Gaming
Wenn eine Videospielfranchise das stolze Alter von 30 Jahren erreicht, kann man davon ausgehen, dass eine ganze Menge Pflichttitel im Lauf der Zeit auf deren Schippe geht. Capcoms Street Fighter - Reihe hat mehr als genug davon zu bieten, was vor allem daran liegt, dass Capcom nie müde wurde die Fans mit Spin-Offs, Nachfolgern und Updates zu füttern.
Während dieses ständige Nachliefern von Titeln die armen Eltern immer wieder in die Tasche langen lassen musste, sobald eine neue Version von Street Fighter II in den Läden stand, von der das Lebensglück der Kinder abhängig war, so gab es uns einen faszinierenden Einblick in die Evolution eines gesamten Genres, das weit in die Popkultur vordringen sollte.
Hyper Street Fighter II: The Anniversary Edition
Street Fighter II: The World Warrior war zwar der Teil, der die ganze Eins-gegen-Eins – Welle in den Spielhallen losgetreten hat, wird aber dennoch nicht auf dieser Liste zu finden sein. Warum nicht? Nun, dank Capcoms Drang, beinahe jedes Jahr eine verbesserte Version nachzuschieben, existieren nun Perlen wie Hyper Street Fighter II: The Anniversary Edition, welches 2003 auf der Playstation erschien und unterm Strich einfach besser ist.
Das Spiel basiert auf Super Street Fighter II Turbo, mitsamt allen Bossen und den 4 Neuzugängen, nur dass man hier nach der Charakterwahl zusätzlich auch noch die Varianten aus den vorangegangenen Iterationen auswählen konnte. Obwohl ursprünglich nur als Heimversion konzipiert, fand der Teil letzlich wieder seinen Weg zurück in die Spielhallen und wurde so etwas wie die definitive Version von SFII.
Street Fighter Alpha 3
Als ob man beweisen wollte, dass man niemals zu viele Street Fighter Spiele auf dem Markt haben kann, erschien in der Mitte der 90er Steet Fighter Alpha (oder „Zero“ in Japan) – der Start einer Reihe, welche sich inhaltlich auf die Zeit vor Street Fighter (1987) konzentrierte, also als Prequel gereiht war. Die ikonischen Kämpfer wie Ryu, Ken oder Chun-Li, werden darin deutlich jünger dargestellt und der Grafikstil zitiert einen Manga-Comic-Look, der alles poppiger und verspielter wirken lässt, als bei seinem älteren Pendant. Street Fighter Alpha 3 ist der Zenit dieser Reihe, wo sich massig Charaktere tummeln, von denen manche auch die Kontinuität ordentlich durcheinanderwirbeln (der gesamte Cast von Super Street Fighter II findet sich plötzlich auch im Prequel wieder, sowie ein paar Jungs aus Final Fight).
Super Specials, Konter und Combos wurden allesammt verbessert und gehen locker von der Hand. Die legendären Versionen für Sega Dreamcast und Saturn wird heute kaum noch wer finden, aber vielleicht kann man noch die Playstation Versionen in die Finger bekommen.
Street Fighter: The Movie
Entschuldigung, aber wir mussten diesen Totalschaden aus dem Jahre 1995 hier reinbringen, nur um zu zeigen, dass der Name und das Setup allein noch kein Garant für Erfolg ist. Die gleichnamige Arcadefassung ist zwar um einen Hauch besser als die Heimversion für Sony Playstation und Sega Saturn, lockt aber dennoch keinen mehr für ein Duell vor den Bildschirm.
Bei den Dreharbeiten für die grottige Kinoverfilmung mit Jean-Claude Van Damme, benutzte man die Schauspieler vom Set gleich, um sie für dieses Begleitprodukt zu digitalisieren - so wie es der damalige Konkurrent Mortal Kombat erfolgreich vormachte. Die Animationsphasen von Super Street Fighter II Turbo als Vorlage konnten so einfach ersetzt werden und am Ende hätte man einen Hit gehabt, der noch dazu mit echter Starpower der Zeit glänzt. Tja, das dies alles doch nicht so einfach war, mag sowohl an den Schauspielern gelegen haben, die zum Großteil einfach keine Ahnung von Kampfsport hatten und an den Entwicklern, die keinen Sinn für Ästhetik, Gameplay oder das Verständnis des Fighting-Genres besaßen.
Am Ende bleibt ein faszinierender Moment Spielegeschichte, der uns daran erinnert, wie toll all die anderen Street Fighter – Games sind.
Street Fighter III: 3rd Strike
Nach dem erfolgreichen Erscheinen so vieler Variationen von Street Fighter II, war es schon klar, dass es wohl einmal einen Dritten Teil geben würde - allerdings konnte sich keiner vorstellen, was man da jetzt so groß anders machen sollte und auch Capcom ließ sich ordentlich Zeit, bis Steet Fighter III tatsächlich das Licht der Öffentlichkeit erblickte. Genau wie im Vorgänger, war damit aber nicht Schluß und erst im Jahre 1999 wurde mit 3rd Strike die finale und beste Version für Fans spielbar.
Der neue Teil war visuell der Alpha-Reihe recht nah, auch wenn Ryu und Konsorten wieder deutlich älter gezeichnet wurden. In Sachen Animation legte man ordentlich was drauf und spendierte den Figuren so viele Frames, wie nie zuvor. Der Grund, warum Street Fighter III bei vielen Fans aber auch heute noch als der Höhepunkt der Reihe gesehen wird, ist das komplexe Kampfsystem, welches neue taktische Möglichkeiten eröffnet, sobald man sich mit der Block- und Kontermechanik auseinandergesetzt hat.
Wer das Video zu Daigos Comeback beim großen SF III Turnier kennt, weiß wovon wir reden.
Street Fighter EX Plus Alpha
Capcom war stets davon überzeugt, dass Street Fighter am besten auf einer 2D – Basis funktioniert. Dennoch experimentierte man mit der dritten Dimension in der 32bit-Ära der Playstation. Street Fighter EX Plus Alpha 3 hat zwar einen unendlich komplizierten Namen, ist aber so etwas wie der Testballon für die kommenden Teile. Zu mehr 3D als der Darstellungsform allein konnte sich Capcom auch hier nicht durchringen: Die Figuren kämpfen auf einer fixen Ebene, die sie nicht verlassen können, allerdings kann die Kameraperspektive zumindest andere Blickwinkel zeigen und die Animationen sind natürlich flüssiger, als in den Teilen wo man jede Phase davon von Hand erstellen musste.
Dafür ist der blockartige Look noch nicht das Gelbe vom Ei, auch wenn die hübschen Lichteffekte versuchen, soviel davon zu kaschieren, wie es zu dieser Zeit eben möglich war. Verglichen mit Soul Calibur oder Tekken ist die Steuerung aber viel direkter und ließ in Ansätzen schon erahnen, in welche Richtung es einmal in Street Fighter IV und V gehen sollte.
Capcom Vs. SNK 2
In den 90ern gab es einige legendäre Markenrivalitäten, die sich mit den Flame-Wars heutiger Tage durchaus messen könnten. Einer dieser Konflikte drehte sich um Capcom und SNK. Nach dem Siegeszug von Street Fighter II machte sich SNK daran, diesen Erfolg zu kopieren und widmete sich voll und ganz der Aufgabe, der unumstrittene Marktführer im One-on-One – Sektor zu werden. Fatal Fury, Art of Fighting, Samurai Shodown, King of Fighters oder World Heroes waren nur ein Teil der Titel, die SNK ins Rennen schickte, um Capcom die Krone streitig zu machen.
In einigen japanischen Spielhallen klappte das auch ab und an ganz gut. Die Lager schienen so zerstritten, dass keiner daran zu glauben wagte, dass sich Terry Bogard und Ryu einmal gegenüberstehen würden, auch wenn man es im Kopf immer durchgespielt hatte. Im Jahr 2000 passierte dann das Unmögliche mit dem Erscheinen von Capcom Vs. SNK und die Fans nahmen es mit Freuden auf. 2001 wurde diese verrückte Idee mit dem obligaten Nachfolger noch besser, dessen spektakuläre 3D Hintergründe noch heute ein echter Blickfang sind.
Ultra Street Fighter IV
Nach 3rd Strike blieb es eine ganze Zeit lang ruhig um die Franchise und Capcom richtete seine Aufmerksamkeit auf die zahlreichen anderen Spielreihen, die in den 2000ern stärker gefragt waren. Erst 2008 waren sie wieder bereit die Straßenkämpfer auf die Bildschirme zurückkehren zu lassen. Die Figuren bewegten sich noch immer auf einer Ebene, dafür aber in wunderschönem 3D und ungeheuer detaillierten Stages.
Die alten Charaktere wurden endlich mitsamt ihrer Attitüde perfekt eingefangen und 2010 in typischer Capcom – Manier mit neuen Kontrahenten bedacht. Obwohl der Teil schon knapp 10 Jahre auf dem Buckel hat ist er noch immer superschön und bleibt einer der besten der Reihe.
Street Fighter V
Street Fighter V hatte einen holprigen Start, bei dem sich Capcom ein paar Patzer, wie dem fehlenden Singleplayer Modus, schlechte Verbindungen, schnöde Stages und eine zu kleine Kämpferauswahl leistete. Inzwischen hat sich der Titel aber gefangen und kann durch seine Spielmechanik und kompetitiven Modi überzeugen.
Zwar wird auch SFV in den kommenden Jahren weiter wachsen und sich zu einem Fan-Favorit mausern, aber Capcom verkündete, dass dies hier ausschließlich durch DLC geschehen soll – so wird man wohl kein Super Street Fighter V Turbo Alpha Edition erwarten können, oder?
Marvel Vs. Capcom 2: New Age of Heroes
Als sich Capcom entschied, die Welt von Street Fighter mit der von Marvel im Jahr 1996 kollidieren zu lassen, entstand ein neues Sub-Genre an Fighting-Games, welches sich auf eine größere Auswahl und Teamkämpfe spezialisierte. Im Jahr 2018 führt Marvel vs. Capcom: Infinite die Spitze an, aber für die meisten Fans bleibt es der Zweite Titel der Reihe, der im Jahre 2000 die Spielhallen zu heißumkämpften Arenen machte.
Später auf die Sega Dreamcast portiert, waren hier 3 gegen 3 – Duelle möglich, mit einer gigantischen Auswahl aus 56 Helden aus der Welt von Marvel und Capcom. Einer der unterhaltsamsten Prügler aller Zeiten, der es später als Downloadtitel auch auf die Playstation 3 und Xbox 360 schaffte.
Ultra Street Fighter II: The Final Challengers
Der letzte Abkömmling der Street Fighter Blutlinie ist vielleicht auch der kontroverseste Kandidat auf der Liste. Im Grunde handelt es sich um nichts mehr, als eine neuverpackte Version von Super Street Fighter II HD Remix, einem Downloadtitel aus dem Jahr 2008. Zusätzlich trägt diese Version auch die Schmach des Spielmodus „Way of the Hado“, dessen miese Bewegungssteuerung euch schnell in den Wahnsinn treiben wird. Dennoch gibt es auch wunderbare Seiten, wie die Möglichkeit, durch die abnehmbaren Controller der Nintendo Switch, jederzeit und überall einen Gegner fordern zu können.
Das Spiel verkaufte sich vor allem deshalb auch nicht schlecht - denn trotz des bitteren Beigeschmacks ist noch immer genug Street Fighter II – Power in der Version enthalten und die Welt braucht nun einmal jeden Street Fighter, den sie kriegen kann.