-is-Who des Genres aufnehmen, dem Spielspaß tut das aber keinen Abbruch.
Und Spaß macht das Game. Nicht gerade wenig. Das liegt vor allem daran, dass uns Descenders die Wahl lässt, wie wir es spielen wollen. Wenn ihr einfach nur heil im Ziel ankommen und alle Locations sehen wollt: kein Problem.
Wollt ihr allerdings auf den Sprüngen und Schanzen coole Tricks aneinanderreihen und den Combo-Zähler in die Höhe schnellen lassen? Auch das funktioniert hervorragend, auf Wunsch sogar aus der First-Person-Ansicht. Ein unglaublich befriedigendes Gefühl, einen schwierigen Sprung perfekt zu stehen.
Front- und Backflips sowie andere Tricks lassen sich mit Wheelies und Slides zu wuchtigen Combos verknüpfen, die euch mit Reputationspunkten belohnen. Damit schaltet ihr neue Bikes, Helme oder andere Accessoires frei. Weitere Outfits und Items gibt’s für abgeschlossene Sponsorenherausforderungen.
Bei aktiver Internetverbindung tretet ihr zudem jederzeit gegen andere menschliche Fahrer an, was für zusätzliche Motivation sorgt. Dank der eingängigen Steuerungen kommt so binnen kürzester Zeit Freude auf und ihr startet einen Anlauf nach dem anderen.
Alternativ zu den (theoretisch) unendlich vielen Strecken gibt’s eine zweite Karriere zum Freischalten, sowie einen Freeride-Modus samt abwechslungsreicher Bike-Parks. Mal schwingt ihr euch vom Hügel eines riesigen Berges hinunter, mal versucht ihr, die Bikeout-Hindernisparcours unbeschadet zu überstehen. Oder scheitert dabei etliche Male am ersten Sprung, so wie NICHT wir.
Dabei gelingt Descenders die Gradwanderung zwischen beinharter Simulation und arcadeigem Spielspaß ziemlich gut. Mit ein wenig Übung landen auch Neulinge knifflige Tricks oder gehen – bei geringer Anzahl an Leben – eben ganz auf Nummer sicher und umfahren die Stunts.
Descenders ist einen Blick wert
Als kleines und vergleichsweise günstiges Indie-Game ist Descenders definitiv ein Blick wert, wenn ihr Bock auf ein innovatives Roguelike-Rennspiel habt oder auf den Release der THPS-Remakes wartet. Der Spagat zwischen Realismus und Zugänglichkeit gelingt dem Game hervorragend, prozedural generierte Strecken sorgen für stetige Abwechslung.
Da die PC-Version technisch und dank umfangreichem Mod-Support (Red Bull Joyride, anyone?) auch spielerisch überlegen ist, radelt es sich auf dem Rechner am besten, doch auch auf Xbox One ist das Game einen Blick wert.
11 Min
Bammel vor der Fahrt
Brandon Semenuk gibt alles beim Red Bull Joyride, dem Highlight von Crankworx Whistler.
Ranglisten, etliche Freischaltungen und wechselnde Herausforderungen sorgen jedenfalls für Motivation und eine spaßige Offroad-Hatz der etwas anderen Art. Einen fetten Electro-Soundtrack gibts zudem obendrauf.