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Das sind die 11 besten Bergsteiger unserer Zeit

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Für diese Weltklasse-Alpinisten ist die Überquerung gefährlicher Grate wie ein ganz normaler Tag im Büro.
Autor: Will Grayveröffentlicht am
Die höchsten und entlegensten Gipfel der Welt sind längst bestiegen und es wird heutzutage immer schwieriger, mit seiner Leistung am Berg in die Geschichtsbücher einzugehen. Aber das bedeutet nicht, dass es für moderne Bergsteiger keine Herausforderungen mehr gibt - ganz im Gegenteil!
Von mehreren Gipfelerfolgen am Mount Everest bis hin zu High-Speed-Überquerungen über die aufragenden Bergspitzen Patagoniens - die wilde Rekordjagd in den Bergen wird nie ein Ende haben.
Außerdem hat das Bergsteigen für viele eine ganz individuelle Bedeutung. Es geht um Stil, Unabhängigkeit, kleine Teams, Single Pushes, spektakuläre Routen - und für manche natürlich - das alles ohne zusätzlichen Sauerstoff zu schaffen. Überall auf der Welt findet man geheime Helden, die immer wieder die Grenzen des Möglichen sprengen, aber genauso gibt es Alpin-Legenden, die bei der Ausübung ihrer Leidenschaft viel zu früh aus dem Leben gerissen wurden.
Das alles macht es natürlich schwer, die besten Bergsteiger der Welt in eine Liste zu packen - die folgenden Top-Alpinisten haben es mit ihren beeindruckenden Leistungen in den Bergen aber auf jeden Fall verdient, hier erwähnt zu werden. Das sind die 11 besten Bergsteiger der Gegenwart:

1. Nirmal „Nims" Purja

  • Nationalität: Nepal
  • Geboren: 1983
  • Instagram: nimsdai
Nirmal Purja am Dach der Welt, dem Mount Everest im Jahr 2019.
Nims am Gipfel des Everest im Jahr 2019
Der 36-jährige Mann aus Nepal hat es 2019 in nur etwas mehr als sechs Monaten auf die 14 höchsten Gipfel der Erde geschafft, was auf der ganzen Welt für großes Aufsehen sorgte.
Der ehemalige Gurkha und Soldat des Special Boat Service (SBS) bestieg Everest, Lhotse und Makalu innerhalb von nur 2 Tagen und 30 Minuten. Zum Vergleich: Der frühere Rekord lag bei 7 Jahren, 11 Monaten und 14 Tagen.
„Internationale Sponsoren stürzen sich häufig auf ausländische Bergsteiger, aber Nepalesen bekommen diese Möglichkeiten einfach nicht. Ich hoffe, meine Leistungen rücken die talentierten Bergsteiger des Landes etwas mehr ins Rampenlicht".

2. Andrzej Bargiel

Andrzej Bargiel in Action beim Training in La Grave, Frankreich, am 28. Januar 2018.
Andrzej Bargiel bahnt sich in La Grave seinen Weg nach oben
Andrzej Bargiel ist ein Mann der Schlagzeilen - und das völlig zurecht! Er erklimmt nicht nur die härtesten Gipfel in einem unwiderstehlichen Tempo, er fährt mit seinen Skiern auch wieder hinunter. Im Jahr 2018 war er der erste Mensch, der vom 8.611 m hohen Gipfel des berüchtigten K2 hinunterfuhr - und das, ohne auch nur ein einziges Mal die Skier abzuschnallen!
Dasselbe hat er davor bereits am Manaslu (8.163 m), Broad Peak (8.051 m) und Shishapangma (8.027 m) getan und die „Snow Leopard"-Auszeichnung für die Besteigung der fünf höchsten Gipfel der ehemaligen Sowjetunion gewonnen.
Freeski · 2 Min
Eindrucksvoll: Wie man den K2 auf Skiern bezwingt!
Seinen Versuch 2019 den Everest mit den Skiern zu bezwingen, musst er abbrechen, er wird aber garantiert zurückkehren. „Heute weiß ich, dass ich in der Lage bin, mich mit den Besten zu messen, alle Rekorde zu brechen und jeden Gipfel zu besteigen."

3. Denis Urubko

  • Nationalität: Russland/Polen
  • Geboren: 1973
  • Facebook: denisurubko
Denis Urubko bei einer Lesung in Budapest, Ungarn, am 27. April 2016.
Denis Urubko
Der Speed-Bergsteiger hat in den vergangenen 20 Jahren sage und schreibe 22 Expeditionen auf über 8.000 m unternommen - und er ist noch lange nicht fertig! Das kommende Jahrzehnt startet er mit einem riskanten Versuch im Winter auf den 12. höchsten Gipfel der Welt, den Broad Peak.
Er ist einer von nur acht Menschen der Welt, dem die Besteigung aller 14 Achttausender ohne zusätzlichen Sauerstoff gelang. Außerdem ist er ein absoluter Pionier und auf der ganzen Welt findet man Routen, die Denis Urubko zugeschrieben werden - unter anderem im Himalaya, Tian Shan und in Patagonien.
Laut einem Bericht auf Twitter (@russianclimb) ist es sein Zeil, seine Karriere mit einer Winterexpedition am zweithöchsten und vielleicht schwierigsten Gipfel der Welt, dem K2, zu beenden.

4. Conrad Anker

Conrad Anker am Lunag Ri (6.907m) im Himalaya in Nepal, am 24. November 2015.
Conrad Anker
Berühmt für den Fund von George Mallorys Leiche 1999 am Everest, hat Anker mehrere alpine Erstbesteigungen auf Bergen wie Meru, Vinson Massif, Matterhorn, El Capitan geschafft, und feierte außergewöhnliche Gipfelerfolge von Alaska bis in die Antarktis.
Er leitete 26 Jahre lang das Bergsteigerteam von North Face, überlebte 1999 ein Lawinenunglück, sowie einen Herzinfarkt 2016 beim Aufstieg auf den Lunag Ri. Im selben Jahr gewann er schließlich noch den Golden Piton Lifetime Achievement-Award vom Climbing Magazine.
„Die ersten 20 Jahre des Lebens verbringt man in Obhut, die nächsten 20 Jahre definieren, was man tun wird, die darauffolgenden 20 Jahre sind das, was man tut und die wieder darauffolgenden 20 Jahre sind dazu da, sich das bewusst zu machen, was man gelernt hat und sich zu fragen, was daraus entstehen soll."

5. Colin Haley

Colin Haley mit einem Selfie beim ersten Solo-Aufstieg der „Infinite Spur" am Mount Foraker, Alaska.
Colin Haley macht ein Selfie am Mount Foraker, Alaska
Colin Haley ist Spezialist für High-Speed-Aufstiege von extrem technischen Routen und hat sich vor allem durch Leistungen auf den sogenannten „Türmen des blauen Himmels" in Patagonien einen Namen gemacht. Seine bisherige Bilanz: 16 Reisen und 2 Überquerungen der Torres del Paine, darunter eine innerhalb von 24 Stunden gemeinsam mit Free Solo-Superstar Alex Honnold.
Außerdem hat er beeindruckende Routen in Nordamerika eröffnet, besonders in Alaska, wo er zahlreiche Geschwindigkeitsrekorde auf einigen der spektakulärsten Gipfel der Welt aufstellte.
„Die Berge hatten bei mir immer oberste Priorität. Ich habe das Gefühl, dass ich mich als Bergsteiger jedes Jahr verbessere und dass ich von Jahr zu Jahr engagierter und disziplinierter werde."

6. Paul Ramsden

  • Nationalität: Großbritannien
  • Born: 1971
Viele Bergsteiger streben nach dem Moment in ihrer Karriere, eine der bergehrten französischen Piolet d'Or-Auszeichnungen zu gewinnen - der Brite Paul Ramsden hat in der Vergangenheit gleich VIER dieser Awards erhalten.
Die ersten drei Awards erhielt er gemeinsam mit Mick Fowler für die Erstbesteigung des Siguniang in China über die Nordwand, Prow of Shiva in Indien und Gave Ding in einer abgelegenen Region in Nepal. Die vierte Auszeichnung bekam er für die Erstbesteigung eines 7.000 m hohen Gipfels in Tibet, gemeinsam mit Nick Bullock.
„Als Bergsteiger ist man am fittesten, wenn man am unerfahrensten ist, und umgekehrt. Es ist ein Balanceakt. Um auf bisher unbestiegenen 7000ern erfolgreich zu sein, braucht es meiner Meinung nach viel Erfahrung."

7. Will Gadd

Will Gadd und Andreas Spak bei der Planung ihrer Route in Eidfjord in Norwegen.
Will Gadd, rechts, und Andrea Spak diskutieren über eine Route in Eidfjord
Der „Mountain Hero" aus Kanada, Will Gadd, ist ein absoluter Spezialist auf Eis und weltbekannt für seine spektakulären Eisfallbesteigungen an den Helmcken Falls und den Niagarafällen.
Die erste Ein-Tages-Besteigung des höchsten Gipfels der Rocky Mountains, des Mt. Robson, gelang ihm im Alleingang. Gadd ist aber noch lange nicht fertig und weiterhin stetig auf der Suche nach neuen Fels-, Eis- und Alpinrouten auf der ganzen Welt.
Klettern · 6 Min
Will Gadd erkundet das Innere eines Gletschers
„Jeder, der das Glück hat, in den Bergen Zeit zu verbringen, bekommt ein Gefühl für Verantwortung und Pflichtbewusstsein. Die Anziehungskraft von solch wilden Orten ist unglaublich stark und es ist schwer davon wegzukommen, wenn man einmal dort war."

8. Kami Rita

  • Nationalität: Nepal
  • Geboren: 1970
Dieser legendäre Sherpa ist der absolute Rekordmann im Himalaya. Er hat den Mount Everest öfter bestiegen als jeder andere - insgesamt 24 Mal, darunter der Doppel-Aufstieg in nur einer Woche im Jahr 2019. Außerdem feierte er Gipfelerfolge am K2, Cho-Oyu, Manaslu, Annapurna und Lhotse.
Kami Rita wurde im selben Dorf wie Tenzing Norgay geboren und das Bergsteigen lag ihm schon immer im Blut: Sein Vater war einer der ersten Profi-Sherpas und auch sein Bruder war bereits 17 Mal am Gipfel des Everest. Seine Erstbesteigung auf das Dach der Welt gelang ihm im Jahr 1994.
„Bei jedem Versuch begegne ich dem Berg mit der gleichen Ernsthaftigkeit wie beim ersten Mal. Wenn ich mit einem Kunden erfolgreich den Gipfel erreiche, macht mich das glücklich. Ich glaube, Rekorde zu brechen, ist nur ein Nebeneffekt."

9. Robert Jasper

Robert Jasper (mitte) mit Holger Heuber (links) und Stefan Glowacz (rechts) während der Baffin Island-Expedition 2008.
Robert Jasper (mitte) mit Holger Heuber und Stefan Glowacz
Jasper bezeichnet sich selbst als „Extrembergsteiger" und hat in der Vergangenheit die Messlatte in seiner Heimat Europa, in Patagonien und im Himalaya immer wieder höher gelegt. Zuletzt sorgte er in Grönland für Aufsehen, wobei er sich auf gemischtes Terrain und Eis fokussierte und oft allein unterwegs war.
Vor drei Jahrzehnten sorgt der Deutsche das erste Mal für Schlagzeilen, als er die drei größten Nordwände der Alpen in Rekordzeit durchstieg. Seitdem hat er am berüchtigten Eiger 17 verschiedene Route geschafft - darunter eine neue Route erst letztes Jahr.
„Ich übe unterschiedliche Alpin-Disziplinen aus und würde mich daher eher als Zehnkämpfer beschreiben. Beim Bergsteigen geht es immer darum, Risiken zu minimieren aber trotzdem seiner Leidenschaft zu folgen. Das ist meine Philosophie."

10. Simone Moro

Simone Moro genießt den Ausblick vom Nanga Parbat.
Simone Moro auf dem Gipfel des Nanga Parbats
Moro ist der einzige Alpinist, der vier der 14 Achttausender im Winter bestieg - Shisha Pangma, Makalu, Gasherbrum II und Nanga Parbat. Neben dem Bergsteigen ist er außerdem noch Hubschrauber- und Wingsuitpilot - Simone Moro steht also für Adrenalin pur.
Auf seiner 16. Winterexpedition in der Saison 2019/20 entging er nur knapp einem folgenschweren Unglück bei der Gasherbrum-Überquerung, als ihm die Flucht aus einer bodenlosen Gletscherspalte gelang. Glücklicherweise hing er am Seil seiner Partnerin Tamara Lunger und konnte damit gerettet werden.
„Nichts ist unmöglich! Etwas, das vor ein paar Jahren noch unmöglich schien, ist heute möglich. Die Grenzen verschieben sich ständig nach oben - und Träume sind grenzenlos."

11. Ed Viesturs

Ed Viesturs ist der unangefochtene Meister in der Welt des Höhenbergsteigens und der einzige US-Amerikaner, der alle 14 Achttausender bestieg. Tatsächlich haben nur vier andere Bergsteiger (alle Sherpas) mehr Höhenbesteigungen gemacht als er.
Neben seinen Gipfelsiegen im Himalaya hat er drei Denali-Besteigungen und sieben Vulkanbesteigungen in Ecuador und Mexiko geschafft, sowie Berge in der Antarktis und Russland erklommen und über 200 erfolgreiche Expeditionen am Mount Rainier hinter sich.
„Wenn man wirklich pushen will, funktioniert das nur in kleinen Teams und ohne zusätzlichen Sauerstoff. Letztendlich geht es uns Bergsteiger aber nicht darum, unsere Namen auf irgendwelchen Bestenlisten ganz oben zu finden."