In der Natur eines jeden Sportes liegt es, dass er sich immer weiter entwickelt. Die ständige Jagd nach Überlegenheit sorgt dafür, dass jeder Sport mit den Jahren immer schwieriger und fordernder wird. Manchmal aber kommen da Sportler daher, mit so unglaublichem Talent und Fähigkeiten, dass sie Generationen überstehen. Athleten, die Grenzen überschreiten und verschieben, die zu jenem Zeitpunkt undenkbar waren und sind. Hier sind acht MotoCrosser, die genau das gemacht haben...
James Stewart
Als James Stewart auf das Profi-Level kam, war er einer der höchst gelobten MotoCross-Rookies aller Zeiten. Er bekam mit nur 15 Jahren einen Vertrag im Kawasaki Werks-Team, fuhr 2002 einen Monat nach erreichen des AMA-Mindestalters von 16 Jahren sein erste SuperCross-Rennen. In seinem ersten Jahr überzeugte Stewart mit unglaublichem Speed und Talent, präsentierte der Welt den Bubba-Scrub, welcher den MotorCross-Sport revolutionieren sollte. Stewart war eine ganz neue Art Racer, einer, mit einer ganz außergewöhnlichen Ausstrahlung und mit Fähigkeiten, die seine Wettbewerber alt aussehen ließen. In seinen Anfangsjahren wusste Stewart, dass er nicht verlieren kann – und das wusste auch die Konkurrenz. Als er 18 wurde, war er der beste 125ccm-Pilot, den die Welt jemals gesehen hatte.
Travis Pastana
Travis Pastrana hat die Grenzen des MotoCross verlassen und Mainstream-Erfolge gefeiert, wie es keinem anderen MX-Racer zuvor gelungen ist. Er eroberte mit seinem Nitro Circus die Welt des Action-Sportes. Die Wurzeln von Pastrana liegen aber im MotoX – in seinen jungen Jahren gewann er nicht nur Amateur-Titel, der stand auch an der Spitze der Freestyle MotoCross Bewegung... und all das noch bevor er ein Teenager war. Pastrana gewann sein erste FMX-Event bei den X-Games mit nur 15 Jahren: Mit Abstand der jüngste Fahrer, dem das gelungen ist. Ein Jahr später, mit 16 Jahren, gewann er übrigens den Titel im AMA 125 Outdoor National.
Jeremy McGrath
Jeremy McGrath ist der erfolgreichste SuperCross Fahrer aller Zeiten und wird das vermutlich für immer bleiben. Er hat 72 Siege. Der nächst beste? Stewart. Mit 50 Siegen. McGrath gab im SuperCross der 90er den Takt an, gewann in acht Saisons sieben Titel bis Ricky Carmichael kam und die Szene aufmischte. Es war nicht gerade McGraths Arbeitseinstellung, die ihm die Titel einbrachte, es waren seine Fähigkeiten. MC kam aus dem BMX-Sport und transferierte die präzisen Skills vom Fahrrad in den SuperCross, wie es noch nie zuvor einer gemacht hatte. Er fuhr Sprünge, die sich andere noch nicht einmal trauten anzufahren. Das bedeutete aber auch, dass ihm in den Rennen keiner gefährlich werden konnte. McGrath sagte, dass seine normale Strategie bei den Events sei, die ersten acht Runden hart anzugreifen und dann die nächsten zwölf zu cruisen – denn dann hatte er eh schon eine immense Führung.
Ken Roczen
Der „am besten vermarktbarste Rennfahrer der Welt“ kam 2009 mit nur 15 Jahren aus Deutschland in die Pro-Szene der USA und machte sich sofort einen Namen. Er war der jüngste Fahrer, der jemals einen Grand Prix der MotoCross Weltmeisterschaft gewonnen hatte, holte dann den WM-Titel und wechselte nach Amerika. Dort hat er auch schon zwei Meisterschaften gewonnen. Roczen, 20 Jahre jung, ist ein Mix aus Charisma und Talent, der sich die Checks der Sponsoren quasi selbst ausfüllen kann. Frauen wollen ihn, Männer wollen wie er sein und das bedeutet, dass die großen Marken ihre Logos auf ihm platzieren wollen.
Ricky Carmichael
Ricky Carmichael ist der „GOAT“ [Greatest of all time – Größter aller Zeiten]: 150 Moto- und SuperCross Siege, 16 Meisterschaften in knapp über zehn Jahren. RC hatte derweil nicht den Lehrbuchstil, wie ihn die Trainer heute immer wieder in ihre Fahrer einhämmern wollen, er fuhr wie eine Bulldogge – und der Rader aus Florida verlor niemals eine Titelverteidigung. Nie. Carmichael war ein Arbeitstier und seine makellose Fitness, kombiniert mit grenzenlosen Trainingsstunden auf der Piste machten ihn im Rennen unantastbar. Zwei perfekte Saisons – mit 24 Siege in Folge in zwei Fällen – holst du bei den Outdoor Nationals nicht einfach durch Glück.
Jeffrey Herlings
Jeffrey Herlings ist gerade einmal 19 Jahre alt und hat schon zwei MX2 Weltmeisterschaften gewonnen. Die FIM gewährte ihm eine Ausnahme zwei Jahre länger als normal in der MX2 zu bleiben, einfach, weil noch nie jemand zuvor zwei Titel gewonnen hatte (laut dem Reglement die maximal gestattete Anzahl dieser Klasse) – mit nur 17 Jahren. Herlings brach sich den Oberschenkel und saß gerade einmal wieder sechs Wochen auf dem Motorrad, als er den Auftakt-GP in Katar gewann. Herlings ist die Gegenwart und Zukunft des MotoCross-Sportes.
Jean-Michel Bayle
Nach seiner Dominanz in der MotoCross Weltmeisterschaft in den späten 80er Jahren war Jean-Michel Bayle der erste einer neuen Welle an Europäern, die nach Amerika kamen und Cross fuhren. Nach unzähligen FIM Weltmeisterschaften wechselte JMB in die USA und gewann noch mehrfache AMA Titel. In vier Jahren gewann er jeden wichtigen, nationalen US-Titel: 125, 250 und 500 Outdoor, sowie den 250 SuperCross von 1991. Bayle hatte einen unglaublich sanften Stil und etwas, was kein Fahrer der Welt kopieren konnte. Damit machte er sich zu einem der best-dekoriertesten Rennfahrer der MotoCross-Welt. Ende 1992 hatte Bayle erreicht, was er erreichen wollte und wechselte 1993 in die MotoGP. Er kam, sah, siegte – und wechselte in den Straßenrennsport.
Stefan Everts
Stefan Everts, Sohn von Harry Everts – einem der ersten Stars des MotoCross – ist einer der besten FIM Weltmeisterschafts MotoCrossern aller Zeiten. Er kam mit 17 Jahren in die Weltmeisterschaft und holte zwei Jahre später seinen ersten Titel. In seiner Karriere wurde Stefan Everts zehn Mal Weltmeister und gewann 101 Grands Prix – nach wie vor alleiniger Rekord im MXGP. Der Belgier ist auch der einzige Fahrer, der drei GPs in drei unterschiedlichen Klassen gewinnen konnte – am gleichen Tag. Das war allerdings in der Zeit, als pro Klasse nur ein Rennen pro Tag gefahren wurde – aber trotzdem beeindruckend. Everts konnte praktisch an jeder Stelle der Strecke aufstehen, was einen Style auf dem Motorrad so anstrengungslos erschienen ließ – damit brach er natürlich die Konkurrenz, die er auf der Strecke sowieso zerstörte.
Teil dieser Story



